August 2019

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1. August

Sommerlied

O Sommerfrühe blau und hold!
Es trieft der Wald von Sonnengold.
In Blumen steht die Wiese;
Die Rosen blühen rot und weiß
und durch die Felder wandelt leis’
ein Hauch vom Paradiese.

Die ganze Welt ist Glanz und Freud,
und bist du jung, so liebe heut
und Rosen brich mit Wonnen!
Und wardst du alt, vergiss der Pein
und lerne dich am Wiederschein
des Glücks der Jugend zu sonnen.

Emanuel Geibel

2. August

Ist der Mensch ein wunderliches Geschöpf?
Johann Peter Hebel

Einem König von Frankreich wurde durch seinen Kammerdiener der Name eines Mannes genannt, der das 75. Jahr zurückgelegt habe und noch nie aus Paris herausgekommen sei. Er wisse noch auf diese Stunde nicht anders als vom Hörensagen, was eine Landstraße sei oder ein Ackerfeld oder der Frühling. Man könne ihm weismachen, die Welt sei schon vor zwanzig Jahren untergegangen, er müsse es glauben.
Der König fragte, ob denn der Mann kränklich oder gebrechlich sei.
"Nein", sagte der Kammerdiener, "er ist so gesund wie der Fisch im Wasser."
Oder ob er trübsinnig sei.
"Nein, es ist ihm so wohl wie dem Vogel im Hanfsamen."
Oder ob er durch seiner Hände Arbeit eine zahlreiche Familie zu ernähren habe.
"Nein, er ist ein wohlhabender Mann. Er mag eben nicht. Es nimmt ihn nicht wunder."
Des verwunderte sich der König und wünschte diesen Mann zu sehen. Der Wunsch eines Königs von Frankreich ist bald erfüllt, zwar auch nicht jeder, aber dieser, und der König redete mit dem Menschen von allerlei, ob er schon lange gesund und wohlauf sei.
"Ja, Sire", erwiderte er, "allbereits 75 Jahre."
Ob er in Paris geboren sei.
"Ja, Sire! Es müsste kurios zugegangen sein, wie ich sonst hineingekommen wäre, denn ich bin noch nie draußen gewesen."
"Das soll mich doch wundernehmen", erwiderte der König. "Denn eben deswegen hab' ich Euch rufen lassen. Ich höre, dass Ihr allerlei verdächtige Gänge macht, bald zu diesem Tor hinaus, bald zu jenem. Wisst Ihr, dass man schon lange auf Euch Achtung gibt?"
Der Mann war über diesen Vorwurf ganz erstaunt und wollte sich entschuldigen. Das müsse ein anderer sein, der seinen Namen führe, oder so.
Aber der König fiel ihm in die Rede: "Kein Wort mehr! Ich hoffe, Ihr werdet in Zukunft nicht mehr aus der Stadt gehen ohne meine ausdrückliche Erlaubnis."
Ein rechter Pariser, wenn ihm der König etwas befiehlt, denkt nicht lange, ob es notwendig sei und ob es nicht auch anders ebenso gut sein könnte, sondern er tut's. Der unsrige war ein rechter; als jedoch auf seinem Heimweg die Postkutsche vor ihm vorbeifuhr, dachte er: ,,0 ihr Glücklichen da drinnen, dass ihr aus Paris hinaus dürft!" Als er nach Hause kam, las er die Zeitung wie alle Tage. Aber diesmal fand er nicht viel drin. Er schaute zum Fenster hinaus, das war auf einmal so langweilig. Er las in einem Buch, das war auf einmal so einfältig. Er ging spazieren, er ging in die Komödie, in das Wirtshaus, das war so alltäglich. So das erste Vierteljahr lang, so das zweite, und mehr als einmal im Gasthaus sagte er zu seinen Nachbarn: "Freunde, es ist ein hartes Wort, 75 Jahre kontinuierlich in Paris gelebt zu haben und jetzt erst nicht hinaus zu dürfen."
Endlich im dritten Vierteljahr konnte er's nimmer aushalten, sondern meldete sich einen Tag um den andern wegen der Erlaubnis; das Wetter sei so hübsch, oder es sei heut ein schöner Regentag. Er wolle sich gern auf seine Kosten von einem vertrauten Mann begleiten lassen, wenn's sein müsse, auch von zweien. Aber vergebens. Nach Verlauf aber eines schmerzlich durchlebten Jahres, gerade am nämlichen Tage, als er abends nach Hause kam, fragte er mit bösem Gesicht die Frau: "Was ist das für ein neues Kaleschlein im Hof? Wer will mich zum besten haben?"
"Herzensschatz", antwortete die Frau, "ich habe dich überall suchen lassen. Der König schenkt dir das Kaleschlein und die Erlaubnis, darin spazieren zu fahren, wohin du willst."
"Ma foi!", erwiderte der Mann mit besänftigter Miene, "der König ist gerecht." 
"Aber nicht wahr", fuhr die Gattin fort, "morgen fahren wir spazieren aufs Land?"
"Ei nun", erwiderte der Mann kalt und ruhig, "wir wollen sehen. Wenn's auch morgen nicht ist, so kann's ein andermal sein, und am Ende, was tun wir draußen? Paris ist doch am schönsten inwendig."

