Mai 2021

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1. Mai

In der ersten Nacht des Maien
lässt's den Hexen keine Ruh:
sich gesellig zu erfreuen,
eilen sie dem Brocken zu.

Dorten haben sie ihr Kränzchen,
man verleumdet, man verführt;
macht ein lasterhaftes Kränzchen
und der Teufel präsidiert.

Wilhelm Busch

2. Mai

Sonnenblumen

Im Garten standen die großen Sonnenblumen. Die Kinder hatten im Mai die Kerne in die Erde gelegt. Dann waren zwei kleine grüne Blättchen herausgekommen, dann war ein Stängel gewachsen, immer höher, immer höher, höher noch als Anna, dann noch höher als Hilde und zuletzt noch höher als Mutter und sogar Vater. Große Blätter hingen von den Stängeln herunter. Wie große grüne Schürzen waren sie und dann wurden die Knospen immer dicker, immer breiter und an einem Morgen kam Anna ins Haus und rief: „Mutter, im Garten ist eine Sonne aufgegangen, eine ganz große Sonne!“
Die Mutter wusste, dass Anna die Sonnenblume meinte.
Da war’s schon Herbst und es dauerte nicht lange, da blühten über zehn Sonnenblumen auf. Das war schön – und jeden Morgen ging Anna in den Garten und fast jedes Mal sagte sie: „Wieder eine neue, zwei neue“, einmal waren sogar fünf neue Sonnenblumen aufgeblüht.
Da sagte der Vater: „Nun blühen so viele Sonnenblumen, nun sollst du auch eine haben.“
Und die größte schnitt er ab und gab sie Anna ganz vorsichtig in die Hände; denn sie war schwer und Anna musste sie mit beiden Händen halten. Und sie trug sie hoch und sang immer: „Meine Sonne, meine Sonne!“, und nahm sie mit in die Stube und sagte: „Meine Sonne geht jetzt in die Stube.“

Erich Bockemühl

3. Mai

Der Gärtner

Blumen sehet ruhig sprießen,
reizend euer Haupt umzieren;
Früchte wollen nicht verführen,
kostend mag man sie genießen.

Bieten bräunliche Gesichter
Kirschen, Pfirsichen, Königspflaumen;
Kauft! Denn gegen Zung und Gaumen
hält sich Auge schlecht als Richter.

Kommt, von allerreifsten Früchten
mit Geschmack und Lust zu speisen!
Über Rosen lässt sich dichten,
in die Äpfel muss man beißen.

Sei's erlaubt, uns anzupaaren
eurem reichen Jugendflor,
und wir putzen, reifer Waren
Fülle nachbarlich empor.

Unter lustigen Gewinden,
in geschmückter Lauben Bucht,
alles ist zugleich zu finden:
Knospe, Blätter, Blume, Frucht.

Johann Wolfgang von Goethe

4. Mai

Dir wünsche ich einen blühenden Garten um’s Haus
und auch in Deinem Herzen,
worin herrliche Sonnentage warten,
freudige Stunden mit Lachen und Scherzen.
Wo unter strahlendem Himmel Blütenpracht schwelgt,
bezaubernder Duft die Lüfte erfüllt,
fröhliches Zwitschern die Seele erhellt
und Geborgenheit Dich allseits umhüllt.
Wo Schmetterlinge im Wind sich wiegen
und ein sprudelnder Quell Leben verbreit’,
wo Du liebst im duftenden Gras zu liegen,
wo Du einfach Du sein kannst,
tief und weit.
Worin Du auch wandeln kannst zu jeder Stund’,
als sonnigen Ort voll stiller Kraft,
wenn Du Frieden nicht findest im Erdenrund;
dass Dir dort ein Spaziergang dann Zuversicht schafft.
Die Welt tut geschäftig, es geht hin und her,
drum wünsche ich Dir noch eines von Herzen sehr:
dass Du den Weg immer findest in Deinen Garten
und all das viele lass einfach mal warten!

