Juli 2019

Bitte die Tage aus dem Kalender wählen

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 31        

1. Juli

Sommernacht

Laue, stille Sommernacht,
rings ein feierliches Schweigen,
und am mondbeglänzten See
tanzen Elfen ihren Reigen.

Unnennbares Sehnen schwillt
mir das Herz. In jungen Jahren
hab ich n i e der Liebe Lust,
n i e der Liebe Glück erfahren.

Schmeichelnd spielt die linde Luft
um die Stirne, um die Wangen.
und es fasst mit Allgewalt
mich ein selig-süßes Bangen.

Blaue Augen, blondes Haar
soll ich bald mein eigen nennen?
Und der Ehe Hochgefühl
soll ich an Erfahrung kennen.

In der lauen Sommernacht
wird sie dann im Bette sitzen,
"Männchen", fragt sie, "sag mir doch,
musst du auch so grässlich schwitzen?"

 Ludwig Thoma

2. Juli

Gurken

Die Gurkenwelke ist eine Krankheit, verursacht durch einen Bodenpilz, man kann nichts dagegen machen. Die Gurken sterben dann im Frühbeet oder Gewächshaus ohne ersichtlichen Grund.

Haben wir auch schon erfahren. Hatten wohl mehrere gezogen, sie sahen auch prächtig aus, blühten bereits und es zeigten sich auch die ersten kleinen Früchte. Dann plötzlich ließ eine Pflanze nach der anderen die Blätter hängen und wir mussten sie entfernen.
Es gibt eine Möglichkeit, auch weiterhin im Frühbeet und Gewächshaus gesunde Gurken heranzuziehen, wenn man die Jungpflanzen auf einen Feigenblattkürbis veredelt, der von den Schadpilzen offensichtlich verschmäht wird.
Das haben wir vor vielen Jahren selbst ausprobiert und es ist uns gelungen, bei drei Versuchen durften wir zwei Erfolge vermelden und waren sehr stolz. Es hat auch richtig Spaß gemacht. Haben uns das notwendige Saatgut rechtzeitig beschafft und es war eine ausführliche und bebilderte Anleitung dabei.

Trotzdem kaufen wir uns seither immer die bereits veredelten Gurken und ernten in der Regel viele wohlschmeckende Gurken, zum Vesper oder als Salat, auch in Eintöpfen.

3. Juli

Jede Blüte will zur Frucht,
jeder Morgen Abend werden,
Ewiges ist nicht auf Erden
als der Wandel, als die Flucht.

Auch der schönste Sommer will
einmal Herbst und Welke spüren.
Halte, Blatt, geduldig still,
wenn der Wind dich will entführen.

Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
lass es still geschehen.
Lass vom Winde, der dich bricht,
dich nach Hause wehen.

Herman Hesse

4. Juli

Erinnerungen an meine eigene Kindheit, als wir noch nach der Ernte den Getreideacker abliefen, damit ja keine Ähre umkommt. Hier eine gekürzte Geschichte aus meinem alten Schullesebuch nach Sophie Schieker:

Beim Ährenlesen

Gertrud war während der Sommerferien bei ihrer Großmutter auf dem Dorf gewesen. Sie wollte mit ein paar Dorfkindern Ährenlesen gehen, aber ihre Habe war schon verpackt, weil es wieder heim gehen sollte. So kann man nicht Ährenlesen, meinte die Großmutter. Aber Gertrud wollte ihre schönen blauen Sandalen unbedingt zeigen. Als Oma die festen Schuhe auspacken ging, flitzte das Mädchen aus dem Haus. Die Dorfkinder warteten bereits und waren begeistert von den schönen Sandalen. Eine meinte: Wenn's dich nur nicht stupfelt!

