Juni 2021

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1. Juni

Achte gut auf diesen Tag,
denn er ist das Leben -
Das Leben allen Lebens.
In seinem kurzen Ablauf
liegt alle Wirklichkeit und Wahrheit des Daseins,
die Wonne des Wachsens,
die Größe der Tat,
die Herrlichkeit der Kraft.
Denn das Gestern ist nichts als ein Traum
und das Morgen nur eine Vision.
Das Heute jedoch - recht gelebt
macht jedes Gestern zu einem Traum voller Glück
und jedes Morgen zu einer Vision voller Hoffnung.
Drum achte gut auf diesen Tag!

(Sanskrit)

2. Juni

Die Lotosblume

Die Lotosblume ängstigt
sich vor der Sonne Pracht,
und mit gesenktem Haupte
erwartet sie träumend die Nacht.

Der Mond, der ist ihr Buhle,
er weckt sie mit seinem Licht,
und ihm entschleiert sie freundlich
ihr frommes Blumengesicht.

Sie blüht und glüht und leuchtet,
und starret stumm in die Höh.
Sie duftet und weinet und zittert
vor Liebe und Liebesweh.

Heinrich Heine

3. Juni

Fronleichnam

Es wird die Gegenwart Christi  - also "der lebendige Leib des Herrn" - in Form von Wein und Brot (Hostie) gefeiert.
Das Wort "Fronleichnam" setzt sich aus den mittelhochdeutschen Wörtern "fron" ("Herr") und "lichnam" ("Leib") zusammen und entspricht damit sinngemäß dem "Fest des heiligsten Leibes Christi". Heutzutage nennt man Fronleichnam offiziell "Hochfest des Leibes und Blutes Christi" (bezieht sich auf das letzte Abendmahl).

Brauchtum: Fronleichnams-Prozession, im Anschluss an die Messe, eine "Demonstration katholischer Glaubensfreude". Der Pfarrer führt die Prozession an und trägt hoch erhoben die ganze Zeit über die "Monstranz", die die Hostie beinhaltet. Die Gemeinde folgt nach. Diese Prozessionen werden vor allem in ländlichen Gegenden noch durchgeführt, bei uns auch noch. Früher zog der Zug betend und singend durch die geschmückten Straßen. In den Fenstern und Hauseingängen hingen Fahnen und oft wurden die Straßen mit Blumenteppichen ausgelegt. Daheim wurden Heiligenfiguren und Kreuze mit Blumen geschmückt.

Der Prozessionszug ging in Richtung von vier extra errichteten (mobilen) Altären, Kapellen oder Kreuzen, die nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet und besonders prächtig mit Blumensträußen, Blättern und Zweigen geschmückt waren. Bei jeder Station wurde das Evangelium verkündet, Fürbitten gesprochen und der Segen gespendet.
Am Ende der Prozession dann ein Gottesdienst.

Fronleichnamsspiele entstanden, die aber regional verschieden ausfielen.
Im Süden wurde Fronleichnam auch "Hoffarts-" oder "Prangertag" genannt und die Mädchen bekamen neue weiße Kleider zum "Prangen" bei der Prozession. Außerdem schmückten sie sich mit Kränzen aus segenbringenden Kräutern. Nach der Prozession wurden "Jungfernnudeln" und "Jungfernschmarrn" (Schmalzgebackenes) verzehrt.

4. Juni

Etwas "Tierisches" zum Schmunzeln:

Der Fuchs und die Trauben

An einem Weinstock hingen schöne Trauben.
Der Fuchs kam vorbei, sah die Trauben und sprang aus Leibeskräften nach ihnen in die Höhe.
Doch er konnte sie nicht erreichen.
Das verdross ihn sehr.
Aber er wollte es nicht merken lassen.
Da trottete er weiter und sagte im Weggehen:
„Die Trauben sind sauer. Ich mag keine davon.“

5. Juni

Die Gäste der Buche

Mietegäste vier im Haus
hat die alte Buche.
Tief im Keller wohnt die Maus,
nagt am Hungertuche.
Stolz auf seinem roten Rock
und gesparten Samen,
sitzt ein Herr im ersten Stock,
Eichhorn ist sein Namen.
Weiter oben hat der Specht
seine Werkstatt liegen,
hackt und zimmert kunstgerecht,
dass die Späne fliegen.
Auf dem Gipfel im Geäst
pfeift ein winzig kleiner
Musikante froh im Nest.
Miete zahlt nicht einer.

