November 2022

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1. November

Allerheiligen

Im Jüdischen entstand eine Legende, nach der die Seelen in der Sheol, der höllischen Unterwelt der Sünder, jeden Freitagabend nach Sonnenuntergang durch den dunklen Engel des Todes, auf Zeit frei gelassen werden. Sie sitzen dann, um sich zu kühlen, an einem fließenden Wasser. Strenggläubige Juden tranken deshalb am Sabbat kein Wasser, damit der Wasserspiegel nicht gesenkt wird, um den aus der Hölle Beurlaubten nicht die Labsal zu mindern.
Die Heiligung des Sabbat ist bis heute im Judentum so stark, er steht höher als die Trauer, darum legt der Trauernde während dieser Zeit die Trauerkleider ab und nimmt die Trauer erst hinterher wieder auf.

Dieser Glaube, dass selbst die Gottlosen in der Hölle am Sabbat keine Strafe erleiden, wurde im Christentum übernommen. Es waren hier die Seelen im Fegfeuer.

Nach altem christlichen Volksglauben stiegen die Armen Seelen an Allerseelen aus dem Fegfeuer zur Erde auf und ruhten für kurze Zeit von ihren Qualen aus. Dieser Tag wird geprägt durch Zuwendungen für Arme, Mönche, Nonnen und Patenkinder durch ein Gebäck wie z. B. Seelenbrötchen, aber auch spirituellen Gaben wie Licht, Weihwasser und Gebet. Es  gibt örtlich auch feierliche Prozessionen auf den Friedhof. Und in verschiedenen Gebieten heischten die Kinder früher "um der armen Seelen willen" und erhielten Mehl, Getreide, Schmalz, Äpfel, Geld und vor allem Brot. Auch gibt es Gegenden wo die Kinder auf den Gräbern Münzen suchten und fanden, um sich damit "Seelenbirnen" oder Gebäck kaufen konnten.

2. November

Auch an Allerseelen gab es in früheren Jahrhunderten abergläubische Bräuche. Um die Qualen der Seelen in der heißen Hölle zu lindern, wurden die Gräber mit Weihwasser bespritzt. Man stellte Speisen auf das Grab (Brot, Wein, Bohnen), zündete Kerzen an, aber nicht auf den Gräbern von Selbstmördern, deren Kinder dadurch auch zu Selbstmördern wurden.
Das Licht auf den Gräbern soll Seelen anlocken, ihnen den Weg zum Ruheplatz des Körpers zeigen oder die Seelen wärmen. In anderen Gegenden ist das Licht eine Schranke zwischen Lebenden und Toten oder vertreibt böse Geister. Wer sich nachts auf einen Grabhügel stellte, sollte alle im nächsten Jahr Verstorbenen über die Gräber gehen sehen, weil die Toten diejenigen, die im nächsten Jahr sterben, benennen.
Aber auch zu Hause verpflegt man die Toten: Speise und Trank (Milch, Wasser, Brosamen) bleiben auf dem Tisch stehen.
Im Tal der Mosel gab es am Abend von Allerseelen Hirsebrei, weil angenommen wurde, dass so viele Körner man isst, so viele Seelen man aus dem Fegfeuer befreit.
Zur Kühlung der Leidenden wird Mehl ins Feuer geschüttet.
Es darf keine leere Pfanne auf dem Ofen stehen, damit sich nicht eine arme Seele versehentlich hinein setzt; keine Ofengabel darf verkehrt herum stehen, es würde der armen Seele weh tun; kein Messer darf verkehrt herum am Tisch liegen, die arme Seele müsste darauf Platz nehmen. Das Herdfeuer muss Tag und Nacht brennen, damit die Seelen, die die „kalte Pein” erlitten, sich wärmen können.
In den Räumen stellte man brennende Lichter auf, vor denen wurde für die Ruhe der Seelen gebetet. Das Licht, das die ganze Nacht brannte, sollte den Seelen zum ewigen Licht verhelfen. Ein Licht, nicht mit Öl, sondern mit Fett oder Butter gespeist, damit die Seelen ihre Brandwunden kühlen konnten.
In der Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen drohte im Feien Gefahr zu sterben, denn Spuk und Zauber, und alle Geister und Dämonen hatten freies Schalten und Walten.
Am Tag selber war einiges untersagt, so das Säen von Korn oder die Gämsenjagd.
An Allerseelen einen textilen Lumpen auf einen Baum geworfen, schützte das Vieh vor dem „vermeynen”.
Durch „Totenbahrenziehen” konnte man angeblich alles erhalten, was man sich wünschte.
Mit dem Allerseelentag endete in früheren Jahrhunderten das alte Wirtschaftsjahr, das neue begann mit Martini.

3. November

Spannenlanger Hansel, nudeldicke Dirn,
geh'n wir in den Garten, schütteln wir die Birn’.
Schüttel ich die großen, schüttelst du die klein’,
wenn das Säckel voll ist, geh'n wir wieder heim.

„Lauf doch nicht so närrisch, spannenlanger Hans!
Ich verlier die Birnen und die Schuh noch ganz.“
„Trägst ja nur die kleinen, nudeldicke Dirn,
und ich schlepp den schweren Sack mit den großen Birn’.“

Ein bekanntes Lied, das wir früher oft gesungen haben.