Auf dem Weg zum Acker freute sich Gertrud, dass sie davongelaufen war, denn sie wurde weiterhin bewundert.
Auf dem Acker banden die Kinder ihre Säckchen um und fingen an, die liegen gebliebenen Ähren zu sammeln. Voller Eifer vergaßen sie ihre Kameradin Gertrud mitsamt den feinen Sandalen. Erst in der Mitte des Ackers richtete sich eines der Mädchen auf und schaute zurück. Am Rand des Ährenfeldes stapfte und stockelte Gertrud und verzog bei jedem Schritt das Gesicht. Abends war ihr Säcklein nur sehr leicht und niemand bewunderte mehr ihre schönen Sandalen, denn alle anderen Kinder hatten reichlich gesammelt.

5. Juli

Es ist zu einfach eine Blume zu pflücken,
um dann zu vergessen sie zu gießen

es ist zu einfach zuzusehen wie ein Hund überfahren wird,
um dann zu sagen es war nicht meiner

es ist zu einfach über Liebe zu sprechen
ohne zu wissen was Liebe bedeutet

es ist zu einfach ich mag dich zu sagen
ohne nachzudenken ob es der andere auch will

es ist zu einfach einen lieben Menschen zu verlieren
um dann zu sagen, es gibt ja andere

es ist zu einfach wie wir leben,
denn Leben ist eine sehr ernste Sache.

bekam es vor sehr langer Zeit von einer Mailfreundin geschickt und finde es einfach schön und wahr.

6. Juli

Manchmal trifft man Menschen und man hat das Gefühl, sie genau zu kennen, obwohl es nicht sein kann. Vielleicht ist es ein scheinbar ähnliches Verhalten des Gegenüber an eine bekannte Person oder das Gesicht, das jemandem ähnelt. Vielleicht auch die Kleidung, der Tonfall oder die Herkunft, die so vertraut erscheinen.
Mit Menschenkenntnis, sieht man seinem Gegenüber schon an, was in ihm vorgeht. Manche geben sich ja auch keine Mühe, dies zu verstecken. Gewohnheitsmäßig achtet man auf Zeichen, Menschen danach einzusortieren, was sie anhaben, wie sie sich geben und wie sie aussehen. Kann man aber Menschen nach ihrem Äußeren beurteilen? Innen sieht es doch oft ganz anders aus. Somit sind einem manche Menschen auch nach Jahren noch ein Rätsel, selbst wenn man meint, sie gut zu kennen. Und das ist gut so!

7. Juli

Der kleine Engel

Dort oben am Himmel ein Englein steht,
eine dicke Wolke ihm Wind durch die Haare weht.
Er ist einsam und allein,
möchte doch nur glücklich sein.

Einmal auf die Erde will er hinunter,
dort unten erscheint es ihm viel bunter.
Doch er darf es nicht,
ob er sein Versprechen bricht?

Die Nacht bricht herein,
der Engel ist immer noch allein.
Da beschließt er fortzugehen,
die große weite Welt zu sehen.

Heimlich schleicht er an den Sternen vorbei,
selbst der Mond ist ihm jetzt einerlei.
Ganz leise er zur Erde schwebt.
Will endlich wissen, wie es ist, wenn man lebt.

Er beginnt sich vorsichtig umzusehen,
spürt, wie hier unten die Winde wehen.
Fühlt sich frei, hier auf der Erde,
auf einer Wiese grasen ruhig ein paar Pferde.

Geht durch Straßen und durch Gassen,
schaut in die Häuser und kann es nicht fassen.
Überall liegen schlafende Kinder in ihrem Bett,
ganz ruhig und so richtig nett.

Mitten in einer Regenrinne,
hält er plötzlich inne.
Schlafend spielen die Kinder nicht,
denn das machen sie nur bei Licht.

Traurig geht er weiter,
auf einmal wird die Straße breiter.
Plötzlich zwei glühende Augen vor ihm sind,
ihr Strahlen macht ihn fast blind.

Erschrocken er zur Seite springt,
das Ding vor ihm erschreckend klingt.
Ein Kasten mit vier Reifen drunter,
nun hupt es auch noch munter.

