Mai 2022

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag
            Maifeiertag    1
2 3 4 5 6 7 Muttertag     8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 Christi Himmelf. 26 27 28 29
30 31          

1. Mai

Grüß Gott du schöner Maien,
da bist du wiedrum hier,
tust jung und alt erfreuen
mit deiner Blumenzier.
Die lieben Vöglein alle,
sie singen all so hell,
Frau Nachtigall mit Schalle
hat die fürnehmste Stell.
Die kalten Wind' verstummen,
der Himmel ist gar blau;
Die lieben Bienlein summen
daher auf grüner Au.
O holde Lust im Maien;
da alles neu erblüht,
du kannst mir sehr erfreuen
mein Herz und mein Gemüt.

Die kalten Wind' verstummen,
der Himmel ist gar blau,
die lieben Bienlein summen
daher von grüner Au.
Die Bächlein wie Kristallen rein,
die Flüsse einher brausen
im güld'nen Sonnenschein.

15. Jahrhundert
nach Franz Wilhelm Frhr. von Ditfurth

2. Mai

Maifest

Wie herrlich leuchtet mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne! Wie lacht die Flur!
Es dringen Blüten aus jedem Zweig
und tausend Stimmen aus dem Gesträuch

Und Freud und Wonne aus jeder Brust.
O Erd’, o Sonne, o Glück, o Lust,
O Lieb’, o Liebe, so golden schön
Wie Morgenwolken auf jenen Höhn.

Du segnest herrlich das frische Feld -
Im Blütendampfe die volle Welt!
O Mädchen, Mädchen, wie lieb’ ich dich!
Wie blinkt dein Auge, wie liebst du mich!

So liebt die Lerche Gesang und Luft
und Morgenblumen den Himmelsduft,
wie ich dich liebe mit warmem Blut,
die du mir Jugend und Freud und Mut
zu neuen Liedern und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich, wie du mich liebst.

Johann Wolfgang von Goethe

3. Mai

Eine bemerkenswerte Frau

Im März 1776 in Hannover geboren, bekam sie die Namen: Luise Auguste Wilhelmine Amalie, Herzogin zu Mecklenburg. Man nannte sie aber lieber Luise von Mecklenburg-Strelitz. Nach dem Tod der Mutter zog die kleine Luise zu ihrer Großmutter und hatte Privatunterricht, war aber keine gute Schülerin. Sie hatte ganz andere Eigenschaften, wofür sie geliebt und verehrt wurde, war ein kleiner Wirbelwind, keck, schön und hatte eine tolle Figur. Auch wusste sie, wie man die Menschen um den Finger wickeln kann. Sogar der Kronprinz Friedrich Wilhelm II. verliebte sich sofort in sie und wollte sie heiraten. Nur fünf Tage nach dem ersten Treffen hielt er um ihre Hand an, da war Luise gerade mal 17 Jahre alt.
Da damals junge Frauen immer den Mann heirateten, den die Eltern für sie ausgewählt hatten, war es auch hier so. Aber es war doch anders, denn Luise war mindestens genauso verliebt in Friedrich wie er in sie. Das beweisen die Liebesbriefe, die sie sich geschrieben haben. Oft sollen sie spazieren gegangen sein und sogar Du zueinander gesagt haben, was in der damaligen Zeit ungewöhnlich war.
Auch war Luise von Preußen etwas anders als die anderen Königinnen im damaligen 18. Jahrhundert. Sie tanzte furchtbar gern, schlief aus und hielt nichts von strengen Regeln am Königshof.
Luise kümmerte sich auch selbst um ihre fünf Kinder, das gab allen das Gefühl, dass sie ein normaler Mensch wäre.
Mir nur 34 Jahren starb Luise in den Armen ihres Mannes und wurde im Garten von Schloss Charlottenburg in Mecklenburg-Vorpommern begraben.

4. Mai

Lebe Dein Leben ...

bewahre nichts für einen besonderen Anlass, weil jeder Tag den Du lebst ein spezieller Anlass ist.

