September 2019

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1. September

Im September

Wir wollen in den Nussbusch gehen
und dort einmal zum Rechten sehn.
Das Eichhorn und der Häher
sind gar arge Nüssespäher,
der Buntspecht und die Haselmaus,
die lieben auch den Nusskernschmaus!
Sie nagen und sie zwicken,
sie hacken und sie picken,
und wer nicht kommt zur rechten Zeit,
geht, wie ihr wisst, der Mahlzeit queit.

Wir wollen in den Garten gehen,
und dort einmal zum Rechten sehn.
Zur Nachtzeit war es windig!
Nun seht nur her! Was find ich
im sand’gen Steig, im grünen Gras,
bald hier, bald dort? Was ist denn das?
Äpfel mit roten Stirnen
und goldgestreifte Birnen!
Und dort beim Eierpflaumenbaum …
O seht nur hin! Man glaubt es kaum!

Heinrich Seidel

2. September

Die Sonne scheint für dich - deinetwegen; und wenn sie müde wird, beginnt der Mond, und dann werden die Sterne angezündet.

Es wird Winter, die ganze Schöpfung verkleidet sich, spielt Verstecken, um dich zu vergnügen.

Es wird Frühling; Vögel schwärmen herbei, dich zu erfreuen; das Grün sprießt, der Wald wächst schön und steht da wie eine Braut, um dir Freude zu schenken.

Es wird Herbst, die Vögel ziehn fort, nicht weil sie sich rar machen wollen, nein, nur damit du ihrer nicht überdrüssig würdest.
Der Wald legt seinen Schmuck ab, nur um im nächsten Jahr neu zu erstehen, dich zu erfreuen ...

All das sollte nichts sein, worüber du dich freuen kannst?

Lerne von der Lilie und lerne vom Vogel, deinen Lehrern:

Zu sein heißt, für heute da sein - das ist Freude.
Lilie und Vogel sind unsere Lehrer der Freude.

Søren Aabye Kierkegaard

3. September

Geduld ist alles

Nicht rechnen und nicht zählen,
sondern reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen
des Frühlings steht.
So als würde dahinter
kein Sommer kommen.
Er kommt doch!
Aber nur zu den Geduldigen,
die da sind, als würde die Ewigkeit
vor ihnen liegen.
Ich lerne es täglich
unter tausend Schmerzen,
denen ich dankbar bin:
Geduld ist alles!

 Rainer Maria Rilke 

4. September

Zwei reisende Engel machten Halt, um die Nacht im Hause einer reichen Familie zu verbringen. Die Familie war unhöflich und verweigerte den Engeln, im Gästezimmer des Haupthauses auszuruhen. Anstelle dessen bekamen sie einen kleinen Platz im kalten Keller. Als sie sich auf dem harten Boden ausstreckten, sah der ältere Engel ein Loch in der Wand und reparierte es. Als der jüngere Engel fragte WARUM, antwortete der ältere Engel: "Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen."

In der nächsten Nacht rasteten die beiden im Hause eines sehr armen, aber gastfreundlichen Bauern und seiner Frau. Nachdem sie das wenige Essen, das sie hatten, mit ihnen geteilt hatten, ließen sie die Engel in ihrem Bett schlafen, wo sie gut ruhten. Als die Sonne am nächsten Tag den Himmel erklomm, fanden die Engel den Bauern und seine Frau in Tränen. Ihre einzige Kuh, deren Milch ihr alleiniges Einkommen gewesen war, lag tot auf dem Feld. Der jüngere Engel wurde wütend und fragte den älteren, wie er das habe geschehen lassen können? "Der erste Mann hatte alles, trotzdem halfst du ihm", meinte er anklagend. “Die zweite Familie hatte wenig, und du ließest die Kuh sterben.“
“Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen", sagte der ältere Engel.

"Als wir im kalten Keller des Haupthauses ruhten, bemerkte ich, dass Gold in diesem Loch in der Wand steckte. Weil der Eigentümer so von Gier besessen war und sein glückliches Schicksal nicht teilen wollte, versiegelte ich die Wand, so dass er es nicht finden kann.