Nein, so hat er es sich nicht vorgestellt,
das Leben in einer anderen Welt.
Mit leisem Flügelschlag fliegt er zurück,
denn dort oben, liegt sein wirkliches Glück.

unbekannt

8. Juli

Nie die Hoffnung aufgeben ...

Die Traurigkeit saß in einer Ecke und erzählte der Verzweiflung, dass ihre Schwester - die Kraft - weg wäre. Die Einsamkeit sagte kein Wort - sie wusste es doch schon. Das Selbstmitleid versuchte vergeblich zu trösten. Die Wahrheit ließ sich nicht beirren - war sie doch schon immer bitter.

Es klopfte an der Tür.
"Soll ich öffnen?" fragte die Unentschlossenheit.
"Wer kann das schon sein?" wunderte sich die Neugier.
"Na, mach schon auf!" forderte das Risiko.
Das Staunen seufzte erleichtert, als das Lächeln eintrat und sich zur Traurigkeit setzte: "Hast du denn noch nicht genug von dir? Lass uns die Liebe besuchen!"
"Nein!" meinte die Vernunft, "tu´s nicht!"

Doch die Traurigkeit war schon weg. Die Liebe wohnte hoch oben in den Wolken. "Schön, dass du da bist"; sagte die Freude, die gerade mit dem Gefühl spielte.
"Wir haben dich schon vermisst", meinte die Geborgenheit. "Ich hielt es nicht mehr aus", schluchzte die Traurigkeit.
"Aber jetzt ist alles gut", beruhigte die Zärtlichkeit mit einer Umarmung.

Weinend wachte die Traurigkeit auf. Die Hoffnung setzte sich zu ihr und fragte: "Was ist passiert?"
"Ich hatte einen schönen Traum, meinst du, dass meine Freunde mich vergessen haben?"
"Nein, wenn du versprichst, mich nicht aufzugeben, wirst du noch viele Wunder erleben", tröstete sie die Hoffnung.
"Niemals", versicherte die Traurigkeit und schlief beruhigt weiter.

bekam ich vor langer Zeit, habe gekürzt - Autor unbekannt

9. Juli

s'Rezept

D'r Knöpfles Michel kommt in die Stadt
zum Doktor Hopfegras.
Er wird des Nachts im Bett net warm,
es frier ihn so an de Füß.
Dr' Doktor meint: "So ging's ihm au,
doch wiss' er do en Rat,
der helf em Michel unbedingt,
des Mittel sei probat.
Wenn er des Nachts ins Bett neisteig',
nehm er sein Weib in Arm,
und glei nach fünf Minuten druf,
sei älles an ihm warm.
Wenn er's amol probiere möchte,
des helf ihm sicher au'."
"Ja" sait dr Michel, "isch mir recht,
wann basst' denn Ihrer Frau?"

Werner Veidt 

10. Juli

Anfangen aufzuhören

Streit und Unfrieden sind nicht gut, erfährt man oft im Leben. Es dauert meistens sehr lange, bis man das begreift und irgendwann sollte Schluss damit sein.
Meistens denkt und handelt man aber genau entgegengesetzt, wer nachgibt verliert, wer seine Ellenbogen nicht gebraucht, hat keine Chance und wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt.
Vieles bleibt dabei auf der Strecke, man muss Opfer bringen: die Mitmenschlichkeit, das Verständnis füreinander, die Güte und Nachsicht anderen gegenüber und die Toleranz.

Martin Luther King lebte es vor, einen Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt zu durchbrechen. Er setzte sich ein, obwohl selbst Opfer, bis sein friedlicher Weg zum Erfolg führte.

Jeden Tag erlebt man wie schwer es ist, in Frieden miteinander zu leben. Damit Frieden werden kann, muss einer anfangen aufzuhören.

11. Juli

Das Hobellied

Da streiten sich die Leut herum
oft um den Wert des Glücks,
der eine heißt den andern dumm,
am End weiß keiner nix.
Das ist der allerärmste Mann,
der anderen oft zu reich,
das Schicksal setzt den Hobel an
und hobelt’s beide gleich.