W. Bielke

5. Mai

Am See

Und wieder Unruh, die ich nicht versteh,
drum zieht’s mich hin zu meinem See.
Der liegt, von dichtem Grün umsäumt,
in einem Walde ganz verträumt.
Im klaren Wasser mein Gesicht,
ein Bild, das keine Welle bricht.

Die Wasserfläche spiegelglatt
bis leise treibt ein kleines Blatt,
zieht schmale Furchen ins Gesicht
ich heb den Kopf und es zerbricht.

Ins Wasser werf’ ich einen Stein
und fühl mich wundersam allein,
bis plötzlich kleine Fische springen
und winzige Wasserkreisel bringen.

Jetzt langsam spüre ich den Frieden
an diesem Platz, so abgeschieden.
Die Bäume werfen lange Schatten
und dennoch Ast und Grün gestatten
den Blick ins schwache Himmelsblau
den wunderbaren Überbau.

Für diesen einzig schönen Flecken
nur Stille ohne jeden Schrecken,
so dass im leisen Abendwinde
ich meine Ruhe wiederfinde.

Dieter Melzer

6. Mai

Jugend, die mir täglich schwindet

Jugend, die mir täglich schwindet,
wird durch raschen Mut ersetzt.
Und mein kühnrer Arm umwindet
noch viel schlankre Hüften jetzt.

Tat auch manche sehr erschrocken,
hat sie doch sich bald gefügt;
holder Zorn, verschämtes Stocken
wird von Schmeichelei besiegt.

Doch, wenn ich den Sieg genieße,
fehlt das Beste mir dabei.
Ist es die verschwundne, süße,
blöde Jugendeselei?

Heinrich Heine

7. Mai

Die treue Magd

Wie sorgtest du für Hof und Haus!
Du bücktest dich um jeden Span.
Du hobst mit Gott dein Tagwerk an
und löschtest spät dein Lämplein aus.

Was gab dem schwachen Herzen Mut?
Oft staunte ich, wie fröhlich du
die Nacht hingabst der kranken Kuh,
dich sorgtest um der Entlein Brut.

Kein Halm war dein. Und doch, wie stolz
hieltst du vorm Ruf des Hauses Wacht.
Du gabst auf jeden Pfennig acht,
du wuschest, nährest, sägtest Holz.

Du bukst, das Brot, du fingst die Maus,
du zogst uns Kindern an die Schuh,
du fandest keine Stunde Ruh,
du gingst ins Feld trotz Sturmgebraus.

Du standst wie in geheimer Haft.
Du klagtest kaum. Du murrtest nie.
Es war, als ob all seine Kraft
der Herrgott deinen Armen lieh.

Richard Billinger
 

8. Mai

Die Nachtigall

Das macht, es hat die Nachtigall
die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
da sind in Hall und Widerhall
die Rosen aufgesprungen.

Sie war doch sonst ein wildes Blut;
Nun geht sie tief in Sinnen,
trägt in der Hand den Sommerhut
und duldet still der Sonne Glut
und weiß nicht, was beginnen.

Das macht, es hat die Nachtigall
die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
da sind in Hall und Widerhall
die Rosen aufgesprungen.

Theodor Storm

9. Mai

Zum Muttertag:

Wie Mütter erschaffen wurden!

Es war der sechste Tag, als Gott die Mütter schuf.
Und er machte bereits Überstunden.
Ein Engel erschien und fragte: "Warum brauchst du soviel Zeit für dieses Exemplar?"

Der Herr antwortete dem Engel: "Hast du die Beschreibung für dieses Exemplar gelesen?
Sie muss komplett waschbar sein, aber nicht aus Plastik,
zweihundert bewegliche Teile haben, alle auswechselbar
und mit schwarzem Kaffee überleben können.
Sie braucht einen Schoß auf dem drei Kinder Platz haben und der verschwindet, wenn sie aufsteht.
Sie hat einen Kuss der alles heilt, vom Kratzer bis zum gebrochenen Herzen.
Und sie hat sechs Paar Hände!"

Der Engel war erstaunt über die Anforderungen, die an dieses Geschöpf gestellt wurden.
"Sechs Paar Hände? Nicht zu machen!"