3. August

Und all das Geld und all das Gut
gewährt zwar viele Sachen;
Gesundheit, Schlaf und guten Mut
kann’s aber doch nicht machen.

Gott gebe mir nur jeden Tag,
so viel ich darf zum Leben.
Er gibt’s dem Sperling auf dem Dach;
Wie sollt’ er’s mir nicht geben.

Matthias Claudius

4. August

Ein Weizenfeld

Weil es die Ähre verschmäht, sich mit der Farbe zu zieren,
hat die Natur ihr den Mohn dicht an die Seite gestellt;
Jener hat sie die Kraft vertraut, den Menschen zu nähren,
diesem verlieh sie den Reiz, welcher sein Auge erfreut.
Jene frage drum nicht: Wo sprießen dir nützliche Körner?
Oder dieser: Wo trägst du den erquicklichen Schmuck?
Wenn die eine uns fehlte, so könnten wir freilich nicht leben,
aber wir möchten es nicht, wäre der andre nicht da!

Friedrich Hebbel

5. August

Das große Brot

Vom Bäcker kommt ein Brot ins Haus,
ein Brot, das ist so groß!
Die Mutter, die sieht fröhlich aus
und schneidet frisch drauflos.

Die Kinder stehn all um sie her,
und jedes heischt sein Teil;
Wenn eins gefragt wird: "Willst noch mehr?"
Dann sagt es: "Ja!" in Eil.

Die Mutter hat nicht wenig Müh,
sie schneidet Stück auf Stück,
am Ende aber bleibt für sie
ein Käntlein doch zurück.

Gib Gott, dass überall wie hier
es reicht, bis alle satt,
dass jede Mutter auch gleich mir
zuletzt ihr Käntlein hat!

Johannes Trojan

Wie gut, dass man heute nicht mehr den Hunger leiden muss wie nach dem Krieg. Damals war Brot eine Kostbarkeit - unsere Generation kann das sicher bestätigen. Immer wenn ich selbst Brot backe, kommt die Erinnerung daran und ich sehe Großmutter vor mir, die bevor sie ein Brot anschnitt, jedes Mal mit dem Messer symbolisch drei Kreuze darauf ritzte.

6. August

Der Stachel der Honigbiene

Damals, als die Welt erstand, trugen alle Wespen einen Stachel am Hinterleib. Die Honigbiene besaß jedoch keinen. Sie bat darum Gott den Allmächtigen, ihr auch einen Stachel zu geben. Er wollte zuerst nicht recht und sagte zur Honigbiene: "Deine Aufgabe ist es, den Menschen zu dienen. Du wirst von ihnen gehegt und gepflegt und sollst ihnen dafür Honig geben. Wozu brauchst du da eine Waffe?“
Die Honigbiene aber bat so inständig um einen Stachel, dass der Allmächtige schließlich doch zusagte. Eine Bedingung jedoch war dabei. Die Biene durfte nie einen Menschen stechen. Darum müssen alle Bienen, die einen Menschen stechen, nach Verlust ihres Stachels sterben.