Die Jugend will halt stets mit Gwalt
in allem glücklich sein,
doch wird man nur ein bissel alt,
da gibt man sich schon drein,
oft zankt mein Weib mit mir, o Graus!
Das bringt mich nicht in Wut,
da klopf’ ich meinen Hobel aus
und denk’, du brummst mir gut.
Zeigt sich der Tod einst mit Verlaub
und zupft mich: „Brüderl, kumm“,
da stell’ ich mich im Anfang taub
und schau’ mich gar nicht um.
Doch sagt er: „Lieber Valentin,
mach keine Umständ, geh!“,
da leg’ ich meinen Hobel hin
und sag’ der Welt ade.

Aus „Der Verschwender“ von Ferdinand Raimund (1790-1836)

* Dieses Lied sang meine Omi oft und auch mein Onkel spielte es auf seiner Zither.*

12. Juli

Szene aus der Hölle - nach August Strindberg und gekürzt

Am Abend wollte der geschiedene Mann für eine Stunde mit seiner Tochter spazieren gehen. Das Mädchen kam von der Tür der Mütter , wehmütig fröhlich, ein wenig schelmisch. Oh, diese Straße, dieses Haus, diese Treppe, die er noch vor kurzem empor geeilt ist, die Hände voller Geschenke.

Jetzt nahm er das Händchen, und sie gingen die Straße hinunter. Auf einmal drehte sich das Kind um und sagte halblaut: "Mama geht hinter uns!" Warum nur drehte er sich nicht um, sondern ging nur noch schneller, das Kind mit sich ziehend? Siebenjähriger Qualen hatten ihm das Selbstgefühl geraubt. Nun konnte er nicht mehr glauben, dass die Frau hinter ihm sich nach Versöhnung sehnte. 

Das Kind drehte sich noch einmal um, mehrere Male, und der Mann fühlte an der kleinen Hand, wie das Herz vor Erwartung und Hoffnung schlug. Aber er ging geradeaus, denn er glaubte nicht mehr an eine Wiederkehr, und er wagte es nicht, einem höhnischen Lächeln oder einem scharfen Wort zu begegnen. Er bog in eine Seitenstraße ein, aber er fühlte, dass sie folgte ...

Wer litt am meisten in diesen fünf Minuten in der Hölle, wo sich die Gefühle kreuzen? Das Kind mit seinen schönen Hoffnungen, die getäuscht wurden; die Mutter mit ihrem gekränkten Selbstwertgefühl; der Mann mit der Ungewissheit und dem Zweifel in der einen Herzkammer und in der andern den grenzenlosen Schmerz, das kleine Kinderherz, das keine Schuld hatte, verletzen zu müssen. Während aber all dies geschah, empfand er beinahe nichts, denn er war betäubt von dem Schlag. Erst am nächsten Tag fühlte er das Messer im Herzen, und je mehr Zeit verging, desto weher tat es!

13. Juli

Beherzigung

Ach, was soll der Mensch verlangen?
Ist es besser, ruhig bleiben?
Klammernd fest sich anzuhangen?
Ist es besser, sich zu treiben?

Soll er sich ein Häuschen bauen?
Soll er unter Zelten leben?
Soll er auf die Felsen trauen?
Selbst die festen Felsen beben.

Eines schickt sich nicht für alle!
Sehe jeder, wie er's treibe.
Sehe jeder, wo er bleibe.
Und wer steht, dass er nicht falle!