Suche nach Wissen, lies mehr, sitze in der Natur und bewundere was Du siehst, ohne Deinen Bedürfnissen Aufmerksamkeit zu schenken.

Verbringe mehr Freizeit mit Deiner Familie und Deinen Freunden, iss Deine Lieblingsessen, besuche die Orte die Dir gefallen und wo es Dir wohl ist.

Das Leben ist eine Kette von Momenten der Genüsse, nicht nur des Überlebens.

Benutze Deine guten Gläser, spare Dein bestes Parfüm nicht auf. Benutze es täglich wenn Du Dich danach fühlst.

Streiche aus Deinem Wortschatz Sätze wie "eines Tages" und "irgendwann".

Schreibe den Brief, den Du schon längst schreiben wolltest nicht "eines Tages".

Sag der Familie und den Freunden, wie sehr Du sie liebst.

Verschiebe nichts, was Deinem Leben Lachen und Freude bringt.

Jeder Tag, jede Stunde, jede Minute ist speziell. Und Du weißt nicht, ob es Deine letzte gewesen ist.

Ich möchte nicht zu beschäftigt sein, um diese Worte, die ich selbst einmal bekam, allen Menschen mitzuteilen, die ich mag. Ich möchte mir auch nicht sagen müssen "Ich tue es eines Tages", denn ich muss daran denken ... "eines Tages" bin ich möglicherweise nicht mehr hier, um es tun zu können.

5. Mai

Tröste dich, die Stunden eilen,
und was all dich drücken mag,
auch das Schlimmste kann nicht weilen,
und es kommt ein andrer Tag.

In dem ew´gen Kommen, Schwinden,
wie der Schmerz liegt auch das Glück,
und auch heitre Bilder finden
ihren Weg zu dir zurück.

Harre, hoffe. Nicht vergebens
zählest du der Stunden Schlag:
Wechsel ist das Los des Lebens,
und es kommt ein andrer Tag.

Theodor Fontane

6. Mai

Mit der Zeit lernst Du, dass eine Hand halten nicht dasselbe ist wie eine Seele fesseln. Und dass Liebe nicht Anlehnen bedeutet und Begleitung nicht Sicherheit.

Du lernst allmählich, dass Küsse keine Verträge sind und Geschenke keine Versprechen.
Und Du beginnst, Deine Niederlagen erhobenen Hauptes hinzunehmen, mit der Würde des Erwachsenen, nicht maulend wie ein Kind.

Und Du lernst all Deine Straßen auf dem Heute aufzubauen, weil das Morgen ein zu unsicherer Boden ist.

Mit der Zeit erkennst Du, dass sogar Sonnenschein brennt, wenn Du zuviel davon abbekommst.

Also bestell Deinen Garten und schmücke selbst Dir die Seele mit Blumen, statt darauf zu warten, dass andere Dir Kränze flechten.

Und bedenke, dass Du wirklich standhalten kannst und wirklich stark bist.

Und dass Du einen eigenen, unantastbaren Wert hast.

Kelly Priest

7. Mai

Was sind Kinder?

Kinder sind ein Geschenk des Lebens.
Ihr Lachen, ihre Offenheit,
ihre Spontanität, ihre Betroffenheit
sucht man bei Erwachsenen vergebens.

Kinder sind unvoreingenommene Liebe.
Mit Zärtlichkeit, mit Ehrlichkeit,
nur manchmal Scheu und Schüchternheit.
Wenn's bei den größeren so bliebe ...

Kinder sind längst vergessenes Glück.
Verspieltheit und die Leichtigkeit,
die Freude und die
Unbefangenheit -
denkt endlich mal zurück!

???

8. Mai

Das Gebet der Mutter

Eine Mutter fleht heiß unter Tränen
für den Sohn der ferne von Gott.
Einsam bringt sie vor Jesu ihr Sehnen,
einsam klagt sie dem Heiland die Not.
O mein Gott, bringe mir doch den Verlornen zurück,
o mein Gott, rette doch, rette, o Herr, meinen Sohn.