Als wir dann in der letzten Nacht im Bett des Bauern schliefen, kam der Engel des Todes, um seine Frau zu holen. Ich gab ihm die Kuh anstatt dessen.
Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen.“

5. September

Komme, was mag - Gott ist mächtig

Wenn unsere Tage verdunkelt sind
und unsere Nächte finsterer
als tausend Mitternächte,
so wollen wir stets daran denken,
dass es in der Welt eine große,
segnende Kraft gibt, die Gott heißt.
Gott kann Wege
aus der Ausweglosigkeit weisen.
Er will das dunkle Gestern
in ein helles Morgen verwandeln -
zuletzt in den leuchtenden Morgen
der Ewigkeit.

Martin Luther-King

6. September

Hallo Du, ja genau DICH meine ich!

Ich bin dein Engel, der in diesem und jedem Augenblick bei dir ist.

Ich bin hier, um dich daran zu erinnern, dass du von der Quelle allen Seins, von Gott, der Schöpfung oder wie du es auch immer nennen magst, unendlich geliebt wirst!

Immer - egal was du tust oder denkst - egal welcher Religion du angehörst. Du wirst geliebt so wie du bist, einfach weil es dich gibt und du ein Teil Gottes bist. Du bist niemals alleine.

Erinnere dich jeden Tag daran und spür die Liebe, die dich umgibt ...

Ich liebe Dich, dein ENGEL.

Diese Zeilen habe ich selbst einmal vor sehr langer Zeit „geschenkt“ bekommen.

7. September

DIE SIEBEN WELTWUNDER

Eine Schulklasse wurde gebeten zu notieren, welches für sie die Sieben Weltwunder wären.
Folgende Rangliste kam zustande:

1. Pyramiden von Gizee
2. Taj Mahal
3. Grand Canyon
4. Panamakanal
5. Empire State Building
6. St. Peters Dom im Vatikan
7. Große Mauer Chinas

Die Lehrerin merkte beim Einsammeln der Resultate, dass eine Schülerin noch am Arbeiten war.

Deshalb fragte sie die junge Frau, ob sie Probleme mit ihrer Liste hätte.

Sie antwortete: "Ja. Ich konnte meine Entscheidung nicht ganz treffen. Es gibt so viele Wunder."

Die Lehrerin sagte: "Nun, teilen Sie uns das mit, was Sie bisher haben und vielleicht können wir ja helfen."

Die junge Frau zögerte zuerst und las dann vor: "Für mich sind das die Sieben Weltwunder:

1. Sehen
2. Hören
3. Sich Berühren
4. Riechen
5. Fühlen
6. LACHEN
7. … und LIEBEN."

Im Zimmer wurde es ganz still. Diese alltäglichen Sachen, die wir als selbstverständlich betrachten und oft gar nicht realisieren, sind wirklich wunderbar.

Die kostbarsten Sachen im Leben sind jene, die nicht gekauft und nicht hergestellt werden können.

8. September

Welkes Blatt

Jede Blüte will zur Frucht,
jeder Morgen Abend werden,
Ewiges ist nicht auf Erden,
als der Wandel, als die Flucht.

Auch der schönste Sommer will
einmal Herbst und Wolke spüren,
halte, Blatt, geduldig still,
wenn der Wind dich will entführen.

Spiel dein Spiel und wehr' dich nicht,
lass es still geschehen.
lass vom Winde, der dich bricht,
dich nach Hause wehen.

Hermann Hesse

9. September

Äpfel

Sie sind gesund, enthalten Mineralstoffe (darunter Eisen, Kalium, Natrium, Magnesium, Kalzium), Spurenelementen (Jod, Kupfer, Zink), Vitamine (vor allem Vitamin C) sowie Ballaststoffe (Pektine). Aber zu lange Transportwege schaden den Vitaminen, deshalb sollte man die heimischen Äpfel bevorzugen. Vor dem Verzehr abwechselnd heiß und kalt waschen, um eventuelle Reste von Spritzmitteln zu beseitigen, ich gebe dem Wasser immer etwas Essig zu. Das Obst nicht schälen, denn unter der Schale sitzen die meisten sekundären Pflanzenstoffe.