überliefert

7. August

Die Wespe und der Knabe

Eine kühne Wespe stach
Hänschen, als es Äpfel brach,
in die Hand, eh’ er es dachte.
Hänschen, das erbärmlich schrie,
war so glücklich, dass er sie
auf der Flucht noch habhaft machte.

„Gnade!“, rief die Täterin.
„Weil ich gar nicht strafbar bin,
willst du Blutschuld auf dich laden?
Meinen Stachel, der dich kränkt,
hat mir die Natur geschenkt,
und ich muss gezwungen schaden.“

„Musst du’s?“, fragt der kleine Mann
„Ja, da ich’s nicht ändern kann!“
„Eben drum“, versetzt der Knabe,
„Weil dir das unmöglich fällt,
schaff ich dich auch aus der Welt,
dass man Friede vor dir habe.“

Magnus Gottfried Lichtwer

8. August

Die kluge Krähe

Eine Krähe, die fast am Verdursten war, fand endlich einen Krug mit Wasser. Aber, o weh! Der Krug war sehr eng; und es war so wenig Wasser darin, dass sie, soviel sie sich auch plagte, nicht mit dem Schnabel bis zum Wasser hinab kommen konnte. Nun brachte die Not sie auf einen guten Gedanken: Sie warf kleine Kieselsteine in den Krug, einen nach dem anderen – und mit jedem Steine stieg das Wasser etwas höher, bis es zuletzt am Rande ankam. Mit Wohlbehagen konnte die kluge Krähe ihren Durst löschen.

Nach Äsop

9. August

Der Ball der Tiere
„Ich denk’,
wir geben einen Ball“,
sagt die Nachtigall.
„So?“,
sagt der Floh.
„Was werden wir essen?“,
sagen die Wespen.
„Nudeln!“,
sagen die Pudeln.
„Was werden wir trinken?“,
sagen die Finken.
„Bier!“,
sagt der Stier.
„Nein, Wein!“,
sagt das Schwein.
„Wo werden wir tanzen?“,
sagen die Wanzen.
„Im Haus!“,
sagt die Maus.

Volksgut

10. August

Rettendes Gebet

Der Fuchs kam einmal auf eine Wiese, wo eine Herde schöner fetter Gänse saß, da lachte er und sprach: "Ich komme ja wie gerufen, ihr sitzt hübsch beisammen, so kann ich eine nach der andern auffressen." Die Gänse gackerten vor Schrecken, sprangen auf, fingen an zu jammern und kläglich um ihr Leben zu bitten. Der Fuchs aber wollte auf nichts hören und sprach: "Da ist keine Gnade, ihr müsst sterben." Endlich nahm sich eine das Herz und sagte: "Sollen wir armen Gänse doch einmal unser jung frisch Leben lassen, so erzeige uns die einzige Gnade und erlaub uns noch ein Gebet, damit wir nicht in unsern Sünden sterben: hernach wollen wir uns auch in eine Reihe stellen, damit du dir immer die fetteste aussuchen kannst."
"Ja," sagte der Fuchs, "das ist billig und ist eine fromme Bitte: betet, ich will so lange warten." Also fing die erste ein recht langes Gebet an, immer "Ga! Ga!" und weil sie gar nicht aufhören wollte, wartete die zweite nicht, bis die Reihe an sie kam, sondern fing auch an "Ga! Ga!". Die dritte und vierte folgte ihr, und bald gackerten sie alle zusammen. Und wenn sie ausgebetet haben, soll das Märchen weitererzählt werden, sie beten aber alleweile noch immer fort.

Brüder Grimm

11. August

Der Sommerfaden

Da fliegt, als wir im Felde gehen,
ein Sommerfaden über Land,
ein leicht und licht Gespinst der Feen,
und knüpft von mir zu ihr ein Band.

Ich nehm' ihn für ein günstig Zeichen,
ein Zeichen, wie die Lieb' es braucht.
O Hoffnungen der Hoffnungsreichen,
aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht!
 