O der Sohn im bunten Getümmel
unter Freunden, die weltlich wie er,
fragt nicht mehr nach Heiland und Himmel;
doch die Mutter sie bittet noch mehr.
O mein Gott, bringe mir doch den Verlornen zurück,
o mein Gott, rette doch, rette, o Herr, meinen Sohn.

Sieh, da treten ins Wirtshaus die Boten,
welche Jesus ihr Heiland gesandt,
und sie bitten, o lass dich doch retten,
kehr doch um nach dem himmlischen Land.
Komm o komm, höre die Botschaft die Jesus dir beut,
komm o komm, herrliche Botschaft, dass Jesus vergibt.

Und der himmlische Klang sang so helle
in das Herz des Verirrten hinein.
Und er fühlt sich bestürzt auf der Stelle
wie verloren und sündig, unrein.
Komm o komm, höre die Botschaft die Jesus dir beut.
Komm o komm, herrliche Botschaft, dass Jesus vergibt.

Doch er fürchtet den Spott seiner Brüder
und verbirgt tief im Herzen die Not,
wirft sich in die Lustbarkeit wieder;
doch die Mutter sie betet zu Gott.
O mein Gott, bringe mir doch den Verlornen zurück,
o mein Gott, rette doch, rette, o Herr, meinen Sohn.

Nach und nach verstummte die Stimme,
welche scherzte und lachte und schrie,
weil der Mutter betende Stimme
klang viel heller und lauter als sie.
O mein Gott, bringe mir doch den Verlornen zurück,
o mein Gott, rette doch, rette, o Herr, meinen Sohn.

Endlich brach des Sohn's Widerstreben,
und er beugte vor Jesu sich hin.
Kraft von oben und himmlisches Leben
findet er bei dem gnädigen Gott.
Schöner Tag, Mutter, dein Beten ist jetzt erhört.
Schöner Tag, Mutter, dein Bitten ist jetzt gewährt.

???

9. Mai

Petunie

Die "Petunia" gehört zu den Nachtschattengewächsen und sie stammt aus Südamerika. Die bekanntesten Verwandten sind die Hängepetunien. Aber dank guter Züchtungsarbeit gibt es auch niedrige, kompakte Sorten in leuchtenden Farben. Entfernt man das Verblühte stets rechtzeitig, erfreut ein überreicher Flor an einem sonnigen Plätzchen  bis zum Frost, sofern man reichlich gießt und düngt.
Die Aussaat ist nicht ganz so einfach, aber mit etwas Geschick kann man die Lichtkeimer auch selber ziehen und nach den Eisheiligen ins Freie setzen.

Wir haben das schon erfolgreich probiert und uns später an schönen Farben erfreut.

10. Mai

Wie schön die Blumen blühn

Wie schön die Blumen blühn
im Garten frisch und grün,
schöner kein' als die Rose,
die sich kränzet mit Moose.

Wie schnell die Blumen blühn,
wie hell die Sonnen glühn,
die Blumen welken, die Rose
welkt mitten im kühlen Moose.

Wie schnell die Blumen verblühn,
die Regentropfen sprühn,
die weinen um die Rose,
die liegt auf dem feuchten Moose.

Wie die Blumen verblühn!
Umsonst sind Liebesmühn.
Unseres Lebens Rose
liegt unter dem feuchten Moose.

Wie die Blumen erblühn,
der Garten ist immer grün,
unserer Liebe Rose
blüht uns neu aus dem Moose.

Friedrich Rückert 

11. Mai

Amor in einer Rosenknospe

Frau Venus wollte neulich
ihr loses Söhnchen schlagen:
Da ist er ihr entlaufen
und hat sich still gekauert
in eine Rosenknospe.

Kommt, ruft er, kommt, ihr Mädchen,
und pflückt euch eine Rose!
Und Eine, selbst ein Röschen,
brach sich die Blum´ und steckte
sie an den kleinen Busen.

Das ist ihr schlecht bekommen!
Denn Amor, ohne Bogen
und Pfeile, rupft ein Dörnchen
sich von dem Rosenstiele,
und sticht damit die Arme,
dass sie es viele Sommer
noch wird im Busen fühlen.