 Rudolf Baumbach

6. Juni

Wühlmäuse vertreiben

Man kann die geruchs- und geräuschempfindlichen Tiere vergraulen, nützt das nicht, sollte man sie einfangen. Ist aber erfahrungsgemäß wirklich nicht einfach.
Die vor einigen Jahren auf den Markt gekommenen akustischen Geräte erwiesen sich im Test als völlig wirkungslos und haben auch bei uns nicht geholfen. Besser soll es mit Flaschen klappen, aus denen der Boden entfernt wurde und die mit dem Hals nach oben in die Gänge gesteckt werden. Der Wind verursacht einen Pfeifton, der die Tiere vertreiben soll. Haben aber auch damit keinen Erfolg gehabt. Wir trauten uns nicht, den Boden der Flaschen zu entfernen, wegen Verletzungsgefahr unseres Katers.
Kleine selbst gebaute Windmühlen aus Blechdosen auf einem in die Erde gerammten Metallrohr, die ständig, je nach Windstärke, Töne abgeben, könnten helfen, haben wir aber nicht ausprobiert.

Wühlmäuse durch Geruch vertreiben: Kaiserkronen, die intensiv nach Knoblauch und Moschus duften, werden dort angepflanzt, wo Wühlmäuse sind.
Auch Knoblauchzehen kann man ins Gangsystem einbringen, Fischköpfe oder Zwiebelbrühen hinein gießen. Auch das haben wir ausprobiert, ohne Erfolg.

Hilft das nichts, bleibt nur noch das Fangen übrig. Entweder Schlagfallen verwenden oder, wenn man nicht töten möchte, Röhrenwühlmausfallen. Da machten die Tiere bei uns im Garten einen Bogen drum herum, warum auch immer, obwohl wir beliebte Leckereien drinnen versteckten - mit Handschuhen, nicht mit der Hand.

Vergasungspatronen sollte man nicht verwenden, weil sie den Garten mit Gift verseuchen und das auch für zahlreiche andere Tiere den Tod bedeuten würde. Selbst das hat bei uns nicht geholfen, denn irgendwann waren wir so genervt, dass wir selbst das anwendeten.

Als diese gefräßigen Gartenverwüster alles gefressen hatten, was ihnen schmeckte, verabschiedeten sie sich von selbst. Wir hoffen, dass sie für immer wegbleiben und werden keinerlei Blumenzwiebeln und Co als Leckerei anbieten.

7. Juni

Die Wühlmaus

Die Wühlmaus nagt von einer Wurzel
das W hinfort, bis an die -urzel.
Sie nagt dann aber an der hintern Stell
auch von der -urzel noch das l.
Die Wühlmaus nagt und nagt, oh weh,
auch von der -urze- noch das e.
Sie nagt die Wurzel klein und kurz,
bis aus der urze- wird ein -urz-.

Die Wühlmaus ohne Rast und Ruh
nagt von der -urz- auch noch das u.
Der Rest ist schwer zu reimen jetzt,
es bleibt zurück nur noch ein -rz-.
Nun steht dies -rz- im Wald allein.
die Wühlmäuse sind so gemein.

Fred Endrikat

8. Juni

Unterländer Kirsche

Es ist eine besonders dunkle Süßkirsche, zur Gruppe der Knorpelkirschen gehörend und sie soll einst als Sämling in der Gegend von Esslingen entstanden sein.

Sie blüht recht früh und ist deshalb empfindlich für Spätfröste. Sie mag tiefgründige Böden und in warmen Lagen gibt es größere Erträge. Der Baum bildet eine breite pyramidenartige Krone aus.
Frisch vom Baum sollte man die glänzenden fast schwarzen Früchte genießen, kann sie aber auch gut einmachen.