Ludwig Uhland

12. August

Die Ringelblume

Die Ringelblume gehört zu den bekanntesten Blütenpflanzen, die bei uns heimisch sind. In den Bauerngärten bereits seit Jahrhunderten zu entdecken. Dass sie eine Heilpflanze ist, verrät ihr botanischer Name, Calendula officinalis. Im 11. Jahrhundert hat Hildegard von Bingen die Ringelblume zur Entgiftung empfohlen. Mittlerweile weiß man noch viel mehr über diese Pflanze, denn vielfache Verwendungsmöglichkeiten bietet die Calendula, ganz besonders aber ist ihre entzündungshemmende, blutreinigende und antiseptische Wirkung bekannt. Die Ringelblumensalbe dient der Hautpflege, macht raue Haut schön weich und hilft bei schlecht heilenden Wunden.

Eine anspruchslose Gartenpflanze für fast jeden Boden, bevorzugt aber lehmige Erde, samt sich selbst aus, wenn man es nicht verhindert.

13. August

ERSTER VERLUST

Ach, wer bringt die schönen Tage,
jene Tage der ersten Liebe,
ach, wer bringt nur eine Stunde
jener holden Zeit zurück!

Einsam nähr ich meine Wunde,
und mit stets erneuter Klage
traur ich ums verlorne Glück.

Ach, wer bringt die schönen Tage,
jene holde Zeit zurück!

Johann Wolfgang von Goethe

14. August

Etwas zum Nachdenken

Der Mann öffnete die Schrankschublade seiner Frau und holte ein in Seidenpapier verpacktes Päckchen heraus, in dem Unterwäsche drin war. Er betrachtete die Seide und Spitze. "Dies kaufte ich, als wir vor acht oder neun Jahren in New York waren", murmelte er vor sich hin. "Sie wollte es für einen ganz besonderen Moment aufbewahren, der wohl nun da ist," sagte er, ging zum Bett und legte die Unterwäsche zu den anderen Dingen, die fürs Bestattungsinstitut bereit lagen, denn seine Frau war gestorben.

Man sollte nichts für einen besonderen Augenblick aufbewahren, jeden Tag als etwas Besonderes leben, mehr lesen, weniger putzen. Sich öfters auf die Terrasse setzen und einfach die Natur genießen und nicht auf das Unkraut im Garten achten. Mit der Familie und den Freunden sollte man viel mehr Zeit verbringen und nichts mehr aufbewahren, sondern ALLES täglich benutzen, das man für besondere Gelegenheiten aufbewahrte, denn irgendwann hat man eben diese besondere Gelegenheit verpasst. Man hat viele kleine Dinge nicht erledigt, Freunde nicht mehr gesehen, Briefe nicht mehr geschrieben und seinem Nächsten nicht mehr gesagt, dass man ihn liebt. Dabei WOLLTE man das doch alles tun, aber eben später ...

15. August

Nimm Dir Zeit ... 

Nimm Dir Zeit zum LIEBEN und GELIEBT zu werden,
es ist ein gottgegebener Vorzug.

Nimm Dir Zeit zum FREUNDLICHSEIN,
es ist der Weg, um glücklich zu werden.

Nimm Dir Zeit zum LACHEN,
es ist die Musik der Seele.

Nimm Dir Zeit zum GEBEN,
der Tag ist zu kurz, um egoistisch zu sein.

Nimm Dir Zeit zur ARBEIT,
sie ist der Beginn des Erfolgs.

Nimm Dir Zeit GUTES ZU TUN,
denn dies ist der Schlüssel zum Himmel.