4. November

Bei Zwergen und Riesen

So ist es im Lande der Zwerge:
Ameisenhaufen sind die Berge,
das Sandkorn ist ein Felsenstück,
der Seidenfaden ist ein Strick,
die Nadel ist da eine Stange,
ein Würmchen eine Schlange,
als Elefant gilt eine Maus,
der Fingerhut ist dort ein Haus,
die Fenster scheinen Nadelöhre,
ein Glas voll Wasser wird zum Meere,
ein Haar wird da zum dicksten Baum -
man glaubt es kaum!
So ist es im Lande der Riesen:
Da nähen die Schneider mit Spießen,
da stricken die Mädchen mit Stangen,
da füttert man Vögel mit Schlangen,
da malen mit Besen die Maler,
da macht man wie Kuchen die Taler,
da schießt man die Mücken mit Pfeilen,
da webt man die Leinwand mit Seilen,
und fingerdick wächst dort ein Haar -
ist's wirklich wahr?

Volksgut

5. November

Geschichte aus einem alten Lesebuch:

Der Drachen

 

„Hu, hu, was fliegt da für ein großer Vogel in der Luft? Es ist ein Ungeheuer, das uns auffressen will!“ So schreien die Vögelein, die über dem Felde in der Luft hin und her flogen. Sie flatterten ängstlich und suchten ihre Nester und Winkel.
Eine Schwalbenmutter, die zu ihren Kinderchen kam, erzählte ihnen von dem schrecklichen Dinge, das da in der Luft schwebte: Es hatte rote Augen, ein rotes Maul, ein breites Gesicht und einen langen, langen Schwanz, den es immer hin und her schlängelte. Ich habe vor lauter Angst die Fliege fallen lassen, die ich schon im Schnabel hatte und euch bringen wollte. Und die jungen Schwalben duckten sich furchtsam und krochen der Mutter unter die warmen Flügel; denn da waren sie doch ganz sicher und geborgen.
Nur die freisten Sperlinge sprachen untereinander in ihrer Sperlingssprache: „Wir wollen uns das närrische Ding doch mal etwas näher besehen, wir glauben noch gar nicht, dass es ein böser Raubvogel ist.“ Sie flogen grade darauf los; da merkten sie, dass das Ding von Papier sei, dass ihm Auge und Mund von roter Farbe angemalt waren und der fürchterliche Schwanz nichts weiter als ein Faden war, an dem kleine Papierstreifen hingen. Die wehten freilich tüchtig im Winde, aber die Sperlinge fürchteten sich nicht.
Die Sperlinge sagten es den anderen Vögeln und die schämten sich nun, dass sie sich so gefürchtet hatten.

Klemens Ernst

6. November

Leonhard war ein im 6. Jahrhundert lebender kath. Heiliger und Klosterstifter. Er war Schutzpatron des Viehs, besonders der Pferde.

Zu Ehren St. Leonhards, finden dieser Tage wieder zahlreiche Leonhardiritte statt.

Zum St. Leonhards-Tag:

Da für die wachsende Bevölkerung des Hochmittelalters immer mehr Getreide benötigt wurde, ging das zu Lasen der Weideflächen und für manche Bauern wurde die Viehhaltung unrentabel, denn es fehlte an Futter und Hütepersonal. So wurde im 13. Jahrhundert der Gemeindehirte angeschafft, der alle Tiere des Dorfes einsammelte und nach einem Nutzungsplan auf die Flächen der Gemeinde und Bauern brachte. Der Großhirte weidete Kühe und Pferde, der Kleinhirte Schafe, Schweine, Ziegen und Gänse. Der Hütedienst wurde von den Bauern in Naturalien bezahlt und die meisten Hirten mussten einer Nebentätigkeit nachgehen, zum Beispiel als Totengräber oder Nachtwächter, Körbe wurden geflochten und Holzschuhe gefertigt. Aber auch Abdecker mussten sie sein, das zutiefst verachtet wurde. Die Bauern schufteten im Schweiße des Angesichts auf den Feldern und meinten, Schäfer würden fürs Nichtstun bezahlt.

Im 18. Jahrhundert begann man, die Tiere das ganze Jahr über im Stall zu halten und den Dung auf den Feldern auszustreuen. Auf Brachflächen wurden Futtermittel angebaut - das Hirtenwesen starb aus.

Im 19. Jahrhundert wurde der Mineraldünger eingeführt.

Heutzutage muss man für diesen Beruf geboren sein, der oft in vielen Generationen ausgeübt wird. Drei Jahre Gesellenzeit und zwei Jahre Berufserfahrung, dann Meisterprüfung, machen einen Schäfer aus, der vierbeinige Helfer braucht. Zum Lohn winkt ein intensives Naturerlebnis - das ganze Jahr über und auch in guten wie in schlechten Jahren.