Die Unterländer Kirsche reift je nach Region Mitte bis Ende Juli, wobei vor allem das zwei- und dreijährige Fruchtholz trägt. Durch das feste Fruchtfleisch ist sie gut transportfähig. Leider spielt die Unterländer Kirsche, wie alle Hochstamm-Kirschen, heute nur noch eine untergeordnete Rolle. 

9. Juni

Das Lied vom Kirschbaum

Zum Frühling sagt der liebe Gott:
"Geh, deck dem Wurm auch seinen Tisch!"
Gleich treibt der Kirschbaum Laub um Laub,
vieltausend Blätter, grün und frisch.

Das Würmchen ist im Ei erwacht,
es schlief in seinem Winterhaus;
es streckt sich, sperrt sein Mäulchen auf
und reibt die blöden Augen aus.

Und darauf hat’s mit stillem Zahn
an seinen Blätterchen genagt;
es sagt: "Man kann nicht weg davon!
Was solch Gemüs’ mir doch behagt!" -

Und wieder sagt der liebe Gott:
"Deck jetzt dem Bienchen seinen Tisch!"
Da treibt der Kirschbaum Blüt’ an Blüt’,
vieltausend Blüten, weiß und frisch.

Und’s Bienchen sieht es in der Früh
im Morgenschein und fliegt heran
und denkt: "Das wird mein Kaffee sein;
was ist das kostbar Porzellan!

Wie sind die Tässchen rein gespült!"
Es steckt sein Züngelchen hinein,
es trinkt und sagt: "Wie schmeckt das süß!
Da muss der Zucker wohlfeil sein!"

Zum Sommer sagt der liebe Gott:
"Geh, deck dem Spatzen seinen Tisch!"
Da treibt der Kirschbaum Frucht an Frucht,
vieltausend Kirschen, rot und frisch.

Und Spätzchen sagt: "Ist’s so gemeint?
Ich setz’ mich hin, ich hab’ App’tit,
das gibt mir Kraft in Mark und Bein,
stärkt mir die Stimm’ zu neuem Lied." 

Da sagt zum Herbst der liebe Gott:
"Räum fort, sie haben abgespeist!"
Drauf hat die Bergluft kühl geweht,
und ’s hat ein bissel Reif geeist.

Die Blätter werden gelb und rot,
eins nach dem andern fällt schon ab,
und was vom Boden stieg herauf,
zum Boden muss es auch hinab.

Zum Winter sagt der liebe Gott:
"Jetzt deck, was übrig ist, mir zu!"
Da streut der Winter Flocken drauf;
nun danket Gott und geht zur Ruh’!