16. August

Der Prediger und sein Lohn

Ein Prediger war als großer Redner vor dem Herrn bekannt. Eines Tages ging er mit seinem Sohn in die Wildnis, um sich ein wenig zu erholen. Aber auch dort blieb er nicht lang allein bei seiner Meditation. Kaum öffnete er die Augen, sah er auch schon vor sich die Abordnung einer Gemeinde. Die Männer sagten: „Herr, dein gewaltiger Ruf als Stimme Gottes ist auch zu uns gedrungen. Ob du uns die Ehre erweist, in unserem Stadttempel zu uns zu sprechen?“
Nachdem der Prediger kurz überlegt hatte, sagte er: „So sei es.“
Wenige Stunden später ging er mit seinem Sohn zum Tempel. Als er hinein ging, sah der Prediger direkt neben der Tür eine samtene Sammelbüchse, die für Almosen bestimmt war und warf einen halben Taler hinein.
Dann begann zu sprechen. Groß war der Eindruck, den seine Rede auf die Gemeinde machte. Und als sich der Tempel leerte, gingen die Tempeloberen wieder zu dem Prediger, dankten ihm und sprachen: „Herr, bei uns ist es Sitte, dass der Mann, der bei uns predigt, den Inhalt der Sammelbüchse erhält. Ist es dir recht?“
Und der Prediger sprach: „Ja, es ist mir recht.“
Da nahmen die Oberen einen Schlüssel, streiften den samtenen Stoff etwas herunter, schlossen die Büchse auf und reichten dem Prediger einen halben Taler.
Der Prediger und sein Sohn gingen zu ihrem Rastplatz zurück und der Sohn sprach zu seinem Vater: „Siehst du, mein Vater, hättest du mehr gespendet, so wäre auch dein Lohn höher ausgefallen.“

17. August

Mit der Freude zieht der Schmerz
traulich durch die Zeiten,
schwere Stürme, milde Weste,
bange Sorgen, frohe Feste,
wandeln sich zur Seiten.

Gebe denn, der über uns
wägt mit rechter Waage,
jedem Sinn für seine Freuden,
jedem Mut für seine Leiden
in die neuen Tage!

Jedem auf des Lebens Pfad
einen Freund zur Seite,
ein zufriedenes Gemüte,
und zu stiller Herzensgüte
Hoffnung ins Geleite.

Johann Peter Hebel

18. August

Joseph von Eichendorff dichtete beim Anblick seiner Jugendliebe am Arm eines anderen:

Und es endet Tag und Scherzen,
durch die Gassen pfeift der Wind –
keiner weiß, wie unsre Herzen
tief von Schmerz zerrissen sind.

Er überlebte es, so wie wir Menschen vieles wegstecken müssen und ... erstaunlicherweise geht es auch. Es muss gehen, wenn ich nur an die vielen Verfolgten denke, die zur Zeit in den zahlreichen Kriegen der Welt leiden müssen.

19. August

Die Gesänge

Wo man singet, lass dich ruhig nieder,
ohne Furcht, was man im Lande glaubt;
Wo man singet, wird kein Mensch beraubt;
Bösewichter haben keine Lieder.

Wenn der Becher mit dem Traubenblute
unter Rosen unsre Stunden kürzt,
und die Weisheit unsre Freuden würzt,
macht ein Lied den Wein zum Göttergute.

Wenn die Sprache stirbt von meinem Munde
und der Schauer mein Gebein durchläuft,
und mit Eisenarm der Tod mich greift,
singt ein Lied zu meiner schönen Stunde!

Johann Gottfried Seume

20. August

Nur ein Spottbild
auf die Ahnen
ist das Volk im
deutschen Kleid;
und die alten Röcke
mahnen
schmerzlich an die
alte Zeit:

Wo die Sitte und
die Tugend prunklos
gingen Hand in Hand;
wo mit Ehrfurchtscheu
die Jugend vor dem
Greisenalter stand;

Wo ein Handschlag
mehr als Eide und
Notarienakte war;
wo ein Mann im
Eisenkleide und ein
Herz im Manne war.

Fort, ihr Bilder
schönrer Tage!
Weicht zurück in
eure Nacht!
Weckt nicht mehr
die eitle Klage
um die Zeit,
die uns versagt!

