Januar 2021

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1. Januar

Hoffnungswünsche der Menschen
für das neue Jahr

Hoffnung keimt in den Menschen auf,
was bringt uns das neue Jahr in seinem Lauf?

Die Erfahrungen der Coronazeit,
weckt bei allen wieder Sehnsucht nach Gemeinsamkeit.

Wir sollten nicht nur an uns alleine denken,
sondern unsere Gedanken auf alle Menschen lenken.

Besonders für die, die in dieser Zeit so viel Not erlitten,
sollten wir stets für ihr Leben in Gesundheit bitten.

Lasst uns gemeinsam gehen durch die Monate im neuen Jahr,
damit der Sinn unserer Gemeinschaft wird wieder klar.

Kämpfen wir durch unser gemeinsames Verhalten auf jegliche Art,
damit unsere Gesundheit in unserem Leben bleibt bewahrt.

Gott schicke uns in dieser Weihnachtszeit die Kraft der Liebe in unsere Herzen,
er vertreibe bei uns bald der Seelen Schmerzen.

Lasst unser Leben nicht nur durch Corona bestimmen,
sondern danach der Menschen Treffen neu beginnen.

In diesem Sinne lasst uns gemeinsam in das neue Jahr gehen,
damit alle Menschen auf der ganzen Welt wieder die Sonne sehen.

Detlef Wolfgang Scholz

2. Januar

Das Jahr - Die vier Jahreszeiten

Ich bin das ganze Jahr vergnügt: Im Frühling wird das Feld gepflügt,
da steigt die Lerche hoch empor und singt ihr frohes Lied mir vor.

Dann kommt die liebe Sommerzeit, wie hoch ist da mein Herz erfreut,
wenn ich vor meinem Acker steh und soviel tausend Ähren seh!

Im Herbst schau ich die Bäume an, schau Äpfel, Birnen, Pflaumen dran.
Und sind sie reif, so schüttl' ich sie, so lohnet Gott des Menschen Müh!

Dann kommt die kalte Winterzeit, da ist mein Häuschen überschneit,
das ganze Feld ist kreideweiß und auf der Wiese nichts als Eis.

So geht's jahraus, jahrein mit mir, ich danke meinem Gott dafür
Und habe immer frohen Mut und denke: Gott macht alles gut!

(Wort und Weise von schwäbischen Rückwanderern)

3. Januar

Neujahr auf Chinesisch

In China ist das Neujahrsfest immer zwischen dem 21. Januar und dem 20. Februar. Nicht irgendwann, sondern haargenau in der ersten Neumondnacht zwischen diesen Tagen.

An diesem Tag feiern Asiaten auf der ganzen Welt "Chinese New Year", das Chinesische Neujahrsfest und heißen an diesem Tag zusammen mit der ganzen Familie das neue Jahr willkommen. Der Mittelpunkt ein ausgedehntes Festmahl, dessen Zutaten nicht etwa willkürlich ausgewählt werden. Vielmehr trägt jede Zutat der Gerichte eine symbolische Bedeutung in sich. So versprechen beispielsweise Gerichte mit Fisch ein langes Leben. Auch wenn uns Europäern die Tradition dieser Essenssymbolik nicht so geläufig ist und nach unserer Zeitrechnung das neue Jahr längst begonnen hat, ist uns eine gute Mahlzeit doch auch wichtig.

4. Januar

Ein Winterabend

    

Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
lang die Abendglocke läutet,
vielen ist der Tisch bereitet
und das Haus ist wohl bestellt.

Mancher auf der Wanderschaft
kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
Golden blüht der Baum der Gnaden
aus der Erde kühlem Saft.

Wanderer, tritt still herein;
Schmerz versteinerte die Schwelle.
Da erglänzt in reiner Helle
auf dem Tische Brot und Wein.

Georg Trakl

5. Januar

Das ist die rechte Ehe,
wo Zweie sich geeint,
durch alles Glück und Wehe
zu pilgern treu vereint.
Der eine Stab des andern,
und liebe Last zugleich,
gemeinsam Rast und Wandern,
und Ziel das Himmelreich.

Emanuel Geibel

6. Januar

Epiphanias - Heilige Drei Könige

Heute werden in der Kirche Kreide, Wasser und Salz geweiht.

