Juli 2018

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1. Juli

Der Juli
 
Still ruht die Stadt. es wogt die Flur.
Die Menschheit geht auf Reisen
oder wandert sehr oder wandelt nur.
Und die Bauern vermieten die Natur
zu sehenswerten Preisen.
 
Sie vermieten den Himmel, den Sand am Meer,
die Platzmusik der Ortsfeuerwehr
und den Blick auf die Kuh auf der Wiese.
Limousinen rasen hin und her
und finden und finden den Weg nicht mehr
zum Verlorenen Paradiese.
 
Im Feld wächst Brot. Und es wachsen dort
auch die künftigen Brötchen und Brezeln.
Eidechsen zucken von Ort zu Ort.
Und die Wolken führen Regen an Bord
und den spitzen Blitz und das Donnerwort.
Der Mensch treibt Berg- und Wassersport
und hält nicht viel von Rätseln.

Er hält die Welt für ein Bilderbuch
mit Ansichtskartenserien.
Die Landschaft belächelt den lauten Besuch.
Sie weiß Bescheid.
Sie weiß, die Zeit
überdauert sogar die Ferien.
 
Sie weiß auch: Einen Steinwurf schon
von hier beginnt das Märchen.
Verborgen im Korn, auf zerdrücktem Mohn,
ruht ein zerzaustes Pärchen.
Hier steigt kein Preis, hier sinkt kein Lohn.
Hier steigen und singen die Lerchen.
 
Das Mädchen schläft entzückten Gesichts.
Die Bienen summen zufrieden.
Der Jüngling heißt, immer noch, Taugenichts.
Er tritt durch das Gitter des Schattens und Lichts
in den Wald und zieht,
durch den Schluss des Gedichts
wie in alten Zeiten gen Süden. 

Erich Kästner

2. Juli

Trinken bei Sommerhitze

Auf Nahrung könnten wir wochenlang verzichten, aber ohne Wasser schon nach wenigen Tagen verdursten. Der Verlust über Nieren, Darm, Haut und Atemluft muss regelmäßig ersetzt werden. Deshalb an heißen Tagen ein bis zwei Liter mehr trinken als sonst. Empfehlenswert Mineralwasser mit mindestens 20 Milligramm Natrium pro Liter, günstig aber auch Fruchtsaftschorlen aus drei Teilen Wasser und einem Teil Saft sowie Früchte- und Kräutertees.

Nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen tragen Kaffee, Tee, Bier und Wein zur Flüssigkeitsbilanz bei, obwohl sie keine Durstlöscher sind.

Sportler sollten darauf achten, dass ihr Trinkwasser viele Mineralien, vor allem Magnesium enthält, denn pro Stunde körperlicher Aktivität gehen ein bis anderthalb Liter Flüssigkeit verloren.

Zimmer- bis lauwarme Getränke zu sich nehmen, kalte regen das Schwitzen an. 

Getränke in Sicht- und Griffweite hinstellen und zudem Obst- und Gemüsesorten mit hohem Wasseranteil essen: Gurken, Tomaten, Melonen und Erdbeeren.

3. Juli

Der Kabeljau

Das Meer ist weit, das Meer ist blau
im Wasser schwimmt ein Kabeljau.

Da kommt ein Hai von ungefähr
ich glaub von links, ich weiß nicht mehr,
verschluckt den Fisch mit Haut und Haar,
das ist zwar traurig, aber wahr.

Das Meer ist weit, das Meer ist blau
im Wasser schwimmt kein Kabeljau.

Heinz Erhardt

4. Juli

Insel der Gefühle

Auf einer Insel lebten verschiedene Gefühle: Glück, Traurigkeit, Wissen und all die anderen ... auch die Liebe.
Eines Tages meldete man den Gefühlen, dass die Insel sinken wird. So bereiteten sie ihre Schiffe vor und verließen die Insel. Nur die Liebe wollte bis zum letzten Moment bleiben.

Als die Insel unterging, rief sie um Hilfe.

