Oktober 2020

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1. Oktober

Ein Kürbisgedicht von Walahfrid Strabo (gestorben 849)

Curcurbita - Kürbis

Abwärts gebogen an schmächtigem Stiele hangen die Früchte,
Tragen am schlanken, länglichen Halse gewaltige Körper;
Riesenhaft dehnt sich die Fülle sodann zum gewichtigen Leibe,
Alles ist Bauch, und alles ist Wanst. Und im Kerker der Höhlung
Nähren, geordnet in Reih und Glied, sie zahlreiche Kerne;
Fruchtbar verheißen sie dir entsprechend üppige Ernte.

2. Oktober

Der rettende Einfall

Vor langer, langer Zeit, als alle Städte und Städtchen im deutschen Land noch mit Mauern, Türmen und Gräben gegen feindliche Überfälle geschützt waren, wurde auch das Städtchen Annweiler im Bayernland von raublustigen Feinden belagert. Rings um die Stadt lagen seit vielen Wochen feindliche Soldaten. Sie hatten große Zelte aufgeschlagen und sich häuslich niedergelassen. Das hieß, sie wollten warten, bis es in der belagerten Stadt nichts mehr zu essen und zu trinken gab und die Bürger freiwillig die Tore öffnen und die Stadt übergeben würden.
Die Männer und Frauen von Annweiler sahen die lange Belagerung mit Schrecken, denn die Vorräte wurden im Laufe der Zeit wirklich knapp, und sie wussten nicht, wie sie zu den lebenswichtigsten Nahrungsmitteln kommen konnten. Die Not wurde so groß, dass manche der Bürger schon vor Schwäche im Bett blieben und vor Hunger und Entkräftung alles Leid verschlafen wollten.
Was konnte man tun, um endlich wieder zu Brot und Mehl zu kommen? Wie konnte man den Feind täuschen, um notfalls heimlich Lebensmittel in die Stadt zu schmuggeln? Niemand wusste es, und alle bangten vor der unsicheren Zukunft.
In der höchsten Not hatten die Schneider einen lustigen Einfall, der eigentlich eine Art Galgenulk war, aber zur Rettung der Stadt beitrug. Sie ließen sich die Bärte scheren, wie sie die Geißböcke haben, und nähten sich in Ziegenfelle ein. So verkleidet stiegen sie auf die Stadtmauer und hüpften und tanzten in den tollsten Sprüngen darauf umher.
Die Feinde im Zeltlager sahen es mit großem Erstaunen. Sie konnten erst nicht begreifen, was dort geschah. Sie hatten geglaubt, die Stadt sei schon halb ausgehungert. Jetzt meinten sie, sie hätten sich bitter getäuscht und die Annweiler wollten sie verhöhnen, indem sie auf ihren Stadtmauern die Geißböcke tanzen ließen.
„Das ist ja der reine Bocksstall", sagte der feindliche Heerführer erzürnt und gab den Befehl zum sofortigen Abzug.
Die Annweiler sahen hinter ihren Schießscharten erstaunt dem Abbruch der Zelte zu und wollten zuerst gar nicht an ihr Glück glauben. Erst als der Feind wirklich abgezogen war, feierten sie ein großes Siegesfest und ließen dabei die Schneider besonders hochleben. Und das hatten die braven Gesellen auch wirklich verdient.

Sage aus Bayern

3. Oktober

Zum Tag der deutschen Einheit ein Gedicht meines Onkels:

Die Heimat

Heimatboden, Heimatluft!
Wie freudig der Kuckuck ruft,
es grüßt mich jeder Baum
im alten Heimatraum!

Die Blumen lächeln mich an,
wie lustig kräht jeder Hahn!
Wie die Wälder rauschen,
ich könnte ewig lauschen!

Manch altes Haus ist mir vertraut,
durch neue Häuser verstaut.
An die Kindheit muss ich denken,
hier gibt’s so manches Andenken.

Vieles habe ich hier erlebt
und nach manch Schönem gestrebt.
Hier wurd’ Mutter, als schöne Braut,
in der Pfarrkirche getraut.