Johann Peter Hebel

10. Juni

Goldies Ausflug in die Freiheit

Der Adler Goldie lebte schon lange in einem großen Raubvogelhaus im Zoo, mit viel Platz im Freien. Aber was ist das schon für einen Adler, dem in Freiheit der ganze Himmel gehört. Er zeigte seinen Kummer nicht, war stolz und blickte hochmütig auf die täglichen Besucher, die ihn bewunderten. Dabei dachte er an den Adlerhorst, in dem er groß geworden war und erinnerte sich an die kühnen Jagden, die er auf allerlei Tiere gemacht hatte. Plötzlich bemerkte sein scharfes Adlerauge, dass der Wärter die Tür zum Außenkäfig nicht verschlossen hatte. Er zögerte keine Sekunde. Ehe es jemand bemerkte, schwebte Goldie schon hoch in der Luft, in der ersehnten und erträumten Freiheit. Er flog einen weiten Bogen und stieg dann fast senkrecht hinein in den Himmel. Aber schon bald merkte er, dass er doch recht ungeübt war. So weit und so hoch hatte er lange Zeit nicht mehr fliegen können. Deshalb spannte er die Flügel weit aus und ließ sich wieder nach unten schweben. Da war ein wunderschöner dicker Baum, mitten in einem Park. Hier wollte er sich vorerst einmal niederlassen. Erschrocken stoben die Spatzen davon, als der große Adler auf dem Baum landete.
"Wenn er Hunger hat, kommt er schon wieder", meinte der Wärter. "Jagen kann der bestimmt nicht mehr!" meinten alle Vogelkenner im Tierpark.
Sie hatten recht, tatsächlich verspürte Goldie bald Hunger. Unruhig schaute er nach unten, wo sich viele Leute versammelt hatten und zu ihm hoch starrten und zeigten. Das war ihm egal, denn er interessierte sich für einen fetten Mops, der gerade mitten über den Rasen lief. Goldie stieg auf und stürzte dann wie ein Stein auf den ahnungslosen Mops. Aber der Hund setzte sich energisch zur Wehr. Es gelang ihm nicht, ihn zu erjagen. Außerdem stürzte der Besitzer des Hundes herbei und wollte Goldie mit seinem Stock erschlagen. So musste der Adler von seiner Beute ablassen. Aber sein Jagdinstinkt war geweckt. Langsam kreiste er über dem Ententeich und setzte erneut zum Sturz an. Diesmal hatte er Glück. Mit einer jungen Ente in seinen Klauen landete er wieder auf dem Baum. Aber es war seine einzige Beute. Von überallher wurde er beobachtet, und wenn er zu einer Jagd ansetzte, waren die Menschen da. Dennoch hielt Goldie es tagelang auf seinem Baum aus. Wegzufliegen traute er sich nicht, zurück in seinen Käfig wollte er aber auch nicht, dabei war es fast genauso wie im Käfig. Nur fehlte ihm das Futter.
Der Wärter, hatte seine Hoffnung auf eine Rückkehr Goldies keineswegs aufgegeben. Er beobachtete ihn Tag für Tag und stellte fest, dass der Adler der großen, ungeahnten Freiheit nicht mehr gewachsen war. Er legte ein besonders leckeres Kaninchen in den Außenkäfig. Denn immer wieder tauchte Goldie auf der Suche nach Futter dort auf.
Als er das Kaninchen erblickte, war sein Hunger doch größer als sein Stolz. Lautlos schwebte er hinein und stürzte sich mit Heißhunger auf das Kaninchen. Hinter ihm schloss sich die Tür. Goldies Ausflug in die Freiheit war beendet.

nach Mike Thurner

11. Juni

Vöglein im hohen Baum,
klein ist’s, ihr seht es kaum,
singt doch so schön,
dass wohl von nah und fern
alle Leute gern
horchen und stehn,
horchen und stehn.

Johann Peter Hebel

12. Juni

Dorfmusik

Hoch auf dem Zaun der Gockelhahn
fängt die Musik mit Krähen an;
Die Hühner stimmen lustig ein,
die Gans will auch nicht stille sein.

Die Ziege meckert in dem Stall,
es blöken laut die Schäflein all,
es bellt der Hund, und grunzend schrein
die Schweine alle, groß und klein.

Das Spätzlein selbst mit hellem Klang
stimmt an den lieblichen Gesang;
In tiefstem Basse brummt dazu
im Stalle hier die alte Kuh.

Das quiekt und schreit, das pfeift und summt,
das klopft und grunzt, das blökt und brummt!
Wer hört je in der Stadt solch ein Stück?
Das ist die lust’ge Dorfmusik.

Georg Christian Dieffenbach

13. Juni

Mein Freund an einem Sonntagmorgen

Tät sich ein hübsches Rösslein borgen,
mit frischem Hemd und frischem Mute,
in blanken Stiefeln, blankem Hute.
Die Haltung stramm und stramm die Hose,
am Busen eine junge Rose.
So reitet er durch die Alleen,
wie ein Adonis anzusehen.

Die Reiter machen viel Vergnügen,
wenn sie ihr stolzes Ross bestiegen.

Nun kommt da unter sanftem Knarren,
ein milchbeladner Eselskarren.
Das Rösslein, welches sehr erschrocken,
fängt an zu trappeln und zu bocken.
Und hopp, das war ein Satz, ein weiter!
Dort rennt das Ross, hier liegt der Reiter,
entfernt von seinem hohen Sitze,
platt auf dem Bauche in der Pfütze.