Johann Wolfgang Goethe

14. Juli

Die drei Siebe

Zu Sokrates kam einmal ein Mann und sagte: "Du, höre, ich muss Dir etwas Wichtiges über Deinen Freund erzählen!"
"Warte ein bisschen", unterbrach ihn der Weise.
"Hast DU schon das was Du mir erzählen willst, durch die drei Siebe hindurchgehen lassen?"
"Welche drei Siebe?"
"So höre gut zu! Das erste Sieb der Wahrheit. Bist Du überzeugt, ob alles, was Du mir sagen willst, auch alles wahr ist?"
"Das nicht, ich habe es nur von anderen gehört."
"Aber dann hast Du es wohl durch da zweite Sieb hindurchgehen lassen? Es ist das Sieb der Güte."
Der Mann errötete und antwortete: "Ich muss gestehen, nein."
"Und hast Du an das dritte Sieb gedacht und Dich gefragt, ob es nützlich sei, mir das von meinem Freund zu erzählen?"
"Nützlich? - Eigentlich nicht."
"Siehst Du", versetzte der Weise, "wenn das, was Du mir erzählen willst, weder wahr, noch gut, noch nützlich ist, dann behalte es lieber für Dich."

15. Juli

Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil's wohltut, weil's frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser,
und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken
von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
nicht weiter reichen, als ein Grashüpferhupf.

Joachim Ringelnatz

16. Juli

Der Bikini

Es war der 5. Juli 1946, da stellte ein französischer Maschinenbauingenieur der Welt den ersten Bikini vor. Moralisten empörten sich, denn mit diesem bauchfreien Badedress war gesellschaftlicher Sprengstoff entstanden. Genannt wurde das Teil nach dem Pazifik-Atoll, an dem die USA bereits eine Atombombe getestet hatten. Eine Nackttänzerin führte den Bikini in einem Pariser Schwimmbad vor, da sich die Pariser Models geweigert hatten.
Es war 1946 ein Skandal, aber knapp zwei Wochen später beantragte der Erfinder Marken- und Patentschutz für dieses Modestück.
In Italien, Portugal, Spanien und auch in Hollywood war der Bikini verboten. Die Katholische Kirche belegte ihn mit einem Bann, und in Brasilien schlossen sich Gegner in einem Anti-Bikini-Verein zusammen. Sogar Frankreich tat sich bis zu Brigitte Bardots öffentlichen Bikini-Bejahungen schwer. Noch 1948 verbot der Bürgermeister von Biarritz das Tragen der Zweiteiler an den Stränden.
Der Bikini setzte sich erst in den fünfziger und sechziger Jahren weltweit durch.
Im Kino sah man 1962 Ursula Andress in dem James-Bond-Film ,,007 jagt Dr. No".
Auch Brigitte Bardot, Raquel Welch oder Claudia Schiffer sah man im Bikini und mit der Oben-ohne-Welle blieb nur das Höschen übrig.
1984 starb Louis Réard, der Erfinder, in der Schweiz. Nur wenige Jahre hatte er Erfolg, dann wurde seine Kreation weltweit kopiert.

17. Juli

Verkehrte Welt

Dunkel war's der Mond schien helle,
schneebedeckt die grüne Flur,
als ein Wagen blitzesschnelle
langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute, 
schweigend ins Gespräch vertieft, 
als ein totgeschoss'ner Hase 
über'n Sandberg Schlittschuh lief. 
Und der Wagen fuhr im Trabe 
rückwärts einen Berg hinauf. 
Droben zog ein alter Rabe 
grade eine Turmuhr auf. 
Ringsumher herrscht tiefes Schweigen 
und mit fürchterlichem Krach 
spielen in des Grases Zweigen 
zwei Kamele lautlos Schach. 
Und auf einer roten Banke, 
die blau angestrichen war, 
saß ein blondgelockter Jüngling 
mit kohlrabenschwarzem Haar. 
Neben ihm 'ne alte Schachtel, 
zählte kaum erst sechzehn Jahr', 
und sie aß ein Butterbrot, 
das mit Schmalz bestrichen war.