Mit der Kreide schreibt man C+M+B über die Türen
Christus Mansionem Benedicat (Christus segne dieses Haus)
 
Aber man feiert heute nicht nur das Dreikönigs-Fest, sondern auch Epiphania Domini, das Fest der Erscheinung, des Offenbarwerdens  der Gott- und Königswürde Christi. Es ist das zweite Hochfest der Weihnachtszeit und der Tag der Taufe Christi.

Nach Bethlehem zu gehen,
trieb Liebe uns dahin,
das Kindlein anzusehen
mit dankerfülltem Sinn.

Es schuf dein mächtig Werde
die Welten groß und klein,
Fürst Himmels, Fürst der Erde,
willst nun uns Bruder sein.

Doch wo sind Diener, Knechte
für deine Königsmacht?
Kein Zepter trägt die Rechte,
wo ist des Thrones Pracht?

In meiner Brust denn liege
als deiner Ruhestatt,
nimm hin, mein Herz als Wiege
und sei des Trostes satt.

Aus dem 14. Jahrhundert

Und doch ist es leider durch die Pandemie dieses Jahr ganz anders und wir hoffen auf Entspannung.

7. Januar

Alpenveilchen

Sie gehören bereits zu den meistgekauften Zimmerblumen, oft leider zum Wegwerfen. Aber mit etwas Pflege leben sie jahrelang. Sie brauchen einen kühlen Standort, mögen keine pralle Sonne, sonst verblühen sie zu rasch und die Blätter werden gelb.
Im Sommer raus an einen halbschattigen bis schattigen Platz, am besten die Töpfe ins Erdreich, damit die Wurzeln nicht zu heiß werden und nicht so schnell austrocknen.
Im Winterhalbjahr, meist in der Zeit vom September bis April, blühen Alpenveilchen. Man möchte sie dann im warmen Zimmer haben, aber auch nicht frieren. Man kann da schon etwas erreichen, indem man die Töpfe wenigstens nachts in einen kühlen Raum stellt und im Wohnzimmer an ein Fenster, unter dem sich keine oder eine nur niedrig eingestellte Heizung befindet.

Beim Gießen darf nie Wasser in die Knospenansätze der Knolle gelangen, denn dort entsteht leicht Fäulnis. Deshalb wurden Alpenveilchen früher höher eingetopft. Heute setzt man meist tiefer und darum besser von unten gießen. Aber es darf kein Gießwasser stehen bleiben. Was nicht innerhalb einer Stunde aufgesogen ist, entfernen.

8. Januar

Winternacht

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
ich hab’ nichts, was mich freuet,
verlassen steht der Baum im Feld,
hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
und rüttelt an dem Baume,
da rührt er seinen Wipfel sacht
und redet wie im Traume.

Er träumt von künft’ger Frühlingszeit,
von Grün und Quellenrauschen,
wo er im neuen Blütenkleid
zu Gottes Lob wird rauschen.