Der Reichtum war in der Nähe mit einem Luxusschiff.
Die Liebe fragte ihn: Reichtum, kannst du mir helfen? Nein, weil ich zuviel Geld und Gold auf meinem Schiff habe, ist kein Platz für dich da.

Die Liebe fragte den Hochmut, der mit seinem schönen Boot vorbeifuhr. Ich kann dir nicht helfen. Du bist ganz nass und könntest mein Boot beschmutzen.

Als die Traurigkeit vorbeisegelte, bat die Liebe: Lass mich mit dir gehen! - Oooh ... Liebe, ich bin so traurig, ich möchte besser alleine bleiben.

Auch das Glück ist weitergefahren. Es war sooo glücklich, dass es die Liebe nicht hörte ...

Und plötzlich hörte die Liebe eine Stimme: Ich nehme dich mit. Es war ein alter Mann, der gesprochen hatte. Die Liebe war so glücklich, so zufrieden, dass sie nicht nach seinem Namen gefragt hat.

Als beide auf festem Boden ankamen, ging der Alte weg. Die Liebe fragte das Wissen: Wer hat mir geholfen?
Das war die Zeit, antwortete das Wissen. Die Zeit?!, fragte die Liebe, aber warum hat die Zeit mich gerettet?

Das Wissen lächelte weise und antwortete: Weil nur die Zeit verstehen kann, wie wichtig die Liebe ist ...

5. Juli

Kuss

Auf die Hände küsst die Achtung,
Freundschaft auf die offne Stirne,
Auf die Wange Wohlgefallen,
selge Liebe auf den Mund;
Aufs geschlossne Aug die Sehnsucht,
in die hohle Hand Verlangen,
Arm und Nacken die Begierde,
überall sonst hin Raserei.

Franz Grillparzer

6. Juli

Boretsch

Die jungen Blätter sind saftig, schmecken erfrischend und etwas bitter nach Gurken, deshalb auch der Name Gurkenkraut. Diese ersten Blättchen schmecken zu Kräuterquarks und Rohkostsalaten, zum Gurkensalat und werden zum Einlegen von Gurken verwendet. Aus den größeren macht man Spinat. Die Blüten sind gut zum Garnieren von Salaten, Quarks und kalten Platten, werden mitgegessen und in Fruchtsaftgetränken und Bowlen ergeben sie eine kühlende Wirkung. In Eiswürfeln eingefroren kann man sie Getränken zugeben. Beliebt in vorigen Jahrhunderten war das Verzuckern von Blüten. Dazu werden die frischen Blüten kurz in Eischnee getaucht, mit Zucker überstreut und an warmer Stelle getrocknet.
Seine Heimat hat der einjährige Boretsch im westlichen Mittelmeerraum; seit Jahrhunderten ist er aber auch bei uns zu finden.

Die schwarzen Samenkörner des Boretsch ab April direkt ins Freiland säen und Folgesaaten alle drei bis vier Wochen lohnen sich bis Ende Juli. Da die Pflanzen groß und buschig werden und viel Platz benötigen, sät man weitläufig aus und deckt gut mit Erde ab, Boretsch ist ein Dunkelkeimer. Der Boden sollte nahrhaft und durchlässig sein; Staunässe ist nicht gut. Die Samen keimen ziemlich schnell und es entwickelt sich eine Blattrosette, aus der ein kräftiger, verzweigter Stängel bis zu einem Meter hoch wächst. Der Stängel ist mit behaarten, eiförmig zugespitzten Blättern versehen und aus den Blattachsen wachsen lang gestielte Blütenbüschel, den ganzen Sommer über blühend. Die sternförmigen Blüten sind anfangs rosa und werden dann leuchtend blau mit weißem Schlund. Diese auffallenden Blüten, von Insekten reichlich besucht, haben dem Borretsch auch die volkstümlichen Namen Blauhimmelstern und Liebäuglein gegeben. Die späteren Samen, locken viele Vögel an, vor allem Grünfinken.