				
Droben auf dem Apfelbaume, 
der sehr süße Birnen trug, 
hing des Frühlings letzte Pflaume 
und an Nüssen noch genug. 
Von der regennassen Straße 
wirbelte der Staub empor. 
und ein Junge bei der Hitze 
mächtig an den Ohren fror. 
Beide Hände in den Taschen 
hielt er sich die Augen zu. 
denn er konnte nicht ertragen, 
wie nach Veilchen roch die Kuh. 
Und zwei Fische liefen munter 
durch das blaue Kornfeld hin. 
Endlich ging die Sonne unter 
und der graue Tag erschien. 
Und das alles dichtet Goethe 
als er in der Morgenröte 
liegend auf dem Nachttopf saß 
und dabei die Zeitung las.

unbekannt

18. Juli

Der alte Backofen 

 

Als Kind erinnere ich mich noch an die kleinen Häuschen in den Dörfern, die Backöfen. Auch heute gibt es noch welche und einige wenige werden sogar noch genutzt.

Meistens im Oktober wurde in früheren Zeiten von den Bäuerinnen gebacken. Nach einem Blick auf die Kirchturmuhr war es Zeit, das Brot "auszuschießen" mit dem ersten Mehl der neuen Ernte. Die Erwartung war groß, der Riegel der Eisenstange wurde zurückgeschoben und die Backofentür geöffnet. Eine braune Holzschaufel mit einem langen Stiel holte die knusprigbraunen Laibe aus dem Backofen. Vorsichtig wurden sie auf der Bank abgesetzt, in eine Trage geladen und es ging ins Haus. Sobald ausgekühlt war, freuten sich die Kinder und auch die Nachbarschaft, denn ein Stück frisch gebackenes Brot mit Butter war ein besonderer Leckerbissen in der damaligen Zeit.

Und sogar heute noch backe ich gerne hin und wieder ein knuspriges Brot und genieße den Duft, der sich in der Küche ausbreitet!

19. Juli

Das Brot

Er saß beim Frühstück äußerst grämlich,
da sprach ein Krümchen Brot vernehmlich:
Aha, so ist es mit dem Orden
für diesmal wieder nichts geworden.

Ja, Freund, wer seinen Blick erweitert
und schaut nach hinten und nach vorn,
der preist den Kummer, der ihn läutert.
Ich selber war ein Weizenkorn.
Mit vielen, die mir anverwandt,
lag ich im lauen Ackerland.
Bedrückt von einem Erdenkloß,
macht' ich mich mutig strebend los.
Gleich kam ein alter Has gehupft
und hat mich an der Nas gezupft,
und als es Winter ward, verfror,
was peinlich ist, mein linkes Ohr,
und als ich reif mit meiner Sippe,
o weh, da hat mit seiner Hippe
der Hans uns rundweg abgesäbelt
und zum Ersticken festgeknebelt
und auf die Tenne fortgeschafft,
wo ihrer vier mit voller Kraft
im regelrechten Flegeltakte
uns klopften, dass die Scharte knackte!

Ein Esel trug uns in die Mühle.
Ich sage dir, das sind Gefühle,
wenn man, zerrieben und gedrillt
zum allerfeinsten Staubgebild',
sich kaum besinnt und fast vergisst,
ob Sonntag oder Montag ist.

Und schließlich schob der Bäckermeister,
nachdem wir erst als zäher Kleister
in seinem Troge bass gehudelt,
vermengt, geknebelt und vernudelt,
uns in des Ofens höchste Glut.

Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?
Frischauf, du hast genug, mein Lieber,
greif zu und schneide nicht zu knapp
und streiche tüchtig Butter drüber
und gib den andern auch was ab!

Wilhelm Busch

20. Juli

Ein Stück Brot - kostbar in schweren Zeiten. Man sollte das nie vergessen.

1945 - in den Lagern wurde von "Brotgemeinschaften" der Baracken, die Teilung des Brotes streng überwacht, jede Krume sammelte man auf und jeder Rest wurde aufgehoben. Erhielt man Brot aus der Heimat wurde es redlich geteilt.

Zeichen der Gastfreundschaft als erstes ein Stück Brot anzubieten. So war es früher.

Die Braut schenkte früher den Dorfarmen als Hochzeitsgabe ein mit Kleingeld gespicktes Brot und die Bettler erhielten ein Stück vom Hochzeitsbrot.

"Sich sein Brot verdienen", sagt man und meint damit den Lebensunterhalt.