Wilhelm Müller

12. Mai

Frühling

Nun blüht in Stadt und Land der Flieder auf, -
Blau ist die Welt von all den Blütendolden,
und Himmelschlüssel jeden Grund vergolden,
und Vogelschlag klingt süß zu mir herauf.

Die jungen Saaten stehen hoch und dicht,
sie standen nicht so schön seit langen Jahren, -
ich sah die Roggenmuhme drüber fahren,
lächelnd und stolz im weißen Mittagslicht.

Agnes Miegel

13. Mai

Wie oft bewahrheitete sich früher bei meinen zahlreichen Pflanzaktionen der Vers:

Setz mich im April, komm ich wann ich will - setz mich im Mai, komm ich glei ...

Fruchtwechsel

Fruchtwechsel bedeutet, auf demselben Beet jedes Jahr anderes Gemüse anzubauen. Beachten muss man die Nährstoffbedürfnisse ebenso wie den Verwandtschaftsgrad, sonst sind die Pflanzen anfällig für die gleichen Krankheiten. Mit Übung entsteht im Gemüsegarten ein Anbaurhythmus.
Im Herbst verrotteten Stallmist und/oder organischen Dünger ins Beet einarbeiten. Im darauffolgenden Jahr wachsen Starkzehrer wie Kartoffeln, Zuckermais, Kopf- und Wirsingkohl, Knollensellerie, Tomaten, Gurken, Zucchini und Kürbisse auf diesem Beet. Im nächsten Jahr Mittelstarkzehrer, z.B. Möhren, Zwiebeln, Lauch, Brokkoli, Kohlrabi, Blumenkohl, Rote Bete, Pastinaken und Bleichsellerie. Kohlarten wie Blumenkohl sollten nicht dort stehen, wo ein Jahr zuvor der Kopfkohl gewachsen war und Möhren oder Pastinaken nicht am ehemaligen Platz des Sellerie. Im dritten Jahr kommen Schwachzehrer wie Erbsen, Bohnen, Spinat und Salate oder Gewürze wie Dill und Kerbel in das Beet. Bei genügend Beeten, kann dann dem Boden ein Jahr lang Ruhe gegönnt und Gründüngung wie Bienenfreund oder Buchweizen ausgesät werden. Danach wieder kräftig düngen und es geht von vorne los.

14. Mai

Die Eisheiligen

Im Norden kommen sie vom 11. bis 13. Mai und werden Mamertus, Pankratius und Servatius genannt.

In Süddeutschland  erscheinen sie vom 12. bis 14. Mai,  genannt: Pankratius, Servatius und Bonifatius.

Vielerorts kommt die "Kalte Sophie" am 15. Mai hinzu.

Auf jeden Fall muss man Mitte Mai mit einem Kälteeinbruch rechnen, auch wenn es vorher schon frühlingshaft war.

Die drei Eisheiligen haben nichts mit Kälte zu tun, sie haben ihren Namen, weil an eben ihren Festtagen Mitte Mai oft zum letzten Mal die Temperaturen unter Null Grad fallen können und Saaten und Pflanzen schaden.

In den Niederlanden und in Norddeutschland gehört der heilige Mamertus zu den Eisheiligen, weil die Kirche seiner am 11. Mai gedenkt. Als Bischof des französischen Vienne führte er die dreitätigen Bitttage vor Christi Himmelfahrt ein.
Der heilige Pankratius am 12 Mai starb unter Kaiser Diokletian um 305 den Märtyrertod und gilt als Patron der Kinder.

Am 13. Mai wird der heilige Servatius gefeiert. Er war im vierten Jahrhundert Bischof von Tongern.

An den heiligen Märtyrer Bonifatius von Tarsus erinnert die Kirche am 14. Mai.

Der Gedenktag der "kalten" Sophie ist der 15. Mai. Sie starb im heißen Rom, ebenfalls als Märtyrerin unter Diokletian.