Dort stand früher unser Schulhaus,
der Krieg machte Trümmer draus.
Neue Häuser, neue Gassen,
wo wir „auf der Schulbank“ saßen.

Die Menschen hier kenne ich nicht,
fremd ist mir jedes Gesicht –
das kann mich nicht betrüben,
die Heimat ist’s geblieben!

4. Oktober

Ich bin der Weg zum Horizont, sagte das Glück ...
Ich bin der Weg zum Abgrund, sagte der Schmerz ...
Ich bin Licht und Schatten, sagte das Leben ...
Ich bin Erlösung und Ende, sagte der Tod ...
Ich bin GLÜCK - SCHMERZ - LEBEN und TOD,
dachte die LIEBE und schwieg.
 So ist das Leben.

Verfasser unbekannt

5. Oktober

Wer sein Selbst nicht lieben kann, kann niemanden lieben.

Wer sich seines Körpers schämt, schämt sich alles Lebendigen.

Wer seinen Körper schmutzig findet, ist verloren.

Wer die schon vor der Geburt erhaltenen Gaben nicht respektieren kann, kann nie etwas richtig respektieren.

 Eine Nootka  

(Nootka - Indianerstamm der Wakash-Gruppe)

6. Oktober

DU BIST STÄRKER ALS DU DENKST

Jedes Mal, wenn Du schweigst
und den Ärger herunterschluckst,
wirst Du ein Stückchen kleiner.

Jedes Mal, wenn Du denkst:
Du könntest ja doch nichts ändern,
wirst Du ein bisschen glatter,
ein bisschen mehr so,
WIE SIE DICH HABEN WOLLEN:
Angepasst und leicht zu handhaben

Mit jedem Schweigen und Herunterschlucken
entfernst Du Dich von Dir selbst -
kriegt Dein Rückgrat einen Knacks,
bis eines Tages nichts mehr übrig ist,
WAS SIE BRECHEN KÖNNTEN

Dann ist es zu spät

Zeig' ihnen, dass Du lebst,
wie Du leben willst,
zieh' die Konsequenzen
und - übernimm die Verantwortung …

Das bekam ich vor langer Zeit als Präsentation geschickt.

7. Oktober

Im Rausch des Bösen

Gott hat diese Welt geschaffen
und sie den Menschen überlassen.

Doch die Menschen sind so dumm,
bringen sich aus Macht und Habgier um.

Vom Mittelalter bis in die neue Zeit,
nur Krieg, Gewalt und ewig Streit.

Viele verlieren sich an Alkohol und Drogen,
haben sich damit aber selbst belogen.

Wir versinken in Sodom und Gomorra,
es wird schlimmer von Jahr zu Jahr.

Frieden wird mit Füßen getreten,
für bessere Zeiten kann man nur beten.

Der Rausch des Bösen macht vor niemand halt,
egal, ob wir sind jung oder alt.

Religionen werden als Alibi missbraucht,
wenn das Feuer aus den bombardierten Städten raucht.

Vor dem Bösen kann man selbst die Kinder nicht mehr bewahren,
sie kommen um, durch Krieg, Hunger und andere Gefahren.

Wird auf dieser Erde nicht bald die Zeit gewendet,
wird für viele das Leben sinnlos beendet.

Drum Politiker und Machthaber schaltet euer Gehirn endlich ein,
kämpft für den Frieden, sonst wird bald nichts mehr sein.

Beendet endlich den Rausch des Bösen und das sinnlose Leiden,
sonst werden bald die Lebenden die Toten beneiden.

Zerstört nicht die Liebe zu den Menschen auf dieser Erde,
sorgt, dass das Leben endlich wieder würdig und friedvoll werde.

Detlef Wolfgang Scholz
Vechelde
September 2014

8. Oktober

Alle Dinge haben Zeiten
des Vorangehens und Zeiten
des Folgens,
Zeiten des Flammens und
Zeiten des Erkaltens,
Zeiten der Kraft und
Zeiten der Schwäche,
Zeiten des Gewinnens und
Zeiten des Verlierens.