Bei Durchfall: Der hohe Pektin-Gehalt regelt die Verdauung. Bei akutem Durchfall daher täglich ein bis zwei geriebene Äpfel.

Bei Darmentzündungen: Äpfel enthalten Gerbstoffe, die Entzündungen der Darmwände gut tun und Bakterien den Garaus machen. Eine Apfelkur, selbst bei schweren Darmerkrankungen hilft.

Bei Immunschwäche: Äpfel helfen, die gesunde Mikroflora im Darm aufrechtzuerhalten. Viel Vitamin C stärkt die Abwehrkräfte. Ungeschälte Äpfel zeigen laut Studien die stärkste Wirkung.

Bei hohem Cholersterinspiegel: Die Pektine senken die Cholesterinwerte, belegte eine Studie.

Bei Herzschwäche: Zu den neu entdeckten Inhaltsstoffen des Apfels gehört das Phenylalanin. Diese Aminosäure stärkt zusammen mit dem Co-Enzym Q das Herz.

Bei Asthma: Zwei britische Studien zeigen, dass Obst und insbesondere Äpfel die Lungenfunktion verbessern und das Risiko einer Bronchitis senken.

Bei Eisenmangel: Eisen wird nur in Verbindung mit Vitamin C optimal vom Körper aufgenommen. Äpfel sind somit ideal, um Eisenmangel vorzubeugen. Davon profitieren auch Veganer.

Zur Zahnpflege: Durch regelmäßiges Kauen eines Apfels wird das Zahnfleisch gekräftigt und die Zähne gereinigt.

Nur sehr schade, dass dieses Obst so teuer ist, wenn man es kaufen muss und nicht selber im Garten hat.

10. September

  

Das Apfeljahr

Der Apfel ist nicht gleich am Baum.
Da war erst lauter Blüte.
Da war erst lauter Blütenschaum.
Da war erst lauter Frühlingstraum
und lauter Lieb und Güte.

Dann waren Blätter, grün an grün,
und grün an grün nur Blätter.
Die Amsel nach des Tages Müh’n,
sie sang ihr Abendlied gar kühn.
Und auch bei Regenwetter.

Der Herbst, der macht die Blätter steif.
Der Sommer muss sich packen.
Hei, dass ich auf dem Finger pfeif:
Da sind die ersten Äpfel reif
und haben rote Backen.

Und haben Backen rund und rot.
Und hängen da und nicken.
Und sind das lichte Himmelsbrot.
Wir haben unsere liebe Not,
dass wir sie alle pflücken.

Und was bei Sonn’ und Himmel war,
erquickt nun Mund und Magen
und macht die Augen hell und klar.
So rundet sich das Apfeljahr.
Und mehr ist nicht zu sagen.

Hermann Claudius

11. September

Der Apfel

Der Urapfel  war wahrscheinlich holzig und schmeckte garantiert auch sehr sauer. Mit ihm könnte Eva heutzutage keinen Adam mehr verführen. Aber im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Apfel, aus der Familie der Rosengewächse, zu einer prächtigen Frucht entwickelt. Manchmal aber - sieht man noch den dornigen Baum mit den rosa oder weißen Blüten an den Straßen Süddeutschlands oder in den Wäldern. Auch Zieräpfel gibt es, Bäume oder Sträucher, die im Frühling hübsch blühen und im Herbst kleine gelbe oder rote Äpfelchen zeigen.
 
Aber alle - ob Wild- Kultur oder Zierapfel – haben ein Merkmal gemeinsam. Was wir als Apfel bezeichnen, ist die Hülle, die die Kernfrucht umgibt. Diese besteht aus drei Schichten: Schale, Fruchtfleisch, Kernhaus. 