Joseph Freiherr von Eichendorff

9. Januar

Der Katzenkönig

Die Frau des Totengräbers saß am Ofen und wartete auf ihren Mann. Neben ihr hockte ein großer schwarzer Kater, der alte Tom. Plötzlich kam der Totengräber hereingestürzt und rief ganz aufgeregt: "Wer ist Tom Tildrum!" Beide, seine Frau und der Kater, starrten ihn an. "Was regst du dich denn so auf!", sagte endlich die Frau. "Und warum willst du denn wissen, wer Tom Tildrum ist!"
"Oje, ich habe ein tolles Abenteuer erlebt. Ich war gerade dabei, ein Grab zu schaufeln und muss wohl dabei eingeschlafen sein. Jedenfalls wachte ich erst durch das Jaulen einer Katze auf."
"Miau", machte der alte Tom am Ofen.
"Ja, genauso war's. Und was glaubst du, was ich sah! Denke dir nur, neun schwarze Katzen. Alle sahen so aus wie unser Tom. Und was glaubst du, was sie trugen! Einen kleinen Sarg, und darauf lag eine kleine Krone ganz aus Gold; und bei jedem dritten Schritt riefen alle ‚miau’."
Der Totengräber erzählte weiter: "Dann gingen alle auf mich zu. Acht trugen den kleinen Sarg, und die neunte, die größte unter ihnen, schritt würdig voran. - Aber sieh nur unseren Tom, wie er mich anstarrt! Man könnte denken, er verstünde alles, was ich sage."
"Nur weiter, weiter", sagte seine Frau.
"Also ich erzählte gerade, sie kamen langsam und feierlich auf mich zu und riefen bei jedem dritten Schritt ‚miau, miau’."
"Miau", schrie der alte Tom wieder.
Der Totengräber sah den Tom erschreckt an, dann aber fuhr er fort:
"Denke dir, sie stellten sich vor mir auf und starrten mich an. Aber sieh nur den Tom; er starrt mich genauso an wie sie."
"Weiter, nur weiter", unterbrach ihn seine Frau.
"Wo war ich denn! Ach ja, sie standen alle und starrten mich an. Dann kam die größte von ihnen auf mich zu, sah mir ins Gesicht und sagte mit quiekender Stimme: ‚Sage Tom Tildrum, dass Tim Toldrum tot ist.’ Deshalb frage ich dich, ob du weißt, wer Tom Tildrum ist! Denn wie kann ich Tom Tildrum sagen, dass Tim Toldrum tot ist!"
"Sieh nur den alten Tom!", schrie da seine Frau, denn Tom blähte sich auf, machte einen stattlichen Katzenbuckel und kreischte: "Was? Der alte Tim ist tot? Dann bin ich hinfort der Katzenkönig!" Mit diesen Worten sauste er durch das Ofenrohr in die Höhe und ward nie mehr gesehen.

Überliefert

10. Januar

 

 

 

Exemplarisches

 

Ein schwarzer Kater macht die Runde
durch sein gewohntes Jagdrevier.
Tagtäglich um die Mittagsstunde
kommt er behutsam auch zu mir.

Die Mäuse haben sich verschloffen,
an jungen Vögeln mangelt’s auch.
Drum richtet sich sein stilles Hoffen
auf den Kompost beim Holderstrauch.

Und in der Tat, hier gibt’s aus Gräten
von einem längst verstorb’nen Fisch,
aus knöchernen Antiquitäten
und Knackwursthäuten ein Gemisch.

Er packt mit Zähnen und mit Krallen,
verleibt sich’s ein und wird gestärkt.
„Kein Wesen kann zu nichts zerfallen“,
hat Goethe richtig schon bemerkt.

Entnimm denn diesem Sachverhalt
den Wink, verehrtes Publikum:
Wer leben bleiben will, der schalte
sich zeitig auf’s Gegeb’ne um!

Dr. Owlglass

11. Januar

O wie ist es kalt geworden
und so traurig öd und leer!
Raue Winde weh’n von Norden,
und die Sonne scheint nicht mehr.

Auf die Berge möcht' ich fliegen
möchte seh'n ein grünes Tal,
möcht' in Gras und Blumen liegen
und mich freu'n am Sonnenstrahl.

Möchte hören die Schalmeien
und der Herden Glockenklang,
möchte freuen mich im Freien
an der Vögel süßem Sang!

Schöner Frühling, Komm doch wieder!
Lieber Frühling, komm doch bald!
Bring uns Blumen, Laub und Lieder,
schmücke wieder Feld und Wald!

Hoffmann von Fallersleben

12. Januar

Der Reiter auf dem Bodensee
Gustav Schwab

Der Reiter reitet durchs helle Tal;
Auf Schneefeld schimmert der Sonne Strahl.
Er trabet im Schweiß durch den kalten Schnee,
er will noch heut an den Bodensee,
noch heut mit dem Pferd in den sichern Kahn,
will drüben landen vor Nacht noch an.

Auf schlimmem Weg, über Dorn und Stein,
er braust auf rüstgem Ross feldein.
Aus den Bergen heraus, ins ebene Land,
da sieht er den Schnee sich dehnen wie Sand.
Weit hinter ihm schwinden Dorf und Stadt;
Der Weg wird eben, die Bahn wird glatt.
In weiter Fläche kein Bühl, kein Haus;
Die Bäume gingen, die Felsen aus.

So flieget er hin eine Meil und zwei;
Er hört in den Lüften der Schneegans Schrei.
Es flattert das Wasserhuhn empor,
nicht anderen Laut vernimmt sein Ohr.

Keinen Wandersmann sein Auge schaut,
der ihm den rechten Pfad vertraut.
Fort geht’s wie auf Samt auf dem weichen Schnee,
wann rauscht das Wasser, wann glänzt der See?