Deshalb meidet der Weise
Übertreibungen, Maßlosigkeit
und Überheblichkeit.

Laotse

9. Oktober

Weintherapie

Wein - in Maßen genossen - tut der Gesundheit gut, aber auch der Haut.
Es wird aber bei der sogenannten Vinotherapie kein Wein genommen, sondern Traubenextrakte in konzentrierter Form, es werden die Inhaltsstoffe der Traubenkerne genutzt. Als Peeling, Massageöl oder Körperpackung.

Bereits die alten Griechen und Ägypter sollen Trauben für kosmetische Anwendungen benutzt haben und im Weinland Frankreich ist diese Therapie seit Jahrzehnten bekannt. Doch nach Deutschland kam sie erst später.
Die Polyphenole sind besonders wirksam. Das sind Stoffe, die in den Körperzellen unter anderem freie Radikale fangen. Daher gelten sie als Krebsschutz.
Auch den Alterungsprozess der Haut können sie verlangsamen.
Vor allem im Wellnessbereich wird diese Therapie eingesetzt, obwohl der Effekt nicht belegt ist.
Auf jeden Fall entstehen keine gesundheitlichen Gefahren und man weiß schon lange, dass Wein und Co auf jeden Fall gut sind.

10. Oktober

Zuweilen freut es mich, still und allein
in kühler Stube ruhevoll zu zechen,
mit einem alten, liebgewordenen Wein
ein gutes, treues Freundschaftswort zu sprechen.

Dann wünsch ich hoffend mir die Zeit herbei,
da mir und meiner Pilgerfahrt auf Erden
doch noch einmal, ob's auch in Schmerzen sei,
der reinen Reife Tage kommen werden.

Dann aber sei ein Freund mir auch beschert
der meines Lebens überfüllten Becher
mit dankbar schonendem Genusse ehrt,
dem reifen Wein ein ebenbürtiger Zecher.

Hermann Hesse

11. Oktober

Herbstgefühl

Müder Glanz der Sonne!
Blasses Himmelblau!
Von verklungner Wonne
träumt still die Au.

An der letzten Rose
löset lebenssatt
sich das letzte, lose
bleiche Blumenblatt.

Goldenes Entfärben
schleicht sich durch den Hain;
Auch Vergeh’n und Sterben
deucht mir süß zu sein.

Karl Gerok

12. Oktober

Zeit der Reife

Die Lebensuhr bleibt niemals stehen,
zusammen läppern sich die Jahre,
und wenn wir in den Spiegel sehen,
bekümmern uns die grauen Haare.

Die vielen Fältchen irritieren:
ist es denn wirklich schon so weit?
Wir sollten nicht den Mut verlieren,
wir haben ja noch so viel Zeit!

Die Ungeduld der Sturmzeit schwindet,
besonnen gehen wir zu Werke;
selbst wenn man uns vertrottelt findet,
wir kennen unsres Jahrgangs Stärke.

Wir pfeifen auf die Eitelkeiten
der Modepüppchen, Snobs und Toren,
die über Promenaden schreiten,
als hätten sie ihr Hirn verloren.

Wir schätzen die Gediegenheit,
nicht Flitterkram und Tand,
wir bauen auf Verlässlichkeit,
Erfahrung und Verstand.

???

13. Oktober

Frauen

Was wär' die Erde ohne Frauen?
Das fühlt das Herz, ist's Auge blind.
Ein Garten wär' sie anzuschauen,
in welchem keine Blumen sind;
Wär' wie ein Tag, der ohne Sonne,
wie eine Nacht ohn' Sternenlicht,
hätt' nie gefühlt der Liebe Wonne,
geglaubt auch wohl an Engel nicht!
Dann hätte wohl auch Gottes Liebe
kein fühlend Herz auf sie gestellt;
Denn wie langweilig, kalt und trübe
wär' ohne Frauen dann die Welt!

Preis jeder Stunde, wo gegeben
Gott dieser Welt ein weiblich Kind
zu lichtem, warmem Frauenleben,
und wenn es noch so viele sind!

Justinus Kerner

14. Oktober

Ringelblumen - noch blühen sie draußen und erfreuen mit ihren sonnigen Farben.