7. November

Der Drachen

Helmut hatte zu seinem Geburtstag einen Drachen bekommen. Er war von gelbem Papier und hatte zwei blaue Sterne. Er hatte auch einen Schwanz von weißen Papierschnitzeln. Helmut band. einen langen Bindfaden daran und ließ ihn auf der Straße fliegen; denn dort wehte es tüchtig. Der Drachen flog gut und stieg bis an die Dächer hinauf. Aber Helmut musste in einem fort laufen; denn wenn er stehen blieb, so fiel der Drachen gleich auf die Erde.
Nun lief er wieder die Straße entlang, als ein Hund aus einem Hause herauskam und den Drachen sah. Und weil der Schwanz des Drachens so dicht vor seiner Nase umher flog, so war er nicht faul und rannte mit lautem Gebell hinterher. Helmut wollte sich totlachen; denn wenn der Hund zupacken wollte, so flog der Drachen in die Höhe. Und je mehr der Hund bellte und tobte, um so lustiger wurde unser Helmut.
Aber aus dem Lachen wurde auf einmal Weinen. Denn nun war die Straße zu Ende, und Helmut musste in eine Nebenstraße einbiegen. Da kam aber der Wind von der Seite und warf den Drachen gegen ein Haus. Der Drachen fiel herunter und schleifte auf der Straße dahin. Im Nu hatte ihn der Hund gepackt und mit den Pfoten und Zähnen zerrissen. Helmut war vor Schrecken außer sich. Er wollte dem Hund den Drachen wegreißen; aber der hielt ihn fest und wälzte sich in dem bunten Papier umher. Da kam ein Mann und jagte den bösen Hund davon. Weinend nahm Helmut die Stücke auf und brachte sie ins Haus.
Aber der Vater tröstete ihn und sagte: "Sonntagmorgen machen wir zusammen einen neuen Drachen und lassen ihn auf dem Felde steigen. Dann kann ihn kein böser Hund kriegen."

Fritz Gansberg - aus meinem ersten Schullesebuch

8. November

Der weiße Hirsch

Es gingen drei Jäger wohl auf die Pirsch;
Sie wollten erjagen den weißen Hirsch.
Sie legten sich unter den Tannenbaum;
Da hatten die drei einen seltsamen Traum.

Der erste:
Mir hat geträumt, ich klopf auf den Busch;
Da rauschte der Hirsch heraus, husch, husch!

Der zweite:
Und als er sprang mit der Hunde Geklaff,
da brannt’ ich ihn auf das Fell, piff, paff!

Der dritte:
Und als ich den Hirsch an der Erde sah,
da stieß ich lustig ins Horn, trara!

So lagen sie da und sprachen, die drei;
Da rannte der weiße Hirsch vorbei,
und eh’ die drei Jäger ihn recht geseh'n,
da war er davon über Tiefen und Höhn.
Husch, husch! Piff, paff! Trara!

Ludwig Uhland

9. November

Hubertusjagd

Die Legende von einem Kreuz tragenden Hirsch wurde ursprünglich dem heiligen Eustachius zugeschrieben. Die Übertragung auf den heiligen Hubertus erfolgte erst seit dem 15. Jahrhundert.

Nach dieser Legende wurde Hubertus 655 als Sohn eines Edelmannes geboren und war ein leidenschaftlicher Jäger und führte anfangs ein eitles, vergnügungssüchtiges Leben. Eines Tages hatte er bei der Jagd einen Hirsch aufgespürt und verfolgte ihn, um ihn zu töten. Dieser stellte sich ihm aber plötzlich entgegen und zwischen seinem Geweih erstrahlte ein Kreuz. In Gestalt des Hirsches sprach Christus zu ihm: "Hubertus, warum verfolgst du mich?" Hubertus stieg vom Pferd und kniete vor dem Hirsch nieder. Von da an beendete er das Jagen und führte  ein einfaches Leben, wurde später sogar Bischoff zu Maastricht und Lüttich.

10. November

11. November

... Martinstag ...

Die Gans in der Sage

Nicht nur beim Heiligen Martin spielen Gänse eine bedeutende Rolle, denn Gott Geb stellte man im alten Ägypten mit einer Gans auf dem Kopf dar.

Der griechischen Göttin Hera war die Gans heilig.

Die Römer kannten sie als Juno, sie verdankten dem Geschrei ihrer Gänse Warnung vor herannahenden Feinden.

Weil der heilige Ludger sein Bistum Mimigardeford in Westfalen von einer Wildgänseplage befreit hatte, wird er mit Gänsen dargestellt.

Livius, römischer Historiker, erzählt folgende Geschichte: Als die Gallier nachts klammheimlich das Kapitol erklommen, merkte die müde Mannschaft nichts, auch die Hunde gaben keinen Laut, aber die Gänse erhoben ein Geschnatter, wedelten mit den Flügeln und weckten die Wachen.

Selbst Plinius hielt die Gans für ein sehr kluges Geflügel, dem Menschen zugetan. Es sei in Aegium eine Gans in Liebe zu dem schönen Knaben Amphilochus entbrannt. Auch sei eine andere in die Harfenspielerin des Königs Ptolemäus verliebt gewesen. Dem Philosophen Lacydes sei eine Gans weder auf der Straße noch in den Bädern, bei Tage und auch nicht bei Nacht von der Seite gewichen. Es hieß folglich, dass diese Vögel wohl einen gewissen Verstand haben.

12. November

Kein Tierlein ist auf Erden ...

Kein Tierlein ist auf Erden dir, lieber Gott, zu klein;
Du lässt sie alle werden, und alle sind sie dein.
Zu dir, zu dir ruft Mensch und Tier,
der Vogel dir singt, das Fischlein dir springt,
die Biene dir summt, der Käfer dir brummt,
auch pfeift dir das Mäuslein klein:
Herr Gott, du sollst gelobet sein!