Von Kleinasien, der Urheimat,  hat sich der Apfel über alle Kontinente verbreitet und wurde bald Europas liebste Frucht. Die Römer lernten ihn in Griechenland kennen und lieben und brachten ihn an den Rhein. Karl der Große, auf dessen Landgütern so manches Neue wuchs, förderte die ersten Apfelkulturen.
Heute gibt es vermutlich 20.000 Apfelsorten in aller Welt.

Nur schade, dass diese herrlichen und gesunden Früchte doch relativ teuer sind. Wir bedauern es, unsere Gartengrundstücke nicht mehr zu haben, aber es machte zu viel Arbeit und die Anfahrt war zu weit und kompliziert.

12. September

Goldene Welt

Im September ist alles aus Gold:
die Sonne, die durch das Blau hinrollt,
das Stoppelfeld,
die Sonnenblume, schläfrig am Zaun,
das Kreuz auf der Kirche,
der Apfel am Baum.
Ob er hält? Ob er fällt?
Da wirft ihn geschwind
der Wind
in die goldene Welt.

Georg Britting

13. September

Das Märchen vom geteilten Apfel

Es ist noch gar nicht so lange her, da teilte ein Ungeist einen schönen großen Apfel. Er zerbrach ihn in zwei Stücke und teilte sogar den Apfelkern in zwei Hälften. Das war eine sehr traurige Sache, und beide Apfelhälften waren sehr betrübt und weinten sehr. Sie wollten gern wieder vereinigt sein zu einem schönen Apfel und mit einem festen Kern. Aber der Ungeist ließ das nicht zu. Er wollte und will keinen ansehnlichen Apfel mehr, und immer, wenn es so aussah, als könnten sich die beiden Apfelhälften wieder zu einem Stück vereinen, schob der Ungeist sofort seine Hand dazwischen. Heimtückisch redete er außerdem jeder Apfelhälfte ein, sie wäre eigentlich der wichtigste Apfelteil, und wenn sie sich mit der anderen Hälfte vereinigen wolle, so müsse diese ihr nachgeben und auf alle ihre Rechte verzichten. Und so kam es, dass jede Apfelhälfte von der anderen behauptete, sie sei im Unrecht und dürfe von Rechts wegen nicht den Namen Apfel führen. Dabei weiß jede im stillen, dass es gar nicht so ist und dass nur der Ungeist sie hindert, mit dem anderen Teil wieder zu einem schönen Apfel zu werden, der allen gefallen würde und der endlich wieder in seiner alten Form im großen Obstkorb eine Rolle spielen würde. Ihr könnt es mir glauben, es wäre für alle besser, wenn der Apfel wieder aus einem Stück wäre.

nach H.G

14. September

Fülle

Genug ist nicht genug!
Gepriesen werde der Herbst!
Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte!
Tief beugt sich mancher allzu reich beschwerte;
der Apfel fällt mit dumpfem Laut zur Erde.

Genug ist nicht genug!
Es lacht im Laube!
Die saft'ge Pfirsche winkt dem durstigen Munde!
Die trunknen Wespen summen in die Runde:
"Genug ist nicht genug!", um eine Traube.

Genug ist nicht genug!
Mit vollen Zügen schlürft Dichtergeist
am Borne des Genusses,
das Herz, auch es bedarf des Überflusses,
genug kann nie und nimmermehr genügen!

Conrad Ferdinand Meyer

15. September

Der Uhu

Man nennt ihn den König der Nacht. Leider ist die größte europäische Eule bei uns fast ausgerottet.

Der Vogel mit dem massigen Körper, dem großen Kopf hat eine Flügelspannweite bis zu 1,80 Metern. Deshalb ist es gut, dass sein hell- und dunkelbraun gemustertes Federkleid im Wald gut getarnt ist. Wenn man die Eule auch selten sieht, ist ihr auffälliger Balzruf doch bekannt und so hat der Uhu eben durch diesen "Buhoo-Ruf" (wissenschaftliche Bezeichnung Bubo bubo) seinen Namen bekommen.