Da bricht der Abend, der frühe herein;
Von Lichtern blinket ein ferner Schein.
Es hebt aus den Nebeln sich Baum an Baum,
und Hügel schließen den weiten Raum.

Er spürt auf dem Boden Stein und Dorn,
dem Rosse gibt er den scharfen Sporn.
Und Hunde bellen empor am Pferd,
und es winkt im Dorf ihm der warme Herd.

„Willkommen am Fenster, Mägdelein,
an den See, an den See, wie weit mag’s sein?“
Die Maid, sie staunet den Reiter an:
„Der See liegt hinter dir und der Kahn,
und deckt ihn die Rinde von Eis nicht zu,
ich spräch’, aus dem Nachen stiegest du.“

Der Fremde schaudert, er atmet schwer:
„Dort hinten die Ebne, die ritt ich her!“
Da recket die Magd die Arm in die Höh:
„Herr Gott! So rittest du über den See.
An den Schlund, an die Tiefe bodenlos
hat gepocht des rasendes Hufes Stoß.
Und du wardst nicht die Speise der stummen Brut?
Der hungrigen Hecht’ in der kalten Flut?“

Sie rufet das Dorf herbei zu der Mär,
es stellten die Knaben sich um ihn her.
Die Mütter, die Greise, sie sammeln sich:
„Glückseliger Mann, ja segne du dich!
Herein, zum Ofen, zum dampfenden Tisch,
brich mit uns das Brot und iss vom Fisch!“

Der Reiter erstarret auf seinem Pferd,
er hat nur das erste Wort gehört.
Es stocket sein Herz, es sträubt sich sein Haar,
dicht hinter ihm grinst noch die grause Gefahr.
Es siehet sein Blick den grässlichen Schlund;
Sein Geist versinkt in den schwarzen Grund.
Im Ohr ihm donnert’s wie krachend Eis,
wie die Well’ umrieselt ihn kalter Schweiß.
Da seufzt er, da sinkt er vom Ross herab,
da ward ihm am Ufer ein trocken Grab.

13. Januar

Der Bettler und die reiche Bäuerin

Es kam einmal ein Bettler auf einen reichen Bauernhof und bat um ein Nachtlager. Die Bäuerin aber jagte ihn schimpfend davon. Da ging er zu einer armseligen Hütte und bat dort um ein Nachtlager. Die Frau sprach: "Komm nur herein! Ich habe zwar selbst nur wenig, aber einem Armen muss man immer etwas abgeben.“
Der Bettler sah gleich, dass er in ein sehr armseliges Haus geraten war. Die fünf Kinder hatten kaum etwas anzuziehen. Als die Abendmahlzeit kam, wurde er zum Essen gerufen. Er aber stellte sich krank und kam nicht. Am Morgen legte der Bettler das Brot aus seinem eigenen Sack auf den Tisch und sprach: "Was du jetzt tust, das tue bis zum Abend!“
Die arme Frau begriff die Worte des Bettlers nicht. Sie hatte etwas Leinwand und dachte: Vielleicht reicht es doch zu einem Hemd für ein Kind und ging ins Dorf, um ein Ellenmaß zu beschaffen, um damit die Leinwand zu messen. Sie bekam das Ellenmaß. Als sie daheim ihren Schrank öffnete, war er voll von Leinwandrollen. Da begann sie sogleich die Leinwand zu messen. Erst am Abend, als die Sonne unterging, war sie fertig. Nun begriff sie die Worte des Bettlers.

Am Abend erzählte sie der reichen Bäuerin ihr Erlebnis.
Als diese das hörte, sprach sie zum Knecht: "Spann rasch das Pferd an und hole den Bettler. Den Armen muss man immer helfen!“
Der Knecht fuhr los und fand ihn am nächsten Tag. Die Bäuerin nahm den Bettler diesmal mit der größten Freundlichkeit auf. Sie gab ihm zu essen und zu trinken, soviel er nur konnte. Ans Fortgehen schien er überhaupt nicht mehr zu denken. Die Geduld der Bäuerin fing schon an, zu Ende zu gehen. Aber zu ihrer Freude wollte der Bettler am Morgen des sechsten Tages aufbrechen. Als er schon zum Tor hinausging, fragte ihn die Bäuerin: "Was werde ich heute tun?“
Der Bettler antwortete: "Was du auch tust, das tue bis zum Abend!“
Die Bäuerin eilte sofort in die Stube zurück, um das Ellenmaß zu holen und Leinwand zu messen. Aber es kam nicht dazu. Weil sie in der Vorfreude auf das große Geschenk am Morgen zuviel gegessen und getrunken hatte, wurde ihr plötzlich sehr übel, und sie musste alles Gegessene und Getrunkene erbrechen. Und es dauerte, wie das Leinenmessen der armen Nachbarsfrau, bis zum Sonnenuntergang. Erst dann fühlte sich die reiche Bäuerin wieder gesund.