Das Vöglein in den Lüften singt dir aus voller Brust,
die Schlange in den Klüften, zischt dir in Lebenslust.

Die Fischlein, die da schwimmen, sind, Herr, vor dir nicht stumm,
du hörest ihre Stimmen, ohn dich kommt keines um.

Vor dir tanzt in der Sonne der kleinen Mücklein Schwarm
zum Dank für Lebenswonne. Ist keins zu klein und arm.

Sonn, Mond gehen auf und unter in deinem Gnadenreich,
und alle deine Wunder sind sich an Größe gleich.

Worte: Clemens Brentano
Weise: Peter Fuchs

13. November

Der Wetterfrosch

Frösche können tatsächlich das Wetter vorhersagen, zumindest der Europäische Laubfrosch. Er ist der einzige Frosch in Europa, der in seinen Füßen Saugnäpfe hat. Mit denen klettert er an sonnigen Tagen an den Pflanzen hoch, während er bei Regen eher am Boden zu finden ist. Das liegt aber nicht daran, dass die Frösche sich gerne sonnen – allein der Hunger treibt sie die Pflanzen hinauf. Ihre Nahrung, die Insekten, fliegen nämlich bei Sonne höher und bei Regen tiefer.

14. November

Vogelfütterung

Selbst gemachte Vogelkekse

Man braucht: Frittierfett, z.B. von Palmin in Portionsstücken (1 Stück reicht für etwa einen Keks), gemischte Vogelfutterkerne, Strohhalme, Backformen, (z.B. Sterne und Herzen oder Kreise - mit einem Durchmesser von mindestens 6 cm), Bindfaden, Backpapier und einen Kochtopf.

Ein Stück Frittierfett bei geringer Hitze schmelzen, Vogelfutter dazu, bis eine dicke Masse entsteht. Die Backförmchen auf ein Stück Backpapier legen und eine dünne Schicht Vogelfuttermasse hineinfüllen. Damit man den Vogelkeks später aufhängen kann, schneidet man einem Strohhalm ein ungefähr 5 cm langes Stück ab und drückt es in das untere Drittel z.B. eines Zackens zwischen die Körner, am Anfang ein wenig festhalten. Nachdem die erste Schicht abgekühlt ist, kommt die nächste darauf und muss auch fest werden. Diesen Vorgang wiederholen, bis die Keksform voll ist. Das Fett gut fest werden lassen, evtl. im Kühlschrank und das "Plätzchen" vorsichtig aus der Form lösen. Ganz am Schluss den Strohhalm herausziehen und ein Stück Faden zum Aufhängen durch das Loch ziehen. Sicher ein Spaß für Kinder!

15. November

Dämmerung

Zögernd geht der lichte Tag
aus der Stube, aus dem Haus,
und der Glanz auf Krug und Schale,
an der Wand die Sonnenmale
löschen langsam aus.

Leiser klingt der Kinder Rufen,
Steig und Gassen werden leer,
Schrank und Tisch, Bett und Truhe
stehn in seltsam ferner Ruhe
und gehören mir nicht mehr.

Botenspruch der nahen Nacht
wandelt aller Dinge Maß:
Selbst der Liebsten Angesicht
ändert sich im Dämmerlicht
und wird fremd und blass.

Friedrich Czerny

16. November

Gibt es ein Leben nach der Geburt?

Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch der Mutter.
„Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“, fragt der eine Zwilling.
„Ja, auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden stark für das was draußen kommen wird", antwortet der andere Zwilling.
„Ich glaube, das ist Blödsinn“, sagt der erste. „Es kann kein Leben nach der Geburt geben – wie sollte das den bitteschön aussehen?“
„So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen.“
„So einen Unsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist die Nabelschnur viel zu kurz.“
„Doch, es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders.“
„Du spinnst! Es ist noch nie einer zurückgekommen von ‚nach der Geburt’. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Punktum.“
„Ich gebe ja zu, dass keiner weiß, wie das Leben nach der Geburt aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden und sie wird für uns sorgen.“
„Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?“
„Na hier – überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!“
„Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt also gibt es sie auch nicht.“
„Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt ...“

17. November

Gebet am Morgen

Lieber Gott,
ich habe noch nicht getratscht,
nicht die Beherrschung verloren,
war noch nicht muffelig,
gehässig, egoistisch oder zügellos.
Ich habe noch nicht gejammert,
geklagt, geflucht oder
Schokolade gegessen.
Die Kreditkarte hab ich auch
noch nicht belastet.

Aber in etwa einer Minute
werde ich aus dem Bett klettern,
und dann brauche ich wirklich
Deine Hilfe …

18. November

Wohlbefinden durch einen guten Duft
Es stimmt, dass die Größe und Form der Nase die Geruchswahrnehmung beeinflusst, allerdings ist nicht der äußere, sichtbare Teil der Nase entscheidend, sondern die Nasenhöhlung im Inneren, denn die Geruchsnerven mit über zehn Millionen Zellen liegen in der Riechschleimhaut. Die "Riechschwelle" hängt aber trotzdem noch von anderen Faktoren ab. Die meisten Menschen riechen auf der rechten Seite mehr, hat aber mit Rechts- oder Linkshänder nichts zu tun, weil in der rechten Seite des Gehirns  das Riechzentrum besser ausgebildet ist.