Dieses einjährige Korbblütengewächs blüht von Juni bis Oktober und schon Hildegard von Bingen wusste über die heilenden Eigenschaften der Pflanze Bescheid und empfahl die Ringelblume bei Vergiftungen.

Die Pflanze enthält zahlreiche entzündungshemmende Inhaltsstoffe, die die Wundheilung verbessern und das Wachstum neuen Gewebes fördern. Das machen vor allem die ätherischen Öle, Saponine Carotinoide und Xanthophylle sowie das Allantoin, sodass sich Auszüge der Ringelblume in Cremes, Tinkturen, Salben, homöopathischen Arzneimitteln und Kosmetika finden, ebenso kann man Salben, Tees und Umschläge selbst herstellen, um leichtere Beschwerden zu behandeln.

15. Oktober

Ringelblumensalbe: 200 Gramm Vaseline erhitzen und zum Schmelzen bringen. Anschließend eine gute Hand voll Ringelblumenblüten hineinrühren und die Masse aufkochen. Vor dem Erkalten durch ein Tuch absieben und die Salbe in ein gut verschließbares Gefäß füllen.
Anwendung: Bei Sonnenbrand regelmäßig auftragen, bis Rötung und Brennen abklingen.

Ein weiteres Salbenrezept:
Einen Esslöffel Blüten fein zerquetschen, mit 50g ungesalzener Butter verrühren. Im Wasserbad erhitzen bis es flüssig wird. Dann 10 Minuten ziehen lassen, umrühren, durch ein Haarsieb pressen und gut verschlossen aufbewahren.

Ringelblumentee: Pro Tasse ein bis zwei Teelöffel Ringelblumenblüten mit Wasser überbrühen, zehn Minuten ziehen lassen und sieben.
Anwendung: Bei Regelschmerzen eine Woche vorher regelmäßig trinken.
Auch kleinere, schlecht heilende oder verschmutzte Wunden mit lauwarmem Ringelblumentee spülen.
Bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum mehrmals täglich mit lauwarmem Ringelblumentee gurgeln.

Für Umschläge:
Ein Esslöffel Ringelblumenblüten mit einem halben Liter Wasser kalt ansetzen, kurz aufkochen, absieben und abkühlen lassen.
Anwendung: Bei Prellungen, Zerrungen und kleinen Wunden einen Wickel oder eine Kompresse eintauchen und auflegen. Mehrmals täglich wechseln.

16. Oktober

Schlaue Ringelblumen

Viele Pflanzen können das Wetter vorhersagen, so auch die Ringelblumen.
Wenn sich ihre Blüten in den frühen Vormittagsstunden nicht öffnen, gibt es Regen, wogegen sie sich bei sonnigem Wetter in großer Anzahl zeigen.

Sie gehören zu den beliebtesten Massenblühern, da sie monatelang blühen und sogar in der Vase bis zu zwei Wochen halten.
Sammelt man im Spätsommer von den verschiedenfarbigen Pflanzen den Samen, kann man sein Sortiment damit erweitern. Um Fluginsekten Pollen und Nektar zu bieten, sollte man ungefüllte Sorten bevorzugen.

17. Oktober

Mensch und Natur 
erfüllt eine unendliche Sehnsucht nach Wärme und Licht, 
nach dem Grün der Bäume dem Rauschen des Baches, 
der im Sonnenschein blinkende Sterne 
in meine erwartungsvollen 
Augen lenkt.

???