überliefert

14. Januar

Mit Geld kann man Spaß kaufen ... aber nicht Liebe.
Mit Geld kann man Zerstreuung kaufen ... aber nicht Freude.
Mit Geld kann man eine Frau kaufen ... aber nicht Eheglück.
Mit Geld kann man ein Haus kaufen ... aber kein Heim.
Mit Geld kann man ein Menü kaufen ... aber nicht Appetit.
Mit Geld kann man Medizin kaufen ... aber nicht Gesundheit.
Mit Geld kann man ein Diplom kaufen ... aber nicht Kultur.
Mit Geld kann man ein Buch kaufen ... aber nicht Intelligenz.
Mit Geld kann man ein Beruhigungsmittel kaufen ... aber nicht Frieden.
Mit Geld kann man Nachgiebigkeit kaufen ... aber nicht Verzeihung.
Mit Geld kann man die Erde kaufen ... aber nicht den Himmel.
und Freunde kann man auch nicht kaufen.

15. Januar

Die gute, alte Zeit ...

Man hört oft in betagten Kreisen
die guten, alten Zeiten preisen.
Doch wer von uns wäre schon bereit
zu tauschen mit der alten Zeit.
 
Was hatten  früher denn die Leute,
das wollen wir betrachten, heute.
Keine leichte, sondern Schwerstarbeit
gab es in der guten, alten Zeit.
 
Die Schuhe waren schwer zu tragen,
mit Eisen und Nägeln voll beschlagen.
Zur Arbeit ging man stundenweit
in der guten, alten Zeit.
 
Es gab auch keine Urlaubstage,
das kam damals nicht in Frage.
Beten und Arbeit war das Geleit
in der guten, alten Zeit.
 
Es fuhr auch noch kein Omnibus,
die Leute gingen alle zu Fuß,
vom Badener Land bis in die Heid',
in der guten, alten Zeit.
 
Es gab auch kein elektrisch Licht,
das Wasser kam aus der Leitung nicht.
Das holte man vom Brunnen weit
in der guten, alten Zeit.
 
Die Zimmer waren ziemlich klein,
da gingen nicht so viele Möbel rein.
D'rum schlief man noch im Bett zu Zweit
in der guten, alten Zeit.
Im Bett lag man auf Haferstroh,
ein Lieblingsort auch für den Floh.
Der nutzte die Gelegenheit
in der guten, alten Zeit.
 
Die Zähne zogen die Barbiere,
da brüllten Menschen wie die Tiere.
Eine Spritze, die vom Schmerz befreit,
gab es nicht in der alten Zeit.
 
Und waren dann viele Zähne raus,
sah das Mäulchen wie'ne Tropfsteinhöhle aus.
Kein Zahnersatz stand dann bereit
in der guten, alten Zeit.
 
In der Wohnung war noch kein Klosett,
da stand ein Töpfchen unter'm Bett.
Es stand dort immer griffbereit
in der guten, alten Zeit.
 
Die Rente war sehr karg bemessen,
sie reichte oftmals kaum zum Essen.
Was war das für eine Erbärmlichkeit
in der guten, alten Zeit.
 
Es gab auch keine Konservendosen,
für Damen keine langen Unterhosen.
Sie trugen Röcke lang und breit
in der guten, alten Zeit.
 
Ein Fass voll Sauerkraut und Bohnen
tat sich damals immer lohnen.
Das war bestimmt eine Köstlichkeit
in der guten, alten Zeit.

Kroketten und Pommes
waren noch nicht bekannt, doch Kartoffeln
gab es überall im Land.
Da aß man sich satt und der Bauch wurde nicht weit,
in der guten, alten Zeit.
 