Hat man Schnupfen ist die Nase verstopft und man hat auch keinen Appetit, denn die Nase liefert Informationen darüber, ob etwas schmackhaft ist oder nicht.
Die Duftstoffe, die beim Essen aus dem Mund zurück in die Nase steigen, nennt man retronasales Riechen, das oft als Schmecken wahrgenommen wird. 

19. November

Möge dich ein Engel begleiten, zu deiner Rechten und zu deiner Linken,
damit du bewahrt bleibst vor den Angriffen derer, die es nicht gut mit dir meinen.

Möge ein Engel unter dir stehen, um dich zu tragen, wenn du keinen festen
Boden mehr unter dir spürst.

Möge ein Engel in dir sein, um deine Tränen zu trocknen und dein Herz mit dem
Licht der Zuversicht zu erhellen.

Möge ein Engel über dir sein, um dich zu behüten vor den alltäglichen Gefahren,
damit kein Unheil dein Leben bedroht.

Mögen dich alle Engel des Himmels mit ihrem Segen erfüllen und umhüllen an
allen Tagen deines Lebens und in jeglicher Nacht.

Möge dein Herz von innen beflügelt sein zur Versöhnung und Gerechtigkeit.

Möge dich ein Engel berühren im Vorübergehen und deine Zaghaftigkeit
beflügeln, deine Gedanken erhellen, deine Seele erleuchten und deine Schritte
stärken auf dem rechten Weg zur Begegnung mit dir selbst.

Möge ein Engel vor dir hergehen und dir die Richtung weisen, in der du
Erfüllung findest Schritt für Schritt.

Möge ein Engel hinter dir stehen, um dir den Rücken zu stärken, damit du
aufrecht und wahrhaftig leben kannst.

Christa Spilling-Nöker

20. November

zum heutigen Totensonntag:

Gebet

Herr! Schicke, was du willst,
ein Liebes oder Leides;
ich bin vergnügt, dass beides
aus deinen Händen quillt.

Wolltest mit Freuden
und wolltest mit Leiden
mich nicht überschütten!
Doch in der Mitten
liegt holdes Bescheiden.

Eduard Mörike

21. November

Jedem seinen Lohn
Legende aus Finnland - nacherzählt von K. v. Lagerstroem

Eines Abends kamen nach einer langen Wanderung Sankt Peter und unser Herr in ein Dorf. Ihre Suche nach einem Nachtlager führte sie an einem ärmlichen Gehöft vorbei, doch dort wollten sie nicht einkehren, um den armen Leuten keine Mühen zu verursachen. So pochten sie schließlich an die Tür eines stattlichen Bauernhofes. Nichts rührte sich. Endlich, nachdem die Wanderer mehrmals geklopft hatten, hörten sie aus dem Haus eine Frau unwillig fragen: "Wer trommelt denn da noch so spät an die Tür, was wollt ihr?" - Sankt Peter brachte ihr Anliegen vor. - "Sucht euch anderswo euer Nachtlager", keifte die Frau, "aber nicht hier. Ich habe keine Lust, mir noch mehr Arbeit zu machen. Schert euch fort, sonst hetz' ich die Hunde auf euch." Da versuchten es die Wanderer bei dem armen Gehört und wurden dort auch freundlich aufgenommen. Als am nächsten Morgen Sankt Peter einen Lohn anbot, wehrte die Hausfrau ab. "Nein", sagte sie, "für so Weniges darf man kein Geld annehmen, behaltet es nur, auf eurer Wanderung werdet ihr euer Geld ohnehin selber brauchen." - "Nun", sagte unser Herr, "Wenn du also für deine Mühe kein Geld haben willst, dann musst du dir schon unseren Segen zu deiner ersten Arbeit gefallen lassen. Mögest du mit dem was dir diesen Segen bringt, zufrieden sein."
Nach dem Abschied ging nun die Frau daran, die Leinwand zu messen, die sie tags zuvor gewebt hatte. Sie maß und maß, aber das Gewebe nahm und nahm kein Ende. Drei Tage dauerte das Messen, und es war so viel, dass sie und ihre Familie durch den Erlös vom Verkauf der Leinwand bis an ihr Lebensende von aller Not geschützt waren. Freudig und zugleich verwundert erzählte sie überall im Dorf von den Fremden und ihren Gaben. So erfuhr es auch die reiche Bäuerin, die nun ihr Verhalten heftig bereute und sich vornahm ein andermal klüger zu sein, sollten die Fremden wieder durch das Dorf kommen.
Darüber verging einige Zeit. Bei den Armen gedieh alles immer erfreulicher, wohingegen es den Reichen nicht mehr ganz so gut ging wie früher. So standen nun die Dinge, als die beiden Fremden abermals durch das Dorf kamen; und wie das erste Mal begaben sie sich zunächst einmal zu dem reichen Gehöft. Diesmal jedoch empfing die Hausherrin sie mit zuckersüßer Miene, trug das Beste und Schönste auf, das im Haus zu finden war, und richtete ihnen ein prächtiges Nachtlager. Am folgenden Morgen wollte sie von einer Bezahlung nichts wissen, sondern gab ihnen noch reichlich Wegzehrung mit. - "So viel Freundlichkeit können wir nicht unbelohnt lassen", sagten die Fremden, "darum soll ein dreitägiger Segen auf der ersten Arbeit ruhen, die du heute beginnst."
Kaum hatte sich die Tür hinter den Fremden geschlossen, als die Bäuerin auch schon gierig nach dem Geldbeutel griff. Wie viel Geld wollte sie aus dem Beutel schöpfen, welch unermessliche Summe gedachte sie sich an diesen drei Tagen zusammenzuzählen! Sie setzte sich zurecht, holte noch schnell aus ihrem Jackenärmel das Taschentuch und schnäuzte sich kräftig. Sie schnäuzte und schnäuzte unaufhörlich. Das Schnäuzen nahm kein Ende und wurde der Bäuerin zur unerträglichen Qual. Drei Tage lang dauerte das Nasenschnäuzen, dann erst kam sie von der Beschäftigung los. Erschöpft, fluchend und doch wiederum all den guten Geistern für ihre Erlösung dankend, trug die Bäuerin den Geldbeutel vom Tisch fort.