15. Mai

Vogelhochzeit

Die Vögel hielten Hochzeitsschmaus,
Die Hochzeit gab der Vogel Strauß.
Der schönste Hahn mit Sporn und Kamm,
Das war der stolze Bräutigam.
Und Kratzefuß, die junge Braut,
Die sollt' ihm werden anvertraut.
Der grüne Specht, der grüne Specht,
Der macht der Braut das Haar zurecht.
Der Kakadu, der Kakadu,
Der bringt der Braut die neuen Schuh.
Der Seidenschwanz, der Seidenschwanz,
Der bringt der Braut den Hochzeitskranz.
Die Lerche, die Lerche,
Die führt die Braut zur Kirche.
Der Sperling, der Sperling,
Der gibt der Braut den Trauring.
Der Auerhahn, der Auerhahn,
Das ist der Küster und Kaplan.
Die Schnepfe, die Schnepfe,
Setzt auf den Tisch die Näpfe.
Der Papagei mit krummem Schnabel,
Der bringt den Gästen Messer und Gabel.
Die Meise, die Meise,
Die bringt der Braut die Speise.
Der Wiedehopf, der Wiedehopf,
Der bringt der Braut den Kaffeetopf.
Der Kuckuck und der Kolibiri,
Das sind die Herren Musici.
Das Rotschwänzchen, das Rotschwänzchen,
Macht mit der Braut das erste Tänzchen.