Doch eines muss man gestehen,
man konnte noch sorglos
über die Straßen gehen
in Ruhe und Gelassenheit,
in der guten, alten Zeit !

16. Januar

Im Alter

Wie wird nun alles so stille wieder!
So war mir’s oft in der Kinderzeit,
die Bäche gehen rauschend nieder,
durch die dämmernde Einsamkeit,
kaum noch hört man einen Hirten singen.
Aus allen Dörfern, Schluchten weit
die Abendglocken herüber klingen,
versunken nun mit Lust und Leid.

Die Täler, die noch einmal blitzen,
nur hinter dem stillen Walde weit
noch Abendröte an den Bergesspitzen,
wie Morgenrot der Ewigkeit.

Joseph von Eichendorff

17. Januar

Barbarossa
Friedrich Rückert

Der alte Barbarossa,
der Kaiser Friederich,
im unterirdschen Schlosse
hält er verzaubert sich.

Er ist niemals gestorben,
er lebt darin noch jetzt,
er hat im Schloss verborgen
zum Schlaf sich hingesetzt.

Er hat hinabgenommen
des Reiches Herrlichkeit
und wird einst wiederkommen
mit ihr, zu seiner Zeit.

Der Stuhl ist elfenbeinern,
darauf der Kaiser sitzt;
der Tisch ist marmelsteinern,
worauf sein Haupt er stützt.

Sein Bart ist nicht von Flachse,
er ist von Feuersglut,
ist durch den Tisch gewachsen,
worauf sein Kinn ausruht.

Er nicht als wie im Traume,
sein Aug’ halboffen zwinkt,
und je nach langem Raume,
er einem Knaben winkt.

Er spricht im Schlaf zum Knaben:
„Geh hin vors Schloss, o Zwerg,
und sieh, ob noch die Raben
herfliegen um den Berg!

Und wenn die alten Raben
noch fliegen immerdar,
so muss ich auch noch schlafen
verzaubert hundert Jahr.“

18. Januar

Ein deutsches Nationalgemüse

Kohlsorten, deren Blätter am kurz gestauchten Spross einen runden, festen Kopf bilden werden als Kopfkohl bezeichnet. Dazu gehören Weißkohl - einschließlich der Sonderform Spitzkohl - Rotkohl und Wirsing. Grün- und Braunkohl, Rosenkohl, Brokkoli und Kohlrabi gehören nicht dazu.

Dass es mal Rot- und einmal Blaukohl oder -kraut heißt, liegt an den unterschiedlichen Säurewerten der Böden, denn in sauren Böden sind die Blätter eher rot, in basischen blau. So kann auch beim Kochen durch die Zugabe säurereicher Äpfel, Essig oder Wein, Rotkraut entstehen, mit Zucker Blaukraut.

Die Zubereitung von Kohl ist lohnenswert, denn alle Sorten enthalten besonders viel Vitamin C und sind reich an Mineral- und Ballaststoffen, Senfölen und sogar Zucker. Das mit natürlicher Milchsäuregärung entstehende Sauerkraut wirkt regulierend auf die Darmfauna, es sollte hierfür aber roh verzehrt werden. Mit Weißkohl- oder Wirsingblättern lassen sich sogar Wunden versorgen und aus Weißkohlsaft kann man mit Honig ein wohltuendes Hustenmittel bereiten.

19. Januar

Um den Herd herum die Köchin springt
und singt ein Lied, das komisch klingt

Was soll ich denn kochen?
‚s ist alles zerbrochen:
Das Maß
und die Pfanne,
das Glas
und die Kanne –
und was will ich kaufen,
es kost’t einen Haufen:
der Weck
und der Fladen,
der Speck
und der Braten,
das Salz
und das Mehl,
das Schmalz
und das Öl;
und die Eier
und‚s Feuer
sind heuer so teuer!
Und krieg keinen Lohn,
ich lauf noch davon.

Fr. Güll

20. Januar

Lirum-larum

Lirum-larum Löffelstiel,
unser Lieschen mag nicht viel
von den braunen Linsen.
Will viel lieber süßen Brei,
Braten, Nudeln, allerlei,
Butterbrot und Schinken.