Die Reiter machen viel Vergnügen,
besonders, wenn sie drunten liegen.

Wilhelm Busch

14. Juni

Der rötliche Mars und die Venus

Früher zogen Mars und Venus -
wann es war, kann man nur ahnen -
eng beieinander und in Liebe
ihre vorgeschriebnen Bahnen.

Plötzlich kam ein fremder Körper,
der sich zwischen beide zwängte
und den Mars von seiner Venus -
oder umgekehrt - verdrängte.

Dieser Fremdling war die Erde!
Und sie machte sich noch breiter,
und der Mars entschwand der Venus
immer weiter, immer weiter.

Und die Sehnsucht nach der Freundin
hat den Mars schon fast getötet;
doch - erblickt er sie von ferne,
sehn wir, wie er zart errötet.

H. Erhardt

15. Juni

Ich gehe meinen Schlendrian
und trinke meinen Wein,
und wenn ich nicht bezahlen kann,
so ist die Sorge mein.
Ja, schlüg' ich auch dies Glas
in hunderttausend Trümmern,
so hat sich doch kein Mensch,
kein Mensch darum zu kümmern! –

Ich gehe meinen Schlendrian,
zieh an, was mir gefällt;
und wenn ich’s nicht mehr tragen kann,
so mach ich es zu Geld.
Und sollte auch mein Hemd
durch tausend Löcher schimmern,
so hat sich doch kein Mensch,
kein Mensch darum zu kümmern.

Ich gehe meinen Schlendrian
bis an mein kühles Grab,
und schlägt mir auch der Sensenmann
den letzten Segen ab.
Ja, sollt ich auch dereinst
noch in der Hölle wimmern,
so hat sich doch kein Mensch,
kein Mensch darum zu kümmern.

Johann Georg Fischer

16. Juni

Lügenmärchen

Ich will euch singen und will nicht lügen:
Ich sah drei gebratene Hühner fliegen,
sie flogen also schnelle,
sie hatten die Bäuche gen Himmel gekehrt,
den Rücken nach der Hölle.

Ein Amboss und ein Mühlenstein,
die schwammen zusammen über den Rhein,
sie schwammen also leise.
Da fraß ein Frosch einen glühenden Pflug
zu Pfingsten auf dem Eise.

Es wollten drei Kerls einen Hasen fangen,
sie kamen auf Krücken und Stelzen gegangen,
der eine konnte nicht hören,
der andere war blind, der dritte stumm,
der vierte konnt sich nicht rühren.

Nun will ich erst singen, wie es geschah:
Der Blinde zuerst den Hasen sah
im Feld geschwind hertraben.
Der Stumme rief dem Lahmen zu,
da fasst ihn der beim Kragen.

Es segelten etliche über Land,
die Segel hatten sie in den Wind gespannt
und segelten auf den Feldern.
Sie segelten auf einen hohen Berg;
da ertranken sie alle in den Wäldern.

Es ging ein Krebs auf die Hasenjagd;
Die Wahrheit kommt heraus mit Macht
und bleibt nicht lang verschwiegen.
Es lag eine Kuhhaut auf dem Dach,
die war da hinaufgestiegen.

Hiermit will ich mein Lied beschließen,
sollt es die Leute gleich verdrießen,
und will nicht länger lügen;
In meinem Land sind die Fliegen 
so groß als hierzuland die Ziegen.

Unbekannter Verfasser

17. Juni

Fremd in der Heimat

In der Heimat war ich wieder,
alles hab‘ ich mir beseh'n,
als ein Fremder auf und nieder
musst‘ ich in den Straßen geh'n.

Nur im Friedhof fern und alleine
hab‘ ich manchen Freund erkannt,
und bei einem Leichensteine
fühl‘ ich eine leise Hand.