"Jemand ums Brot bringen", zeigt die ganze Schwere um das tägliche Brot.

"Ein schweres Brot", viele Berufe haben es schwer, nicht zuletzt der Bauer selber.

Das "Gnadenbrot" essen, müssen manche.

"Den Brotkorb höher hängen" kann uns die Ehrfurcht vor einem Stück Brot lehren.

"Wess' Brot ich ess', dess' Lied ich sing ..." ein Sprichwort, das anpassungsfähige Menschen gerne anwenden.  

Es deutet auf den Charakter hin, wie Menschen mit Brot umgehen. Wer niemals um Brot bittet, um es bangen kann, wer nicht gelernt hat, für jede Ernte zu danken, wird es nicht verstehen, dass die Bäuerin abends beim Brotteig machen bittet, dass ihr das Brot geraten möge. Das ist das alte und ewige Gebet um das tägliche Brot, das auch noch heute gelten sollte.

Wenn ich an meine Großmutter denke, war ich anfangs sehr verwundert, dass sie mit dem großen Brotmesser, bevor sie diese Kostbarkeit anschnitt, immer mit der Messerspitze drei Kreuze auf den Laib ritzte.

21. Juli

Das steinerne Brot

Es war ein arme Mutter, die litt sehr große Not,
denn ihre kleinen Kinder war'n nah dem Hungerstod.

Sie hatt' eine Schwester, die war an Gütern reich,
zu dieser ging sie weinend und bat um etwas Brot.

Doch diese sagte: "Schwester! Ich hab kein Brot im Haus,
das Brot zu Stein mag werden, so ich im Hause hab!"

Und trauernd ging die Arme von ihrer Schwester fort;
Sie seufzt: "Ach Gott erbarme der armen Kinder dich!"

Darauf trat in den Keller der reichen Schwester Mann,
wollt schneiden von dem Brote. O weh! Da war es Stein.

"Ach!", sprach er zu dem Weibe "Groß Sünd' hast du getan,
dass du die arme Schwester hast lassen gahn!"

Doch sie erwidert: "Lieber! Ich hab sie nicht geseh'n,
ich schwöre bei meiner Treue, ich hab sie nicht lassen geh'n!"

Schnell ging sie nun von dannen, sie fühlt ihr schwere Schuld;
Sie ging zur armen Schwester, die sie laut jammernd fand.

"Ach Schwester", sprach sie, "Schwester, vergib mir meine Sünd'!
Dein' Kinder will ich nähren, als wie mein eigen Kind."

Die Arme sprach: "O Schwester, behalte nur dein Gut,
Gott hat sie schon gespeiset, sie schlafen Tag und Nacht."

Sie öffnete die Kammer, sechs Kinder lagen tot. -
Darauf die reiche Schwester zurück nach Hause ging.

Sie kam zu ihrem Hofe, das Haus in Flammen stand:
Sie lief zu ihren Schätzen und fand im Feuer ihr Grab.

Volkslied aus Westfalen.
Schildert die Sage von dem in Stein verwandelten Brot.

22. Juli

Weisheiten des Lebens

Fürchte dich nicht, denn die meisten Dinge vor denen man sich fürchtet treten niemals ein.
Trage niemals Groll mit dir herum, denn Groll ist die schwerste aller Bürden des Lebens.
Behandle alle Probleme, die auf dich zukommen so wie sie sind. Du kannst jeweils nur eines nach dem anderen angehen.
Nimm niemals Probleme mit ins Bett, denn sie besorgen dir schlechte Bettgesellen.
Mach nicht die Probleme von anderen zu deinen. Sie können ohnehin damit viel besser umgehen als du.
Sorge dich nicht um die vergangenen Tage, ob Gut oder Schlecht, sie kommen nicht wieder. Konzentriere dich auf das, was heute ist, und sei jetzt glücklich!
Sei ein guter Zuhörer, denn nur wenn du zuhörst, bekommst du Ideen die sich von deinen unterscheiden.
Bleib niemals in Frustration stecken, denn über 90% kommt von Selbstmitleid und behindert positives Handeln.
Zähle jeden Tag dein Glück auf und übersieh niemals auch nur das kleinste bisschen, denn die kleinen addieren sich zu einem ganz Großen.