Volksgut

21. Januar

Mutscheln

Immer am Donnerstag nach Dreikönig wird seit Jahrhunderten in Reutlingen gemutschelt, ein sternförmiges Mürbegebäck. Weihnachten sind die acht-zackigen Mutscheln in verschiedenen Größen und aufwendigen Verzierungen in allen Bäckereien zu sehen.
Es gibt ein vielfältiges Angebot, aber auch ausgefallene Varianten wie "Nackets Luisle" oder "Langer Entenschiss" oder etwas deftig "Der Würfel bläst vom Turm", wenn der Würfel vom Becherrand gepustet werden muss.
Eine weitere Variante "Sieben frisst", da darf nur derjenige vom traditionell dazu gereichten Wurstsalat essen, der sieben Punkte gewürfelt hat.
Woher der Brauch kommt, ist nicht eindeutig geklärt. Als heidnisches Opferbrot zur Wintersonnenwende oder als Stern der Weisen aus dem Morgenland wurde das Gebäck bereits gedeutet. Unklar ist auch, warum die Mutschel eine vorwiegend Reutlinger Spezialität ist. Sicher ist aber, dass es schon im 15. Jahrhundert einen Reutlinger Bäcker gab, der Mutschier genannt wurde.
Früher wurde um das Backwerk sogar geschossen. Als Reutlingen sich noch Freie Reichsstadt nennen durfte, mussten junge Männer, die im Lauf eines Jahres geheiratet hatten, zum Stadtmilitär. Zuvor wurde acht Tage lang ein Fest gefeiert, bei dem auf Scheiben um dieses Gebäck geschossen. wurde. Schlechte Schützen mussten in die Backstube.

22. Januar

Nachtgefühl

Wenn ich mich abends entkleide,
gemachsam, Stück für Stück,
so tragen die müden Gedanken
mich vorwärts oder zurück.

Ich denke der alten Tage,
da zog die Mutter mich aus:
Sie legte mich still in die Wiege,
die Winde brausten ums Haus.

Ich denke der letzten Stunde,
da werden’s die Nachbarn tun:
Sie senken mich still in die Erde,
dann wird‘ ich lange ruhn.

Schließt nun der Schlaf mein Auge,
wie träum‘ ich oftmals das:
Es wäre eins von beidem,
nur wüsst‘ ich selbst nicht, was.

Friedrich Hebbel

23. Januar

Ein gutes Zwiegespräch der Geschlechter ist wichtig, denn noch nie waren Trennungen und Scheidungen so häufig wie heute, noch nie aber auch die Chance für eine gleichberechtigte Liebe so stark. Nähe zulassen, uns aber auch die Distanz für uns selbst einräumen - lässt sich lernen.

Khalil Gibran,  der libanesisch-amerikanische Dichter beschreibt in seinem 1923 entstandenen Sinnbuch "Der Prophet" die Hingabe und Eigenständigkeit zwischen Mann und Frau poetisch kühn:

Vereint seid ihr geboren
und vereint sollt ihr bleiben immerdar.
Doch lasset Raum zwischen eurem Beieinandersein.
Und lasset Wind und Himmel tanzen zwischen euch.
Liebet einander,
doch macht die Liebe nicht zur Fessel:
Schaffet eher daraus ein webendes Meer
zwischen den Ufern eurer Seelen.
Füllet einander den Kelch,
doch trinket nicht aus einem Kelche.
Gebet einander von eurem Brote,
doch esset nicht vom gleichen Laibe.
Singet und tanzet zusammen und seid fröhlich,
doch lasset jeden von euch allein sein.
Gleich wie die Saiten einer Laute allein sind,
erbeben sie auch von derselben Musik.
Gebet einander eure Herzen,
doch nicht zu nahe beieinander:
Denn die Säulen des Tempels stehen einzeln,
und Eichbaum und Zypresse wachsen nicht
im gegenseitigen Schatten.

24. Januar

Du bist nicht mehr da, wo du warst …
aber du bist überall, wo ich bin.

Ein Mensch wird nicht sterben,
solange ein anderer
sein Bild im Herzen trägt.

Ich kehre zurück an die Orte,
wo wir uns begegnet sind
- und du bist da.
Ich gehe die Wege,
die du gegangen bist.
Du gehst wieder mit mir.
Ich freue mich an dem,
was dich weiterhin erfreut hätte,
und sehe dich mitlächeln.
Ich gehe den Spuren nach,
die du hinterlassen hast,
und begegne dir immer wieder.