18. Oktober

Zierkürbisse

Sie sind eine beliebte Dekoration, mit ihren bizarren Formen, lustigen Zeichnungen und vielfältigen Farben. Oft kann man sie längere Zeit frisch halten, wurden sie aber zu früh geerntet oder ließ  man sie nicht genügend abtrocknen, klappt das leider nicht. Zierkürbisse kann man während des Sommers an jedem Zaun oder Gitter empor ranken lassen. Aber der Standort sollte voll sonnig sein, denn nur dann entwickeln sich die schönsten und lustigsten Exemplare, was wir nur bestätigen können. Spätestens vor den ersten Frösten im September und Oktober müssen sie geerntet werden. Dann lässt man sie an einem luftigen Platz, in flachen Kisten ausgebreitet, mindestens acht Wochen trocknen. Anschließend halten sie über längere Zeit. Schneidet man die trockenen Früchte auf und kratzt das Mark heraus, kann man sie gut zum Basteln gebrauchen. Die Samenkörner lassen sich für die nächste Aussaat im Frühjahr verwenden. Wichtig ist es, auf die verschiedenen Farben und Formen zu achten, damit eine vielfältige Mischung entsteht.
Da Zierkürbisse stark zehrende Pflanzen sind, gedeihen sie am besten in einem nahrhaften, kräftigen und humushaltigen Gartenboden.

19. Oktober

Wann wird es wohl wieder soweit sein?

Die Rose sprach zum Mägdelein

Die Rose sprach zum Mägdelein:
Ich muss dir ewig dankbar sein,
dass du mich an den Busen drückst
und mich mit deiner Huld beglückst.

Das Mägdlein sprach: O Röslein mein,
bild` dir nur nicht zuviel drauf ein,
dass du mir Aug und Herz entzückst.
Ich liebe Dich, weil du mich schmückst!

Wilhelm Busch

20. Oktober

Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete sie kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

Friedrich Hebbel

21. Oktober

Der Drachen

 

„Hu, hu, was fliegt da für ein großer Vogel in der Luft? Es ist ein Ungeheuer, das uns auffressen will!“ So schreien die Vögelein, die über dem Felde in der Luft hin und her flogen. Sie flatterten ängstlich und suchten ihre Nester und Winkel.
Eine Schwalbenmutter, die zu ihren Kinderchen kam, erzählte ihnen von dem schrecklichen Dinge, das da in der Luft schwebte: Es hatte rote Augen, ein rotes Maul, ein breites Gesicht und einen langen, langen Schwanz, den es immer hin und her schlängelte. Ich habe vor lauter Angst die Fliege fallen lassen, die ich schon im Schnabel hatte und euch bringen wollte. Und die jungen Schwalben duckten sich furchtsam und krochen der Mutter unter die warmen Flügel; denn da waren sie doch ganz sicher und geborgen.
Nur die freisten Sperlinge sprachen untereinander in ihrer Sperlingssprache: „Wir wollen uns das närrische Ding doch mal etwas näher besehen, wir glauben noch gar nicht, dass es ein böser Raubvogel ist.“ Sie flogen grade darauf los; da merkten sie, dass das Ding von Papier sei, dass ihm Auge und Mund von roter Farbe angemalt waren und der fürchterliche Schwanz nichts weiter als ein Faden war, an dem kleine Papierstreifen hingen. Die wehten freilich tüchtig im Winde, aber die Sperlinge fürchteten sich nicht.
Die Sperlinge sagten es den anderen Vögeln und die schämten sich nun, dass sie sich so gefürchtet hatten.

Klemens Ernst

22. Oktober

Loblied auf die Kartoffel

  

Herbei, herbei zu meinem Sang, Hansjörgel, Michel, Stoffel,
und singt mit mir das frohe Lied dem Stifter der Kartoffel.
Heidi, heida, Kartoffeln aus Amerika
Heidi, heida, Kartoffeln in der Schal.

Franz Drake hieß der brave Mann, der vor zweihundert Jahren
von England nach Amerika als Kapitän gefahren.
Heidi, heida …

Salat davon, gut angemacht, mit Feldsalat durchschossen,
der wird mit großem Appetit von jedermann genossen.
Heidi, heida …

Gebraten schmecken sie recht gut, gesotten nicht viel minder,
Kartoffelklöße essen gern die Eltern und die Kinder.
Heidi, heida …

Von Straßburg bis nach Amsterdam, von Stockholm bis nach Brüssel
kommt Johann zur Abendsupp mit der Kartoffelschüssel.
Heidi, heida …

Friedrich Sauter 1766-1846
Weise in der schwäbischen Fassung

23. Oktober

Die Kartoffel

Im 16. Jahrhundert kam sie nach Deutschland. Bewundert wegen der schönen Blüten, baute man sie in den Ziergärten der Schlösser an. Sogar zu Brautsträußen wurden die Blüten gebunden und in vornehmen Häusern als Tischschmuck bei besonderen Anlässen aufgestellt.