22. November

Wichtig ist, was wir unseren Kindern vorleben, denn daraus lernen sie - viel leichter - als durch das Muss:

ALS DU DACHTEST, ICH SCHAU GRAD NICHT HIN,

hast du meine erste Kinderzeichnung an deiner Wand aufgehängt, und ich wollte sofort noch einmal zeichnen.

sah ich, wie du eine streunende Katze gefüttert hast, und ich lernte, dass es gut ist, zu Tieren freundlich zu sein.

habe ich gesehen, dass du gerade meinen Lieblingskuchen für mich gebacken hast,
und ich lernte, dass eben die kleinen Dinge die besonderen Dinge im Leben sein können.

habe ich dich ein Gebet sprechen gehört, und ich lernte auf Gott zu vertrauen.

habe ich gesehen, dass du ein Essen zubereitet hast und es dann zu einem unserer Freunde gebracht hast, weil er krank war, und ich lernte, dass wir alle zusammen helfen müssen, um füreinander zu sorgen.

sah ich, wie du Zeit und Geld investiert hast, um anderen Leuten zu helfen, die nichts hatten, und ich lernte, dass die, die etwas haben, denen abgeben sollten, die nichts haben.

sah ich, wie du unser Haus und jeden darin versorgt hast, und ich lernte, dass wir für das Sorge tragen sollen, was uns anvertraut ist.

sah ich, wie du dich um deinen Verantwortungsbereich gekümmert hast, auch als du dich nicht gut fühltest, und ich lernte, dass ich Verantwortung tragen müsste, wenn ich erwachsen sein würde.

sah ich Tränen aus deinen Augen fließen und ich lernte, dass einem manchmal etwas weh tut, und dass es in Ordnung ist, darüber Tränen zu vergießen.

sah ich, dass du mich gern hast und ich wollte alles sein, was in mir steckt und wollte nun auch mich selbst mögen.

lernte ich die Lektionen fürs Leben, die ich brauchte um ein guter und produktiver Mensch zu sein, wenn ich erwachsen sein würde.

schaute ich auf dich und wollte sagen: "Danke für alle Dinge, die ich gesehen habe, als du dachtest, ich schau grad nicht hin."

Dies wurde geschrieben für alle Leute, die so viel für andere tun und dabei denken, keiner sieht jemals, was sie tun.
Kinderaugen sehen so viel.

Verfasser unbekannt.

23. November

Wie sehr erinnere ich mich an die Trotzzeit meiner Kinder. Vor allem meine Tochter musste recht oft und raffiniert ausgetrickst werden. Folgende Geschichte erinnert mich daran. Sind diese Zeilen auch schon sehr alt, wiederholt sich das Geschehen doch heute noch.