Nichts kann uns trennen,
wenn uns
so viel
verbindet.

(Verfasser unbekannt)

25. Januar

Jeder Tag ist ein neues Leben,
jedes Erwachen und Aufstehen eine kleine Geburt,
jeder frische Morgen eine kleine Jugend und
jedes Zubettgehen und Einschlafen ein kleiner Tod.

Schopenhauer

26. Januar

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen?

So schwärmte Goethe von Italien, das neben Spanien das größte Anbaugebiet im Mittelmeerraum ist, obwohl die Heimat der dornigen Sträucher im südasiatischen Raum liegt. Ganz genau kann man es nicht mehr bestimmen, denn schon im 2. Jahrtausend v. Chr. wurde in China der Chinaapfel nachweislich kultiviert.
Zur Familie der Rautengewächse gehört der drei bis sieben Meter hohe Zitronenbaum und ist der einzige Obstbaum, der gleichzeitig Blüten und Früchte in unterschiedlichen Reifestadien trägt - eine Eigenschaft, der ihn zum Symbol für Paradies, ewige Jugend und Fruchtbarkeit werden ließ. Zitronen mit dem erfrischenden, säuerlichen Aroma, galten als Früchte von Gottes schönstem Baum und Evas Apfel vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen wurde zu verschiedenen Zeiten als Zitrusfrucht gedeutet. Es wird erzählt, dass Eva bei ihrer Flucht aus dem Paradies eine Zitrone unter ihrem langen Haar verbarg, um wenigstens eine himmlische Frucht auf Erden zu haben.

Zitruspflanzen werden bei uns immer beliebter. Sie sollten an einem windgeschützen, warmen Ort mit viel Sonneneinstrahlung stehen, denn im Schatten oder Halbschatten bilden sie kaum Blüten und Früchte.
Im Winter brauchen sie einen kühlen, aber frostfreien und hellen Platz, um ihre Blütenknospen anzulegen.
Während des Wachstums werden sie reichlich mit kalkarmen Wasser gegossen und regelmäßig mit einem stickstoffhaltigen Volldünger versorgt. Darauf achten, dass das Wasser gut abtrocknen kann und die Blätter nicht nass werden. Die Wassermenge im Winterquartier stark reduzieren.
Das Bäumchen alle drei bis vier Jahre umtopfen, den Topf aber nicht zu groß wählen und vor dem Einsetzen der Pflanzen vorsichtig das Wurzelwerk mit einem Stab lockern. Zwischendurch die oberste Erdschicht möglichst mit einer kräftigen und kalkarmen Erde austauschen. In den ersten Jahren sollte man die Pflanzen wie jedes Obstbäumchen beschneiden, um die Verzweigung anzuregen und sie in Form zu bringen.

27. Januar

Die Angst in unserer Welt

Angst in unserer Welt,
in der nichts mehr als sicher gilt.

 Morgens, wenn wir die Zeitung lesen,
fragen wir, was ist jetzt schon wieder gewesen?

Die Nachrichten von Unglück, Krieg und Mord,
auf unserer Erde, fast an jedem Ort.

 Gräueltaten an vielen Menschen, besonders an Kindern,
man fragt sich, wie kann man das verhindern?

 Angst treibt uns täglich um,
immer wieder die Frage, nach dem Warum?

 Muss jedes Jahr denn so schrecklich enden
oder können wir wirklich etwas wenden.

Gier, Hass und Mordlust muss aus den Köpfen der Menschen verschwinden,
nur so können wir unsere Ängste überwinden.

 Nur wenn wir begreifen, dass jeder Mensch eine Seele hat,
können wir wenden das grausame Blatt.

Wenn wir uns wieder besinnen auf unsere menschlichen Werte,
dann wird Liebe, Achtung und Geduld unser Gefährte.

 Nur wenn wir schlimme Gedanken aus unseren Köpfen vertreiben,
kann die Angst nicht in uns bleiben.

 Der Menschen Machtbesessenheit auf dieser Erde,
soll ein Ende nehmen, damit es endlich besser werde.

 Das wünschen wir uns für die kommenden Jahre,
Liebe füreinander von der Wiege bis zur Bahre.

 Detlef Wolfgang Scholz
Vechelde
Dezember 2014

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