Erst im 18. Jahrhundert wurde die Kartoffel bei uns heimisch, denn Friedrich der Große versuchte 1756 mit einer List, den feldmäßigen Kartoffelanbau durchzusetzen. Seine eigenen Felder ließ er mit Kartoffeln bestellen und zum Schein von Soldaten bewachen. Das erregte die Neugier der Untertanen, und so stahlen Bauern nachts die seltenen und offensichtlich kostbaren Pflanzen, um sie anschließend daheim in den eigenen Garten zu setzen.
Aber erst die Getreide-Missernten 1771/1772 und die folgenden Hungersnöte förderten den großflächigen Anbau.
1815, als das Getreide auf den Feldern verfault war, baute man Kartoffeln an und rettete Menschenleben. Das war der endgültige Durchbruch.
In Notstandsgebieten war die Kartoffel von nun an ein Lebensretter, vor allem, wenn wegen des feuchten Wetters das Getreide am Halm verfaulte. Zudem war der Nährertrag wesentlich höher als beim Getreide. 
Trotzdem hielt sich hartnäckig durch die Jahrhunderte die Vorstellung, die Kartoffelfrucht sei ein Aphrodisiakum. Von den Engländern bekam die Kartoffel den Beinamen "Apfel der Jugend" wegen ihrer "Venus befeuernden Wirkung". 1619 schrieb Caspar Bauhin: "Unsere Leute essen sie, sich zu erregen. In Wein gekocht, sind sie besonders hilfreich für alle, die die Blüte ihrer Jahre überschritten haben." Kartoffeln gehörten auch zu den Lieblingsspeisen Casanovas.

1852 fiel dem berühmten Pathologen Professor Rudolf Virchow auf einer Inspektionsreise durch den Spessart eine relativ große Zahl oft unehelicher Kinder auf. Eine Ursache dafür glaubte er "in dem exclusiven Kartoffelgenuss" zu erkennen, denn die Kartoffel sei bekanntermaßen ein "Reizmittel der Geschlechts-Erregung".

Bis heute kann keine derartige Wirkung der Kartoffel nachgewiesen werden. Wahr ist, dank der Kartoffel mussten die Armen nicht mehr hungern und hatten mehr Kraft für ihre Aktivitäten. Das ist sicher auch der Grund, dass die Bevölkerung, überall dort wo die Kartoffel eingeführt wurde, rapide wuchs.

24. Oktober

1910 wurde der BH erfunden. Er soll, was er umgibt, bedecken und auch anheben. Doch manchmal täuscht er auch falsche Tatsachen vor, was allerdings erwünscht ist.

1994 führte ein BH mitsamt gut gefülltem Inhalt vom Model Anna Nicole Smith, in westlichen Großstädten zu Auffahrunfällen, Staus und nächtlichen Diebstahl-Aktionen.

2001 war der Hingucker Heidi Klum, im BH mit 90-karätigen Diamanten, der 12,5 Millionen Dollar kostete.

Bis 1910 trug Frau Korsett oder Mieder, eingeschnürt darin. Die Folge: Atemnot, Gleichgewichtsstörungen und Fehlhaltungen. Das hatte nichts mit Erotik zu tun und dieses Minuten dauernde Aufknöpfen beschrieb der Norweger Hansum in seiner Novelle Hunger.

Als in New York vor über 100 Jahren  die Studentin Mary Phelps-Jacobsen zu dem heiß ersehnten Debütantenball der Gesellschaft eingeladen war, aber kein Korsett tragen wollte, experimentierte die 19jährige vor dem Spiegel mit zwei Tüchern, an die Bänder genäht waren. Bauch und Taille sollten nicht einbetoniert, doch die Brüste mussten bequem bedeckt sein. Sie schob diese einfache Kreation so geschickt über ihre Brust, dass sie gut gehalten wurde. Seitdem gilt diese junge Frau als Erfinderin des Büstenhalters. 1912 war der BH serienreif und 1914 erhielt sie das Patent.
Bald darauf verkaufte sie es an die Filmindustrie für 1500 Dollar, damals eine riesige Summe.