Volksgut

16. Mai

Die verstorbene Gerechtigkeit
Von Paul Zaunert

Vor langer Zeit lebte ein gewaltig reicher und mächtiger Graf, dem alles nach seinem Kopf gehen musste. Er fragte nicht nach Recht und Billigkeit, sondern schaltete und waltete nach Willkür. Da kam er einmal auf seinem Spazierritt zu einem großen, schönen Bauernhause, das ihm gar sehr in die Augen stach. Er besichtigte deshalb das ganze Gehöft und ritt dann vor das Haus hin, wo eben der Bauer, dem das Anwesen gehörte, unter der Haustüre stand.
Der Graf grüßte freundlich, stieg vom Rosse und sprach: „Guter Freund, möchtest du mir nicht deinen Hof zu kaufen geben? Ich würde ihn sehr gut bezahlen.“
Der Bauer aber bedachte sich nicht lange und antwortete: „Euer Gnaden, nichts für ungut! Aus dem Handel wird nichts. Auf diesem Hofe saßen meine Voreltern schon, und ich will auch darauf meine alten Tage zubringen. Also nichts für ungut!“
Da sagte der Graf: „Ich will dir bis morgen Bedenkzeit lassen. Überleg es dir gut.“
Dann bestieg er sein Pferd und sprengte davon. Der Bauer blieb aber bei seinem Vorhaben, schüttelte den Kopf und dachte bei sich: Daraus wird einmal nichts.
Am folgenden Tag kam der Graf schon in aller Frühe dahergeritten und fragte, ohne abzusteigen, den Bauern, was er jetzt beschlossen habe. Da antwortete der Bauer: „Ich denke wie gestern, Euer Gnaden. Ich bleibe auf meinem Hofe, und aus diesem Handel wird nichts.“
Da wurde der Graf wild und sprach: „Ich frage dich noch einmal, ob du dein Anwesen gutwillig hergeben willst. Wo nicht, so bekomme ich es doch!“
Der Bauer schüttelte den Kopf und erwiderte: „Dabei bleibt’s, ich verkaufe meinen Hof nicht.“
Da kannte sich der Graf nicht mehr vor Wut, ritt spornstreichs zu einem Advokaten, bestach ihn mit vielem Golde und ließ dem Bauern einen Prozess anhängen. Die Richter wussten, dass der Graf ein steinreicher Mann sei und bei dem Handel Geld herausschaue. Deshalb hielten sie zu dem Grafen und versprachen ihm, das Bäuerlein mürbe zu machen. Sie ließen nun den Bauern durch den Gerichtsdiener herbeiholen und fragten ihn, ob er seinen Hof verkaufen wolle oder nicht. Als er ein entschiedenes Nein erwiderte, wurde ihm eine Klageschrift vorgelesen, und man sagte ihm, wenn er den Hof behalten wolle, so müsse er mit dem Herrn Grafen einen Prozess führen. Der einfältige Bauer, der sich nicht zu helfen wusste, ging darauf ein.
Der Graf hatte einen pfiffigen Advokaten, der Bauer aber hatte keinen, weil er sparen wollte. Da wurde nun hin und her prozessiert und der Bauer so oft in die Stadt gerufen und übertölpelt, bis er ganz verschuldet war. Und schließlich entschied der Richter gegen ihn, so dass er vom Hofe musste und ihm nur noch hundert Gulden blieben. Er gab sich darein, machte aber den Richtern bittere Vorwürfe und sprach: „Wenn auf Erden keine Gerechtigkeit mehr ist, so lebt droben noch ein Richter, der euch finden wird.“ Da lachen die Herren und einer sagte: „Ja, die Gerechtigkeit ist lange gestorben; die kann dir nicht helfen!“
Der betrogene Bauer ging schweigend aus der Kanzlei hinaus und begab sich geradewegs zum Kirchenvater; das war ein guter Bekannter von ihm.
Als dieser den Bauern kommen sah, rief er ihm freundlich zu: „Grüß dich Gott, Hans. Kommst auch einmal in die Stadt, mich heimzusuchen?“
„Ja“, antwortete Hans, „aber es ist mir eine traurige Sache, um die ich zu dir komme.“ Und dann erzählte er dem Kirchenvater die Geschichte und schloss: „Jetzt hab’ ich noch hundert Gulden, und die geb’ ich dir. Es ist gerade soviel Geld, als man bei euch in der Stadt da zahlen muss, wenn man die große Glocke für einen Verstorbenen läuten lässt. Du hast’s Geld, und jetzt läute schnell der Gerechtigkeit, weil sie gestorben ist, zur Scheidung. Aber läute recht lang!“
Der Kirchenvater nahm das Geld, ging mit seinem Knecht in den Turm und läutete die große Glocke, und zwar länger als gewöhnlich. Da gab’s nun in der Stadt ein Gefrage und Gerede, wer gestorben sei, für wen es so lange läute. Doch niemand wusste Bescheid darauf, und die Neugierde wurde immer größer. Auch der König, der in derselben Stadt seine Residenz hatte, erkundige sich, wer gestorben sei, konnte aber keine Auskunft erhalten. Da schickte er einen Läufer zum Kirchenvater und ließ ihn fragen, für wen es so lange Scheidung geläutet habe. Sprach der Kirchenvater: „Für die Gerechtigkeit.“
Der Läufer eilte mit dieser Antwort zum König zurück. Wie der König dies hörte, war er rot vor Zorn und rief: „Die Gerechtigkeit ist nicht gestorben. Sie schläft nur, und ich will ihr neues Leben einhauchen."
Dann ließ er den Kirchenvater holen und fragte ihn, wer die große Glocke für die verstorbene Gerechtigkeit habe läuten lassen.
Sprach dieser: „Eure Majestät, der Schauferle Hans, der früher Schauferlebauer war.“
Alsogleich ließ der König den Schauferle Hans herbeiholen und fragte ihn, warum er die Glocke haben läuten lassen. Da erzählte Hans, wie er des Grafen wegen um Haus und Hof gekommen sei, weil die Gerechtigkeit nicht mehr lebe. Der König ward über die Richter ganz ergrimmt, machte kurzen Prozess und gab dem Bauern sein Eigentum zurück. Dann ließ er den Grafen, den durchtriebenen Advokaten und die bestochenen Richter rufen, die Sache untersuchen und verurteilte allesamt zum Tode. Sie wurden in Gestalt einer Glocke aufgehängt, und in ihrer Mitte zappelte der Graf. Seitdem aber kam die Gerechtigkeit wieder zu Leben, und die Richter sprachen Recht, wie es sich geziemt.

17. Mai

Die Mücken

Dich freut die warme Sonne.
du lebst im Monat Mai.
In deiner Regentonne,
da rührt sich allerlei.