Früher galt Borretsch als Heilkraut, die Traurigkeit vertreibend und Fröhlichkeit bringend. Heutzutage spielt diese Pflanze in der Heilkunde keine Rolle mehr; lediglich in der Homöopathie werden Mittel aus frischen Blättern hergestellt. Der Borretsch wächst jedes Jahr im Garten von alleine, da er sich stark aussamt. Hilfestellung leisten dabei die Ameisen, die die Samen verschleppen.

7. Juli

Blumenballade

Stoßt laut ins Horn,
stoßt laut ins Horn!
Geboren ist Herr Rittersporn.
Er trägt aus blauer Seide
ein Kleid von eitel Freude,
die Blumen auf den Auen
können sich satt nicht schauen,
die hochgestielten Nelken
sie schaun ihn an und welken,
es seufzen selbst die Veilchen
schaun sie ihn an ein Weilchen.
Er sprach zum Gänseblümlein:
Meine Dame, wollt ihr mich frein?

Karl von Freymann

8. Juli

Nützliche Tiere im Garten

Viele nützliche Tiere gibt es in unseren Gärten, dazu gehört der Igel.

Kröten erfreuen nicht so sehr, denn was da so kriecht und krabbelt und auch gar nicht so possierlich aussieht, mag man nicht. Dabei sind sie im Garten sehr nützlich und keineswegs giftig. Zwar scheidet die warzige Haut ein übelriechendes Sekret aus, das schwach giftig, aber für den Menschen keineswegs schädlich ist. Vor allem nachts sind Kröten aktiv. Sie leben unter Laub und Wurzeln, überall dort, wo es schön feucht ist und fressen große Mengen Nacktschnecken, Raupen, Würmer und auch Insekten.

Leider werden Blindschleichen immer wieder mit Schlangen verwechselt und lösen deshalb Panik aus. Dabei sind unsere Blindschleichen, die zur Familie der Eidechsen gehören, ungefährlich und stehen unter Naturschutz. Wer sie im Garten entdeckt, darf sich freuen, denn sie vertilgen gern zahlreiche Nacktschnecken, Insektenlarven und natürlich auch Würmer. Wir suchten vor dem Mähen immer den Garten ab, um die Blindschleichen nicht zu verletzen.

9. Juli

Kein Schlaf noch kühlt das Auge mir
Dort gehet schon der Tag herfür
An meinem Kammerfenster.
Es wühlet mein verstörter Sinn
Noch zwischen Zweifeln her und hin
Und schaffet Nachtgespenster.

Ängste, quäle
Dich nicht länger, meine Seele!
Freu dich! Schon sind da und dorten
Morgenglocken wach geworden.

Eduard Mörike

10. Juli

Von einer Stadt und einem Riesen

Mitten im Wald liegt eine Stadt. Sie hat viele hundert Straßen. Darinnen lebt ein Völkchen, das ist weit und breit berühmt wegen seines Fleißes. Vom Morgen bis zum Abend sind dort alle rührig bei der Arbeit; sie klettern auf die Bäume und holen Holz herab, schleppen Gras heim, pflegen ihre Kinder und bauen neue Wohnungen. Dabei leben sie still und friedlich beieinander. Wenn einer auf der Straße geht und seine Last nicht allein fortschleppen kann, so springt gleich ein anderer bei und hilft. Der Richter und der Schutzmann haben dort wenig zu tun.
Da geschah aber einmal an einem schönen Nachmittag ein großes Unglück. Denn als eben die Alten ihre weiß eingewickelten Kinder vor die Stadt getragen und in den warmen Sonnenschein gelegt hatten, da kam plötzlich ein Riese durch den Wald daher. Die Schildwachen gaben schnell ein Zeichen. Wie, das weiß ich selbst nicht; denn Trommeln und Trompeten sind in dieser Stadt nicht gebräuchlich, aber wahr ist's. Als der Riese auf die Stadt zukam, rannte alles aus der Stadt hinaus und wollte nur schnell die Kindlein hineinschleppen. Doch ehe das Gewimmel drinnen war, kam schon der Riese heran und trat mit einem Fuß mitten auf die Stadt, dass gleich mehr als hundert Straßen zusammenstürzten. Als nun schon alles durcheinanderrannte und flüchtete, bückte sich der Riese und warf mit einem Stöckchen langsam und wie zum Zeitvertreib eine Straße nach der anderen ein. Er hatte seine Freude an dem ängstlichen Gewimmel, wie die armen Leute nur immer zuerst nach ihren Kindern griffen und sie über Trümmer hinweg beiseite schleppten in die unversehrten Straßen. Das kleine Volk verlor den Mut nicht. Viele machten sich auf und marschierten tapfer zu den Hosen und Ärmeln des Riesen hinein und stachen mit ihren Waffen so tüchtig auf ihn los, dass es ihn am ganzen Leibe wie Feuer brannte.
Der Herr des Waldes sprach aber zu dem Riesen: "Du ungeschickter, böser Mensch! Was hat dir mein gutes, fleißiges Völkchen getan? Du mit deinen großen Händen kannst doch keine einzige Straße so kunstvoll aufbauen wie mein Völkchen da!“
Willst du wissen, wer der Riese war? - Das war ein Knabe, so groß wie du. - Aber was für eine Stadt ich meine, wer das kleine fleißige Volk ist und wer der Herr des Waldes, das sollst du erraten. Dann gehe hinaus in den Wald, besuche die Stadt und das Völkchen und lerne von ihm.