Heinrich Heine

21. August

Helfer in der Not

Verona in Italien liegt an einem Fluss, der Etsch. Es war in einem Winter, und die Etsch war zugefroren. Da setzte plötzlich Tauwetter ein, das Eis brach, und der Strom schwoll an. Die Gewalt der Eisschollen riss einen Brückenbogen ein. Nur der mittelste Bogen widerstand der Gewalt des Wassers.
Auf diesem mittleren Bogen stand ein kleines Häuschen, in dem sich der Zöllner mit seiner ganzen Familie befand. Sie schwebten in großer Gefahr und riefen laut um Hilfe. Vom Ufer her sahen viele Menschen zu, aber keiner hatte den Mut, den armen Leuten zu helfen.
Immer mehr brachen die Steine der Brücke ab. Jeden Augenblick fürchtete man den Einsturz des Häuschens. Da sprengte mitten unter die ängstlichen und mitleidigen Zuschauer ein Graf auf seinem Pferd und hielt einen Beutel voll Gold in die Höhe. Er versprach ihn dem, der den unglücklichen Zöllner mit seiner Familie retten würde. Aber es fand sich keiner, denn die Gefahr war zu groß.
Da drängte sich plötzlich durch den Haufen Menschen ein armer Landmann, dem niemand so viel Mut zugetraut hätte. Er sprang in einen Kahn und ruderte gegen Eis und Wellen zu dem einstürzenden Bogen hin. Die schon in Todesangst schwebende Familie des Zöllners ließ sich eiligst an einem Seil in den Kahn hinab und konnte glücklich ans rettende Ufer gebracht werden. Kaum waren sie gelandet, da stürzte der Bogen mit dem Häuschen ein.
Die Menschen jubelten dem Retter zu, und der Graf wollte ihm den Beutel mit Gold übergeben.
Der arme Landmann aber lehnte das Gold ab: "Ich habe mein Leben nicht für Gold gewagt", sagte er. "Geben Sie das Gold der unglücklichen Familie, die alles verloren hat."
Damit kehrte er um und war plötzlich in der Menschenmenge verschwunden.

Nach J. H. Campe

22. August

Hast du schon einmal erlebt,
dass ein Mensch dich getröstet hat
- wirklich getröstet -
dir die Tränen abgewischt
und dich in die Arme geschlossen hat,
so dass du ganz tief drinnen
gespürt hast:
Hier bin ich zuhause,
nichts in der Welt
kann mir noch etwas anhaben,
hier bin ich geborgen
und aufgehoben.

Wenn du solches
- einen Augenblick lang –
erfahren hast,
weißt du
um die göttliche Ewigkeit.

Spilling-Nöker

23. August

Das schönste an der Vergänglichkeit ist,
dass der Augenblick nicht zurückkehrt –
Die Erinnerung daran jedoch unsterblich ist

Freundschaft fängt mit einer Begegnung an -
irgendwo, irgendwie, irgendwann,
und meist ahnt man nicht,
dass dies einer der wichtigsten Menschen werden kann.

Seifenblasen sind wie Träume,
sie bringen unsere Herzen und Augen zum Leuchten
und wenn sie platzen werden wir von der Realität eingeholt.

Wenn es überhaupt Antworten und Wahrheit gibt
dann werden wir sie wohl dort finden,
wo sie wir am wenigsten gesucht haben:
in uns selbst

Freundschaft ist ein schönes Wort.
Freundschaft wechselt oft den Ort.
Freundschaft finden das ist schwer.
Freundschaft halten noch viel mehr!

Wer den Schmerz erlebt hat,
wird das Schöne und Gute umso bewusster genießen
und Kraft und Energie daraus schöpfen.

Man verliert vieles im Leben,
doch verliere nie die Hoffnung,
denn ohne Hoffnung verlierst du dein Leben.

Suche nicht nach Schönheit, denn sie ist trügerisch.
Suche nicht nach Reichtum, denn er ist vergänglich.
Finde denjenigen, der dein Herz zum Lächeln bringt.

24. August

Abendgebet

O Gott, die Sonne sinkt ins Meer,
die stille Nacht kommt wieder her,
deckt Feld und Wald mit Schlummer zu.
Wir Menschen gehen auch zur Ruh'.
Wie du das Vögelein im Nest
nun schlafen lässt so warm und fest,
so nimm auch uns in deine Hut
und lass uns schlafen fromm und gut!

Volksgut

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