Der Vogel brütet vorwiegend in Felsen und Steinbrüchen. Sein Brutgebiet reicht von Südwesteuropa, Nordafrika über den europäischen Kontinent ostwärts bis Sibirien, Südindien und Südchina.

16. September

Wir können den Wind

nicht verändern.

Aber wir können

die Segel

richtig setzen!

17. September

 

Der Elefant und der Schneider

Es war einmal ein Elefant, der wurde alle Tage über die Straße zur Tränke geführt. Dabei kam er an der Wohnung eines Schneiders vorüber, der gewöhnlich am offenen Fenster saß und arbeitete. Der Schneider hatte immer einen Apfel oder eine andere Frucht bereit, die er dem Elefanten schenkte. Daran war der Elefant sehr bald gewöhnt, und wenn er vorbeikam, so streckte er ganz von selbst seinen langen Rüssel durchs Fenster, um die Gabe zu erhalten.

Eines Tages aber war der Schneider nicht gut gelaunt. Als der Elefant seinen Rüssel zum Fenster hereinstreckte, stach ihn der Schneider mit der Nadel hinein und sagte, er solle gehen, heute habe er nichts für ihn. Da zog der Elefant seinen Rüssel zurück und ging ruhig weiter, als ob nichts geschehen wäre. An der Tränke aber nahm er, nachdem er sich satt getrunken hatte, noch den Rüssel voll Wasser mit.

Wie er nun an des Schneiders Haus kam, streckte er seinen. Kopf zum Fenster hinein und bespritzte den Schneider über und über mit Wasser, so dass der Schneider im ersten Augenblick meinte, er müsse ertrinken. Dazu wurde der arme Schneider von allen Leuten ausgelacht, die es sahen und hörten.

Johann Josef Ließen

18. September

Das Mutterherz

Willst du auf die Erde,
sprach der Herr zu mir,
brauchst du Liebe,
die dich schützt,
brauchst du Treue,
die dich nie verlässt

Doch wirst du auf Erden
finden nicht so bald
Lieb und Treue
echt und heilig,
darum geb’ ich dir
von meiner mit.

Und ich will sie legen,
liebes Menschenkind,
dass du findest
an der Trübsal
diese Gaben,
in das Mutterherz

Peter Rosegger

19. September

Wie Willi für seine Mutter arbeitet

Willis Mutter ist den ganzen Tag von zu Hause fort. Sie näht bei fremden Leuten in der Stadt. Aber Willi darf zu den Nachbarsleuten, wenn er aus der Schule kommt. Hans, Susi und Annemarie spielen mit ihm. Wenn aber die Uhr abends sechsmal schlägt, hört Willi mitten im Spiel auf.
„Nun muss ich nach Haus und für meine Mutter sorgen“, sagt er. Und da halten ihn auch die Bitten der Kinder nicht mehr ab – Willi läuft fröhlich nach Hause, um daheim alles für seine Mutter vorzubereiten.
Das Stübchen soll schön warm sein, wenn sie durchfroren von dem weiten Weg nach Hause kommt. Dafür kann Willi schon sorgen, wenn er auch noch nicht ganz acht Jahre alt ist. Er schraubt den Ofen auf und legt einige Briketts in das bisschen Glut, das noch im Ofen ist. Bald flackert das Feuer lustig auf und das Stübchen wird behaglich warm. Dann geht Willi in die Küche und mahlt Malzkaffee und wenn der kleine Wasserkessel im Ofen brodelt, gießt er den Kaffee auf und stellt die Kaffeekanne in die Ofennische. Dann holt er Tassen und Teller aus der Küche und deckt den Abendtisch.
Im Schlafzimmer zieht er die Vorhänge zu und schlägt die Betten auf. Alles soll fertig sein, wenn die Mutter kommt, dass sie sich gleich in die behagliche Sofaecke setzen kann. Und wenn die Mutter dann wirklich müde im Sofa sitzt, schenkt Willi ihr den Kaffee ein und sorgt für sie. Ihr Abendbrot isst sie nie bei den fremden Leuten, sie nimmt es mit nach Hause, um ihren Buben nicht noch länger warten zu lassen.
Ist das schön, wenn die Mutter endlich neben ihm sitzt und das Feuer im Ofen so lustig brennt! Dann nimmt die Mutter den kleinen Willi in ihre Arme und sagt leise: „Du bist mein lieber Junge, ich bin stolz auf dich.“
Dann möchte Willi mit keinem Jungen auf der ganzen Welt tauschen.