Trotzkopf

Auch das kleinste Bübchen schon will gelegentlich einmal zeigen, dass es zu den Herren der Schöpfung gehört, indem es versucht, seinen Willen gegen den der anderen durchzusetzen; Klein-Friedel, obgleich er kaum erst drei Jahre zählte und noch nicht einmal Höslein trug, machte keine Ausnahme davon. Er hatte über alles in der Welt seine eigene Meinung, die er, wenn’s nötig schien, kräftig verfechten konnte mit Weinen und Schreien, Zappeln und Strampeln. Da sich aber große Leute dadurch nicht umstimmen lassen, weil sie eben besser wissen, was den kleinen Leuten gut tut oder schlecht, so pflegte in solchem Falle für ein ganzes Weilchen der Sonnenschein aus Friedels rundem, rosigem Apfelgesicht verschwunden zu sein.
Auf das große Unwetter mit Sturm und Regengüssen folgte graues, trübes Stimmungswetter; Bübchen verkroch sich in irgend einen Winkel und blieb meist so lange für gutes Zureden taub, bis Vater und Mutter den alten, bekannten Kinderfreund ein Wörtchen mitsprechen ließen, den sie längst, des Trotzkopfs wegen , als Gast ins Haus gebeten hatten, und der für gewöhnlich hinter dem Spiegel saß, von wo er Friedels Tun und Treiben scharf beobachtete.
Heute hatte unser Friedel wieder einmal solchen grauen Tag, wo die üble Laune regierte. Vater hatte den Braunen vors Spazierwägelchen gespannt und war mit der Mutter und Friedels älterem Bruder im Sonntagsstaat zum Jahrmarkt in die Stadt gefahren. Der Kleine wollte durchaus mit, hatte ihm doch Bruder Max gestern so viel von den bunten Jahrmarktsfreuden erzählt, von Honigkuchen und Zuckerstangen, Karussell und Würfelbuden. Aber all sein Bitten half nichts; die Eltern sagten, Friedel sei noch zu klein, um mitgenommen zu werden in das Menschengewühl, das auf solchem Jahrmarkt herrscht. Auch das Vertrösten aufs nächste Jahr und alle Versprechungen für mitzubringende Herrlichkeiten, wenn er brav sein würde, halfen nichts. Weinend sah er dem abrollenden Wäglein nach und als die gute Großmutter, die mit ihm daheimblieb, trösten wollte, lief er davon und kletterte auf die Holzbank im Winkel der Wohnstube. Da saß er grollend und schmollend, seinen trüben Gedanken nachhängend.
Einmal fiel sein Blick geradeaus auf den Spiegel, hinter dem die Rute hervorsah, als wollte sie sagen: „Ich sehe alles!“ Da wendete er sich schnell ab und schaute in die andere Ecke.
Großmutter ließ den Kleinen ruhig laufen; sie wusste schon, dass in solcher Stimmung nichts mit ihm anzufangen war und meinte auch, die eigene böse Laune sei Strafe genug für sich. Da klopfte es plötzlich an die Tür und Bäschen Leni trat mit fröhlichem Gruß in die stille Stube. Sie war schon frühmorgens in die Stadt gewandert, kam nun mit gefülltem Henkelkorb zurück und wollte im Vorbeigehen Friedel und seiner Großmutter, die auch die ihrige war, guten Tag sagen. Sonst waren Leni und der Kleine sehr gute Freunde, er hing an ihren Rockfalten, sobald sie eintrat; heute aber begrüßte er sie nicht, rührte sich nicht aus seinem Trotzwinkel, antwortete auf keine Frage und versteckte das Händchen, statt es der Base zu reichen.
„Ei Friedel“, sagte Leni erstaunt, „was hast denn?“
„Lass ihn gehen“, meinte die Großmutter, „er ist brummig!“
„O wie schad’! Und ich hab ihm doch grad vom Zuckerbäcker so ein schönes Hundel mitgebracht!“ Dabei hob sie das Tuch vom Korb und holte einen prächtigen Lebkuchenhund mit weißem Zuckerguss hervor. „Schau mal, Friedel!“
Aber Friedels Augen wanderten nur traurig zu dem süßen Leckerbissen hin, er rührte sich nicht.
„Magst nicht, Friedel?“
Er streifte verlegen das Schuhchen vom rechten Fuß, dass es polternd zu Boden fiel.
„Ach“, sage Leni, „das tut mir leid! Ich wollt’ dem Friedel eine Freud’ machen, aber mir scheint’s, den treff’ ich nicht daheim. Der da sitzt, das ist ja ein garstiger fremder Bub aus Trotzhausen, der kennt mich nicht und ich mag nichts von ihm wissen. Dem schenk’ ich das Hundel nicht.“
Und sie legte es wieder in den Korb und stand, um zu gehen. „Behüt Gott, Großmutter! – Dem Bub da sag ich nicht erst adieu, bekomm` doch keinen Dank!“
Damit ging sie zur Tür. Aber ehe sie draußen war, zupfte sie eine kleine Hand an der Schürze, und als sie sich umwendete, sah sie in Friedels verlegen lachendes Gesicht.
„Base Leni, der Friedel ist wieder da, der böse, fremde Bub ist fort.“
„So“, sagte Leni, „das freut mich doch wirklich. Hier, Friedel ist auch das mitgebrachte Hundel! Wie gut, dass ich’s für dich aufgehoben hab’! Lass dir’s schmecken, es ist beinah so gut wie eins vom Christkindl!“

Hermann Kaulbach

24. November

Das Schönste,
das es wohl in unserem Leben gibt,
sind Zeiten voller Zärtlichkeit,
die Lust und Freude,
in den Armen des geliebten Menschen
für eine Weile zu versinken.
Und einen Hauch von Ewigkeit zu spüren,
der für die Augenblicke der Verschmelzung
die Ketten der Begrenztheit sprengt.

Und doch, wir ahnen es voll Schmerz,
dass die Nacht kühl wird
nach glückseligem Liebestaumel,
dass unser Weg zurückführt
in die Einsamkeit.
Sie ist der Preis
für alles Liebesglück, -
Die Trennung will ertragen,
die Sehnsucht ausgehalten sein,
das Eigene muss sich wieder sammeln,
damit erfüllte Nähe wieder neu
erlebbar werden kann.