Der Herr erwiderte: "Oh, es sind nicht die Hände, die mir Schwierigkeiten machen.
Es sind die drei Paar Augen, die Mütter haben müssen!"

"Und das alles für das Standardmodell?"
Der Engel war verblüfft.

Doch Gott nickte zustimmend.
"Ja, ein Paar Augen, um durch geschlossene Türen zu sehen, wenn sie ihre Kinder fragt,
was sie gerade tun, obwohl sie es schon weiß.
Ein zweites Paar an der hinteren Seite ihres Kopfes,
damit sie sieht, was hinter ihrem Rücken vorgeht,
obwohl jeder denkt, dass sie das nicht kann.
Und ein Paar in ihrem Gesicht.
Mit diesen Augen kann sie ein mutloses und trauriges Kind ohne ein Wort wissen lassen,
dass sie es versteht und bedingungslos liebt.

Der Engel versuchte, Gott zum Aufhören zu bewegen.
"Das ist viel zu viel Arbeit für einen einzigen Tag.
Mach Feierabend und mach morgen früh weiter!"

"Ich kann nicht aufhören!", widersprach Gott dem Engel energisch!
"Ich bin doch fast fertig und dieses Geschöpf steht meinem Herzen doch so nahe!
Nein, ich kann jetzt nicht aufhören!
Sie ist so eine wunderbare Person.
Sie pflegt sich selbst gesund und versorgt ihre ganze Familie mit Essen.
Und nebenher bringt sie es fertig, dass ihr Neunjähriger sich duscht."

Der Engel kam näher und berührte die Frau.
"Aber du hast sie so weich gemacht, Herr!"

Gott stimmte zu: "Ja, sie ist weich und anschmiegsam.
Aber ich habe sie genauso stark gemacht.
Du hast keine Ahnung was sie ertragen und erreichen kann."

"Kann sie auch denken?", fragte der Engel.

"Oh, sie wird nicht nur denken können," entgegnete Gott,
"sie kann auch diskutieren und verhandeln."

Dann bemerkte der Engel etwas und berührte das Gesicht der Frau.
"Ups, sieht aus - als hätte dieses Modell ein Leck.
Ich habe dir ja gesagt, du versuchst zuviel in sie hineinzupacken."

Doch Gott widersprach: "Das ist doch kein Leck! Das ist eine Träne."

Erstaunt fragte der Engel: "Eine Träne?
Für was soll die denn gut sein?"

"Nun," sagte Gott, "die Träne ist ihre Art um ihre Freude, ihr Bedauern, ihren Schmerz, ihre Einsamkeit,
ihre Traurigkeit und ihren Stolz auszudrücken."

Der Engel war beeindruckt.
"Du bist ein Genie, Herr! Du hast wirklich an alles gedacht.
Du hast sogar eine Träne geschaffen!"

Gott schaute den Engel lächelnd an.
"Ich glaube, auch hier liegst du falsch.
Ich habe zwar die Frau geschaffen, aber sie hat die Tränen erfunden."

Autor unbekannt

10. Mai

Ein kleines Rezept für 365 Tage
 
 
 
Man nehme 12 Monate, putze sie sauber von Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und

Neid und zerlege jeden Monat in 30 oder 31 Teile,

so dass der Vorrat genau für ein Jahr reicht.

Jeder Tag wird dann einzeln angerichtet:

aus einem Teil Arbeit und zwei Teilen Frohsinn und Humor.

Man füge 3 gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu,

einen Teelöffel Toleranz, ein Körnchen Ironie und eine Prise Takt.

Dann wird die ganze Masse sehr reichlich mit Liebe übergossen!

Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten

und serviere es täglich mit Heiterkeit! 

11. Mai

Versuche niemals, alles zu verstehen, denn nicht alles macht recht viel Sinn.

Zeige deine Gefühle, sträube dich nicht - wenn du glücklich bist, zeige es! Bist du es nicht, dann finde dich damit ab.

Scheue dich niemals, etwas zu verbessern - manche Ergebnisse können überraschen.