Martin Greif

18. Juni

Die Silberdistel, beheimatet in den Gebirgen Mittel- und Südeuropas, bevorzugt kalkhaltige Magerrasen und trockene Weiden und sie ist das Symbol der Schwäbischen Alb. Almhirten bezogen aus dieser Distel ihr "Jagerbrot", das sind die Blütenböden der Pflanze, die an Artischocken erinnern. Geheimnisvolle Kräfte sagte man der Pflanze nach, da sich ihre silbrig-glänzenden Hüllblätter bei hoher Luftfeuchtigkeit nach innen bewegen, bei Sonnenschein und trockener Luft dagegen weit nach außen spreizen. Deshalb nennt man sie auch Wetterdistel.

Der Sage nach geht ihr Name Carlina auf Karl den Großen zurück, weil ihm im Traum ein Engel diese Distel als wahres Heilmittel gegen Pest gezeigt haben soll. Sie heißt somit auch Karlsblume oder Engelsdistel. Wahrscheinlicher ist aber die Ableitung des Namens von Cardulinea - Kleine Distel.

Wer die Eberwurz bei sich trug, wurde nach altem Aberglauben nicht so schnell müde und entzog seinen Gefährten sogar deren Kraft. Deshalb hängte man früher Pferden bei Wettrennen die Wurzel um. Der Glaube an die geheimen Kräfte der Pflanze war damals groß: "Wenn nichts mehr hilft, dann hilft die Eberwurz".
Im Vertrauen darauf hat man früher Silberdisteln über der Haus- oder Stalltür angebracht, um Blitz, Feuer, Hexen und Dämonen fernzuhalten.

Disteln haben weltweit eine Vielzahl von Erscheinungsformen, sie gehören ganz unterschiedlichen Pflanzengattungen an und sind für den Laien oft kaum zu unterscheiden.

19. Juni

Mariendistel

An die Mariendistel reicht in Hinsicht heilkräftiger Stoffe keine andere Distelart heran. Ihre medizinische Verwendung kann man bis in die griechisch/römische Antike zurückverfolgen.
Die bis 150 Zentimeter hohe Pflanze mit den großen, grün-weiß marmorierten Blättern, deren Spitzen Dornen tragen, und den kugeligen, purpurroten Blütenköpfen stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und dem Vorderen Orient. Über die Klöster kam sie als beliebte Heilpflanze nach Mitteleuropa und wurde hier seitdem erfolgreich zur Behandlung vor allem von Lebererkrankungen und Gallenproblemen eingesetzt.

Der Name der Mariendistel, die auch Liebfrauendistel genannt wird, soll auf eine alte Legende zurückgehen, nach der die weißen Streifen ihrer Blätter von der Milch der Muttergottes stammen, die ihr Kind auf der Flucht nach Ägypten unter dem schützenden Blätterdach einer solchen Distel stillte.

Diese Heilpflanze wird heute in großen Plantagen in Osteuropa, Südamerika und China angebaut, um ihre medizinisch wirksamen Stoffe aus den im August und September reifenden Samen zu gewinnen.

20. Juni

Zum Sommeranfang:

Der Sommer

Der Sommer, der Sommer,
das ist die schönste Zeit:
Wir ziehen in die Wälder
und durch die Au’n und Felder
voll Lust und Fröhlichkeit.

Der Sommer, der Sommer,
der schenkt uns Freuden viel:
Wir jagen dann und springen
nach bunten Schmetterlingen
und spielen manches Spiel.

Der Sommer, der Sommer,
der schenkt uns manchen Fund:
Erdbeeren wir uns suchen
im Schatten hoher Buchen
und laben Herz und Mund.

Der Sommer, der Sommer,
der heißt uns lustig sein:
Wir winden Blumenkränze
und halten Reigentänze
beim Abendsonnenschein.