Lotte Kurth

Wieder einmal eine kurze Geschichte aus meinem sehr alten Schullesebuch.

20. September

Sind so kleine Hände
winz'ge Finger dran.
Darf man nie drauf schlagen,
die zerbrechen dann.

Sind so kleine Füße
mit so kleinen Zeh'n.
Darf man nie drauf treten,
könn' sie sonst nicht geh'n.

Sind so kleine Ohren,
scharf, und ihr erlaubt.
Darf man nie zerbrüllen,
werden davon taub.

Sind so schöne Münder,
sprechen alles aus.
Darf man nie verbieten,
kommt sonst nichts mehr raus.

Sind so klare Augen,
die noch alles sehn.
Darf man nie verbinden,
könn' sie nichts mehr seh'n.

Sind so kleine Seelen,
offen und ganz frei.
Darf man niemals quälen,
geh'n kaputt dabei.

Ist so'n kleines Rückgrat,
sieht man fast noch nicht.
Darf man niemals beugen,
weil es sonst zerbricht.

Grade klare Menschen
wär'n ein schönes Ziel.
Leute ohne Rückgrat
hab'n wir schon zuviel.

Bettina Wegner

21. September

Seit einer Weile kann man diese "giftigen" Schönheiten auf den Wiesen bewundern

Das Märchen von der Herbstzeitlose

Um den Festtag der Heilandsmutter war es. Die Englein huschten emsig über die Himmelsau, um Blumen für die Jesusmutter zu pflücken. In buntem Reigen versammelten sich die Blütensternchen zu einem schönen Kranz. Nur ein Blümlein sträubte sich. Der schlanke Stängel war unbiegsam und die Blüte sehr zerbrechlich. Das Blümlein wollte sich nicht in die Gemeinschaft der anderen einfügen, die alle so lustig dreinschauten. Lieber brach es das zarte Köpfchen, als dass es sich fügte. Da waren die Englein erzürnt und schleuderten das Blümlein durch das hohe Himmelsfenster in den weiten Weltenraum hinaus. Lange, lange Zeit flog es dahin. An einem Herbsttag, gerade so wie heute, erreichte es die Erde, wo die anderen Blumenkinder sich schon alle bald zum Winterschlaf legen würden. Auf einer einsamen Wiese fasste das Blümlein Wurzel. Frierend schaute es zum Himmel empor. Da sah Gottvater sein eigensinniges Blumenkind und lächelte ihm zu. In diesem Augenblick fiel ein Sonnenstrahl auf die Erde, und das Blümlein öffnete seinen Kelch. So entstand die Herbstzeitlose in voller Schönheit mitten in einer Herbstwiese.
Gottvater sagte zu ihr: Du sollst immer auf der Erde geliebt sein von den Zeitlosen. Du sollst ihnen deine Blüte schenken und ihnen ins Herz leuchten, damit sie eine Erinnerung haben, an den schönen Sommer ...
Seitdem blüht, wenn der Wind über die Stoppeln weht, bei uns die Herbstzeitlose. Sie ist dankbar für jeden Sonnenstrahl, aber auch giftig, damit sie niemand noch einmal in den unendlichen Weltenraum stößt ...

Nacherzählt

22. September

Septembertag

Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit,
die dich befreit, zugleich sie dich bedrängt;
wenn das kristallne Gewand der Wahrheit
sein kühler Geist um Wald und Berge hängt.

Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit …

Christian Morgenstern

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