Lade dir niemals die Last dieser Welt auf die Schultern.

Lasse dich niemals von der Zukunft einschüchtern - lebe einen Tag nach dem anderen.

Die Vergangenheit ist vorbei - fühle dich niemals schuldig - was geschehen ist, ist nicht mehr zu ändern. Lerne von den Fehlern, die du gemacht hast.

Fühle dich niemals allein, denn es gibt immer jemanden, der für dich da ist und an den du dich wenden kannst.

Vergiss niemals, dass alles, was man sich vorstellen kann, auch erreichbar ist. Und es ist meistens nicht so schwer wie es aussieht.

Höre niemals auf zu lieben zu glauben und zu träumen!

12. Mai

Etwas zum Nachdenken

Heute haben wir höhere Gebäude und breitere Straßen,
aber kürzere Geduld und engere Standpunkte.
Wir geben mehr aus, aber genießen weniger.

Wir haben größere Häuser, aber kleinere Familien.
Wir haben mehr Wissen, aber weniger Urteilungsvermögen
Wir haben mehr Medizin, aber weniger Gesundheit.

Wir haben unseren Besitz vervielfacht, aber den Wert reduziert.
Wir reden viel, lieben nur ein wenig und hassen zu sehr.

Wir haben den Mond erreicht und kamen zurück,
doch wir tun uns schwer die Straße zu überqueren,
um unseren Nachbarn zu besuchen.

Wir haben das äußere Universum erobert, aber nicht unser Inneres.
Wir haben höhere Einkommen, aber weniger Moral.
Da sind Zeiten mit mehr Freiheit, aber weniger Freude.
Wir haben viel mehr zu essen, aber zu wenig Ernährung.

Das sind die Tage wo es zwei Einkommen für ein Heim braucht,
doch die Zahl der Scheidungen steigt.
Das ist die Zeit der schöneren Häuser, aber der mehr zerrütteten Heime.

13. Mai

Christi Himmelfahrt - Vatertag

1910 rief die Amerikanerin, Louisa Dodd, deren Vater im Sezessionskrieg (1861-65) gekämpft hatte, eine Bewegung zur Ehrung von Vätern ins Leben. Da Diese Aktivitäten sehr erfolgreich wurden, gab Präsident Calvin Coolidge 1924 eine Empfehlung für die Einführung eines besonderen Feiertages an die Einzelstaaten der USA heraus.
Der Vatertag wurde bei weiten Teilen der Bevölkerung so sehr angenommen, dass Präsident Nixon ihn 1974 für jeweils den zweiten Sonntag im Juni endgültig zu einem offiziellen Feiertag erklärte.

Bei uns in Deutschland fällt der Vatertag jeweils mit dem Himmelfahrtstag zusammen. Doch hat dieser Tag bei uns nicht den ihm gebührenden Stellenwert gefunden. Trotzdem erhalten Väter als Zeichen von Anerkennung gern kleine Geschenke, Karten oder Briefe.

An diesem Tag sieht man oft Männergruppen, denen sich auch Nicht-Väter vermehrt anschließen, zu Fuß, per Fahrrad oder Kutschwagen durch die Lande ziehen. Letztes Jahr und auch dieses ist das pandemiebedingt nicht möglich.

14. Mai

Elternlied

Kinder laufen fort.
Lang her kann's noch gar nicht sein,
kamen sie zur Tür herein,
saßen zwistiglich vereint
alle um den Tisch.

Kinder laufen fort.
Und es ist schon lange her.
Schlechtes Zeugnis kommt nicht mehr.
Stunden Ärgers, Stunden schwer:
Scharlach, Diphtherie!

Kinder laufen fort.
Söhne hangen Weibern an.
Töchter haben ihren Mann.
Briefe kommen, dann und wann,
nur auf einen Sprung.
Kinder laufen fort.
Etwas nehmen sie doch mit.
Wir sind ärmer, sie sind quitt.
Und die Uhr geht Schritt für Schritt
um den leeren Tisch.

Franz Werfel

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