Viel kleine Tierlein steigen
bald auf-, bald niederwärts,
und, was besonders eigen,
sie atmen mit dem Sterz.

Noch sind sie ohne Tücken,
rein kindlich ist ihr Sinn.
Bald aber sind sie Mücken
und fliegen frei dahin.

Sie fliegen auf und nieder
im Abendsonnenglanz
und singen feine Lieder
bei ihrem Hochzeitstanz.

Du gehst zu Bett um zehne,
du hast zu schlafen vor,
dann hörst du jene Töne
ganz dicht an deinem Ohr.

Drückst du auch in die Kissen
dein wertes Angesicht,
dich wird zu finden wissen
der Rüssel, welcher sticht.

Merkst du, dass er dich impfe,
so reib mit Salmiak
und dreh dich um und schimpfe
auf dieses Mückenpack.

Wilhelm Busch

18. Mai

Der Apfel

Die Stare sangen noch, - da glomm die Blüte
im Apfelbaume links vom Gartentor,
der Anemonen sanfte Frühlingsgüte
sah mädchenblass und scheu zu ihm empor.

Von fernen Feldern klang die Mähmaschine,
da quoll im Apfel wundersam der Saft,
im zweiten Grase suchte noch die Biene
vergessene Blüten ab, altjungfernhaft.

Und unter seiner Reife holdem Wunder, -
auf silbergrauem Glanz des Heckenpfahls
lag schwarz und purpurdunkel wie Burgunder
der samtne Falterglanz des Admirals.

An meinen Lippen schäumt der Gravensteiner,
da ward ein Wundertor mir aufgetan,
denn unter seinen Düften fehlt nicht einer
der holden Räusche, die ihn reifen sahn.

Börries Freiherr von Münchhausen

19. Mai

Nachtliedchen

Leise, leise,
der Mond macht seine Reise.
Erwacht sind all die Sternelein.
Schlaf, mein Hans, schlaf ein!

Die Vöglein in den Bäumen
Schlafen längst und träumen,
wollen morgen die ersten sein.
Schlaf, mein Hans, schlaf ein!

Weiße Nebel weben,
heben sich und schweben
über Flur und Hain.
Schlaf, mein Hans, schlaf ein!

Leise, leise,
der Mond macht seine Reise.
Erwacht sind all die Sternelein.
Schlaf, mein Hans, schlaf ein!

Emil Weber

20. Mai

Erste Versuche

Unser Mariannle will auch mal probieren,
ob es schon geht mit dem Studieren;
Schulmeisterskinder sind immer gescheit,
sammeln sich Weisheit vor der Zeit.

Leer ist die Klasse, fort sind die Jungen,
da ist es eilig hineingesprungen,
hält noch den Apfel in seiner Hand,
den es eben im Garten fand.

Auch sein Püppchen hat`s mitgenommen,
soll von der Klugheit abbekommen,
Puppen kann’s niemals schädlich sein,
kommt was ins hohle Köpfchen hinein.

All die Tische und Schülerbänkchen,
Vaters Pult und sein Bücherschränkchen,
auch die Tafel hoch an der Wand
sind Mariannle vertraut und bekannt.

Welcher Bub hat denn da gesessen,
der seine Mappe und Tafel vergessen?
Ach, wie die Buben doch unnütz sind!
Denkt das verständige Schulmeisterskind.

Hopp, den verlassenen Platz erklommen,
Tafel und Griffel zur Hand genommen,
jetzt geht Mariannles Studium los,
Krakelfüße malt’s klein und groß.

Schreibt wie all solche kleinen Dinger
mit dem gekrümmten Zeigefinger,
und ihre Strichlein, kreuz und quer,
purzeln übereinander her.

Nun ist die Tafel gefüllt bis ans Holz
und sie betrachtet ihr Werk mit Stolz,
zeigt’s dann dem Püppchen: „Sieh dir mal an,
was ich schon alles schreiben kann!“

Hermann Kaulbach

zurück zur Hauptseite