Hoffmann von Fallersleben

21. Juni

Vanille-Blume

Man nennt sie auch Heliotrop und sie ist eine der Balkonblumen mit dem stärksten und süßesten Duft, besonders abends. Es erinnert meist an Vanille, duftet bei manchen Sorten aber auch wie Kirschkuchen.
Eigentlich sind Vanille-Blumen Halbsträucher und stammen aus Südamerika, vertragen deshalb keinen Frost. Sie blühen mit kleinen lilafarbigen, hellvioletten oder weißen Blütchen, die sich nach und nach in großen Dolden öffnen. Die Blätter sind rau und nicht besonders schön, dafür ist der Blütenduft aber herrlich. Man kann die Pflanze wie eine Kübelpflanze frostfrei überwintern, aber die Pflanzen werden auf Dauer etwas sparrig und müssen deshalb gekonnt zurückgeschnitten werden. Dieser Aufwand lohnt sich auf jeden Fall bei Exemplaren, die als Hochstämmchen gezogen sind. Die kleineren Pflanzen kauft man besser jedes Jahr neu.
Heliotrop liebt sonnige, warme Standorte. Wird die Topferde trocken, dann lässt er schnell die Blätter hängen, sie stehen aber nach dem Gießen schnell wieder auf. Staunässe verträgt die Pflanze nicht. Normale Erde behagt ihr, aber man muss in den Pflanzgefäßen für einen guten Wasserabzug sorgen. In regnerischen Sommern sollte man die Hochstämmchen unter einen Dachvorsprung stellen.

Wir haben diese Schönheiten schon im Blumenkasten gehabt und sehr darüber gefreut.

22. Juni

Du bist ein Schatten am Tage
und in der Nacht ein Licht;
Du lebst in meiner Klage
und stirbst im Herzen nicht.

Wo ich mein Zelt aufschlage,
da wohnst du bei mir dicht;
Du bist mein Schatten am Tage
und in der Nacht mein Licht.

Wo ich auch nach dir frage,
find ich von dir Bericht.
Du lebst in meiner Klage
und stirbst im Herzen nicht.

Du bist ein Schatten am Tage
und in der Nacht ein Licht;
Du lebst in meiner Klage
du stirbst im Herzen nicht.

Friedrich Rückert

23. Juni

Olga von Württemberg

1822 geboren, als drittes Kind des russischen Kaisers Nikolaus I und dessen Ehefrau Alexandra (Charlotte von Preußen), aufgewachsen in glänzenden Palästen, standesgemäß ausgebildet, unterwarf sie sich nur der Autorität des Vaters.
Am 13. Juli 1846 heiratete Olga den Kronprinzen und späteren König Karl I von Württemberg, vergeblich auf einen Thronfolger wartend. Durch einen operativen Eingriff Karls 1859, war es Gewissheit, dass ihre Ehe kinderlos bleiben würde. Die Romanows schickten Ende 1863 die als „schwererziehbar“ geltende Großfürstin Wera nach Stuttgart. 1864 bestiegen Karl und Olga den Thron und 1871 wurde Wera adoptiert.

Olga reiste viel, pflegte ihre schwache Gesundheit und litt unter „hässlichen Lastern“ ihres Mannes, der keineswegs dem Idealbild ihres Vaters Nikolaus entsprach. Da sie in den damals modischen Schlankheitswahn flüchtete, wurden ihre Krankheiten noch schlimmer.

Die fürstliche Würde aber musste gewahrt bleiben und je größer die realen Souveränitätsverluste waren, umso intensiver kam Olga ihren Pflichten bei der königlichen Repräsentation nach. Vor allem in der Wohltätigkeit konnte sie Verdienste vorweisen, trat hiermit in die Fußstapfen ihrer Vorgängerin Katharina, machte dort weiter, wo diese aufgehört hatte.
Die sozialen Leistungen haben Olgas Mythos begründet und das Martyrium ihrer Ehe hat dazu beigetragen. Ihr Mann war für sie eine einzige Enttäuschung, aber sie hat ihn trotzdem geliebt und auch beschützt, wo sie nur konnte.
1891 starb Karl nach langem Leiden und auch Olga wollte nicht länger leben. Da sie jegliche ärztliche Hilfe verweigerte, starb sie Ende Oktober 1892.
Die Adoptivtochter Wera wurde eine dankbare Erbin und tatkräftige Fortsetzerin der positiven sozialen Werke, mit denen Olga in die Geschichte eingegangen ist.

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