Christa Spilling-Nöker

25. November

Nun ist sie wieder da, die graue und kalte Jahreszeit. Aber man kann sie sich auch schön gestalten und "versüßen". Der Duft von Bratäpfeln steigt mir als Erinnerung in die Nase. Damals ... anfangs hatten wir keinen Ofen mit einem Backrohr ... sondern nur die so üblichen Kanonenöfen ... also wurden die Äpfel einfach auf die Heizfläche gelegt, es brutzelte, zischte und duftete. Wenn der Ofen dann etwas ausgekühlt war, meistens morgens vor dem erneuten Heizen, wurde er gereinigt. Aber ... ein Rest "Duft" verblieb immer noch und verströmte eine herrliche Atmosphäre. Das Sammeln dieser Früchte war in der damaligen Zeit oft mit vielen Beschwernissen verbunden. Es war nicht wie heute, dass die Äpfel oft liegen bleiben und sich niemand darum kümmert, man sich also reichlich und sorglos bedienen kann. Damals wurde alles Obst sorgfältig geerntet und auch das herunter gefallene fand seine Verwendung. Oft schimpften die Bauern hinter den Menschen her, wenn sie sich nach einem Apfel bückten. Es mutete wie Diebstahl an.

26. November

s ist doch in der Natur bei allem wie ein Wunder - auch bis wir einen Apfel genießen können:

An meinen Apfelbaum

Ich sah hinterm Zaun dein verzagtes Gesicht,
von Dornen und Sträuchern umgeben.
Du strebtest vergebens nach Sonne und Licht,
die Zweige verbogen. Nein, schön warst du nicht.
Ich half dir im Kampf um dein Leben.

Ich habe gegraben, gehackt und gesägt,
befreite vom Moos deine Rinde,
die Krone gesäubert, den Stamm freigelegt.
Ich hab' dich nach all der Entbehrung gepflegt
gleich einem verwahrlosten Kinde.

Du bist wie verjüngt aus dem Schlafe erwacht
im Frühling, dem sonnigen warmen.
Wie hast du geleuchtet in blühender Pracht,
glückstrahlend mir morgens entgegengelacht:
Oh, komm doch und lass dich umarmen.

Nun stehst du im Herbst als ein prächtiger Baum
mit köstlich beladenen Zweigen.
Es duftet wie Weihnacht im festlichen Raum,
rot schimmern die Äpfel, ein kindlicher Traum.
So schön ist dies dankbare Schweigen.

Du hast mir unzählige Freuden beschert,
uns allen, dem Fink und der Meise.
Du warst mir die Liebe und Mühe schon wert.
Das wirkliche Danken hast du mich gelehrt,
SO REICHLICH; SO HERZLICH; SO LEISE!

Fred Endrikat

27. November

Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird.

Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke

28. November

Der Apfel

lässt sich in der Küche vielseitig einsetzen. Als Zutat zum Salat, ebenso als aromatische Zugabe zu herzhaften Vorspeisen, zu Matjes, kalten Rindfleisch- oder Putenbrustscheiben, zu Käse und Zwiebeln oder auch zu Blattsalaten.

Aber auch in der warmen Küche schmeckt er in Kombination mit Bratensoßen, in Ragouts oder Fleischfüllungen. Auch untermischt im Kartoffelgratin schmeckt er gut, ebenso als Apfelrisotto-Beilage zu Steaks. Herzhafte Apfelstrudel oder kalte/warme Apfelsuppe schmecken auch sehr gut.

Man sollte den Apfel immer - wenn möglich - mit der Schale genießen, da darunter viele wertvolle Inhaltsstoffe sind. Deshalb sollte man Äpfel auch nicht zu lange kochen. Festes Fruchtfleisch 2 bis 15 Minuten garen, mürbe Äpfel dagegen nur 5 Minuten. Auch kann man Apfelspeisen unbesorgt einfrieren.

29. November

Der schlafende Apfel

Im dunklen Keller tief,
der rote Apfel schlief.
Abgepflückt vom Baum,
lag er dort im Traum.

In der schönen Weihnachtszeit,
ist es endlich dann soweit.
Mit viel Nüssen und Rosinen,
brutzelt er im Ofen drinnen.

Apfelduft im ganzen Haus,
alles freut sich auf den Schmaus.

30. November

Bratäpfel

Wenn es draußen richtig kalt war, liebte man sie. Man kannte verschiedene Varianten der Zubereitung, so schmeckten sie immer anders.

Ich erinnere mich noch gerne daran, denn die einfachste Version konnten wir als Kinder damals sogar ohne Hilfe der Erwachsenen herstellen. Doch wurde diese nicht so gerne gesehen, denn die mehr oder weniger auffallenden Spuren ließen sich nur schwer beseitigen. Es wurden möglichst große Äpfel in den Backofen oder in die Wärmeröhre des Kachelofens gesetzt, um dort zu garen. Der austretende Saft verursachte unschöne Flecken.
Es gibt aber auch eine feinere Art: Bei den ungeschälten Äpfeln das Kerngehäuse von der Blüte her ausstechen, den Hohlraum mit Zucker und einem Stich Butter oder Marmelade füllen. Dann in einer Backform oder auf dem Backblech in den Backofen.
Oder man setzt die geschälten, ausgehöhlten Äpfel nebeneinander in eine ungefettete Auflaufform. Dann jeden Apfel mit Preiselbeeren und einem Stich Butter füllen, geschlagenen Eischnee darüber und nun backen. Mit einer köstlichen Vanillesauce schmecken sie herrlich.

Sicher schmecken Bratäpfel auf diese Art auch heute noch hervorragend und versüßen so manchen kalten Winter.

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