23. Juli

Die gute, alte Zeit
 
Man hört oft in betagten Kreisen
die guten, alten Zeiten preisen.
Doch wer von uns wäre schon bereit
zu tauschen mit der alten Zeit.

Was hatten  früher denn die Leute,
das wollen wir betrachten, heute.
Keine leichte, sondern Schwerstarbeit
gab es in der guten, alten Zeit.
 
Die Schuhe waren schwer zu tragen,
mit Eisen und Nägeln voll beschlagen.
Zur Arbeit ging man stundenweit
in der guten, alten Zeit.
 
Es gab auch keine Urlaubstage,
das kam damals nicht in Frage.
Beten und Arbeit war das Geleit
in der guten, alten Zeit.
 

Es fuhr auch noch kein Omnibus,
die Leute gingen alle zu Fuß,
vom Badener Land bis in die Heid',
in der guten, alten Zeit.

Es gab auch kein elektrisch Licht,
das Wasser kam aus der Leitung nicht.
Das holte man vom Brunnen weit
in der guten, alten Zeit.
 
Die Zimmer waren ziemlich klein,
da gingen nicht so viele Möbel rein.
D'rum schlief man noch im Bett zu Zweit
in der guten, alten Zeit.

 

Im Bett lag man auf Haferstroh,
ein Lieblingsort auch für den Floh.
Der nutzte die Gelegenheit
in der guten, alten Zeit.

Die Zähne zogen die Barbiere,
da brüllten Menschen wie die Tiere.
Eine Spritze, die vom Schmerz befreit,
gab es nicht in der alten Zeit.
 
Und waren dann viele Zähne raus,
sah das Mäulchen wie'ne Tropfsteinhöhle aus.
Kein Zahnersatz stand dann bereit
in der guten, alten Zeit.
 
In der Wohnung war noch kein Klosett,
da stand ein Töpfchen unter'm Bett.
Es stand dort immer griffbereit
in der guten, alten Zeit.

Die Rente war sehr karg bemessen,
sie reichte oftmals kaum zum Essen.
Was war das für eine Erbärmlichkeit
in der guten, alten Zeit.
 
Es gab auch keine Konservendosen,
für Damen keine langen Unterhosen.
Sie trugen Röcke lang und breit
in der guten, alten Zeit.
 
Ein Fass voll Sauerkraut und Bohnen
tat sich damals immer lohnen.
Das war bestimmt eine Köstlichkeit
in der guten, alten Zeit.
 

 Kroketten und Pommes
waren noch nicht bekannt, doch Kartoffeln
gab es überall im Land.
Da aß man sich satt und der Bauch wurde nicht weit,
in der guten, alten Zeit.
 
Doch eines muss man gestehen,
man konnte noch sorglos
über die Straßen gehen
in Ruhe und Gelassenheit ...
in der guten, alten Zeit!

Verfasser unbekannt

24. Juli

Erfindung der Zeitung

Johann Carolus erfand 1605 in Straßburg die Zeitung, weil es ihm zu lange dauerte, die Nachrichten bezahlter Korrespondenten handschriftlich zu vervielfältigen.

 Unter dem Titel "Relation: Aller Fürnemmen und gedenckwürdigen Historien" druckte er sie wöchentlich. Es war die erste Zeitung der Welt, die im Sommer 1605 in Straßburg - auf Deutsch - erschien.

Und heutzutage? Wie oft lese ich das Neueste bereits im Internet und in der Zeitung meistens erst am nächsten Tag. Auch weitere Medien wie Rundfunk und Fernsehen informieren in der Regel schneller als die Zeitung. Trotzdem möchte man sie nicht missen, wartet und ist enttäuscht, wenn sie mal nicht geliefert wird.

zurück zur Hauptseite