Bereits 1889 hatte die Französin Herminie Cadolle ein Brustleibchen erfunden, Hugo Schindler folgte 1891 mit dem Brusthalter, der, weil sich die Brustwarzen nicht abzeichneten als Brustverbesserer durchging.

Mittlerweile hat sich der BH weltweit durchgesetzt, verändert und weiter entwickelt.

25. Oktober

Die gestohlene Zeit

Eine Stunde, im Frühjahr gestohlen,
dürfen wir uns nun wieder holen!
heute ist es soweit,
wir bekommen sie wieder, diese Zeit!
Nach der Nacht,
morgens um acht,
ist es erst sieben!
Bleibt einfach liegen!
Dreht euch noch mal um im Bett,
ist bei diesem Wetter nett?

26. Oktober

27. Oktober

Schokolade

Das mexikanisch-spanische Wort Kakao trägt den bittersüßen Schmelz der Schokolade in sich, galt der Kakao in der traditionellen indianischen Medizin doch als magische und heilende Pflanze.

Dunkle Schokolade stärkt die Blutgefäße gemäß einer Studie und hat einen geringeren Fettanteil. Dennoch führt zu viel Schokolade durch den hohen Zucker- und Fettgehalt zu Übergewicht. Deshalb sollte sie nur gelegentlich verzehrt werden.

Schwangere Frauen, die täglich ein wenig Schokolade aßen, bekamen fröhliche und lebhafte Babys, hat man in Finnland herausgefunden. Frauen, die keine Schokolade aßen, klagten oft über ängstlichere Kinder.

Auch in der Kosmetik findet man Inhaltsstoffe von Schokolade. Ganzkörperpackungen aus geschmolzener Schokolade zum Beispiel in der Wellness. Die Wirkung hängt scheinbar mit dem Schmelzpunkt der Schokolade von 38 Grad Celsius zusammen. Zudem enthalten Kakaobohnen viele Mineralien, Vitamine und Proteine, die den Zellaufbau der Haut ankurbeln sollen.

28. Oktober

Ideal Figur

Zur Zeit wird heftig diskutiert,
ob "Frau" ihre "Problemzonen" operiert.
Die einen meinen - sie sind zu dick,
die anderen - ein größerer Busen wär ihr Glück.
Fett absaugen - Schmollmund spritzen,
unter Folie die Orangenhaut wegschwitzen,
Busen straffen - Falten liften,
biologisch ernährt - "vergiften".
Wer sich's leisten kann geht vier Wochen auf die "Runzelranch",
kommt bettelarm zurück - als neuer Mensch.

Bloß - wer- diktiert- was ist "ideal",
"gut gebaut" - oder "Twiggy schmal".
Wie kann sich denn ein Mann getrauen
so zu urteilen über uns Frauen?
Seid doch objektiv - und guckt Euch um,
wie laufen denn die meisten Männer rum?
Dicke Bäuche und krummen Füße,
im Gesicht - ungepflegtes Gemüse!

Mancher - jetzt noch ein junger, dynamischer Mann,
setzt irgendwann - einen Rettungsring an,
kommt in die Midlife-Crisis und somit in die Jahr,
kriegt selber Falten - wird grau und verliert die Haar!
Im Grund genommen - nimmt auch seine Kraft mal ab,
er wird müde und grätig - und im Bett recht schlapp.

Für die Frauen ein Rat:
Steht zu euch selber - sonst ist alles zu spat!
Es braucht keinen Mann - der ein Idealbild diktiert,
es dauert lang, bis man das kapiert.
Habt keine Angst vor eurem Spiegelbild,
werdet nicht wegen jeder Falte wild,
steht zu eurem grauen Haar,
verschweigt auch nicht eure Lebensjahr.
So wie man ist, so ist es richtig,
anders zu denken ist nicht wichtig.

???

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