J. H. Campe

11. Juli

Zeichen der Zeit

Was tun Menschen unserer Erde an,
man hört nur noch von Hass, Streit und Wahn.

Leben und Natur werden zerstört,
Menschen glauben, dass alles nur ihnen gehört.

Kaum einer ist bereit etwas abzugeben,
für der verlorenen Menschen Leben.

Werte zählen nicht mehr in dieser Zeit,
der Abgrund wird immer tiefer, weit und breit.

Gier und Korruption bestimmen unsere Welt,
es geht statt um Nächstenliebe nur um Geld.

Chancen sind so ungerecht verteilt,
weil jeder nur bei seinen eigenen verweilt.

Hunger und Elend verbreiten sich rasant,
wir wissen das, es ist allen bekannt.

Was spielt sich in den Köpfen der Menschen ab,
die nur weinen, wenn sie stehen an einem Grab.

Wenn wir die Form unseres Lebens nicht beenden,
können wir die Not und das Elend nicht mehr wenden.

Darum sollten wir noch heute daran denken,
statt Hass, Hilfsbereitschaft und Liebe zu verschenken.

Ein Neuanfang ist wichtig auf dieser kleinen Kugel Erde,
damit endlich Frieden und das Leben wieder lebenswert werde.

Detlef Wolfgang Scholz
Vechelde
Juli 2011

12. Juli

Das Gesicht der Liebe - Nach einer asiatischen Legende

Yün war auf dem Weg nach Hause. Weil er den ganzen Tag über sein Reisfeld bearbeitet hatte, war er erschöpft und grummelte ein wenig vor sich hin, denn sein Rücken schmerzte. Und auf einmal war's ihm so, als stünde jemand direkt hinter ihm. Er wandte sich um und sah ein altes Weibchen. Seine Wangen waren zerfurcht, die Gestalt gebückt - doch die Augen strahlten.

Die Alte legte Yün ihre Hand auf den Arm, es war eine raue, von Arbeit gezeichnete Hand, doch sie tat ihm wohl. Ganz vertraut kam sie an seine Seite - und neugierig geworden fragte Yün: "Wer bist du, Mütterchen. Ich dachte, ich kenne einen jeden in dieser Gegend, doch dich habe ich noch nie gesehen. Sag, aus welchem Dorf kommst du?"
"Junge", sagte da die Alte, "ich bin überall zu finden."
"Was soll das heißen - bist du etwa kein Mensch?" Yün erschrak.
"Du hast recht", entgegnete die Alte, "ich bin kein Mensch - aber ich lebe unter Menschen. Und glaube, ohne mich gibt es kein Leben und kein Vergehen. Denn ich bin die Liebe - die wahre, tiefe Liebe!"

Da blieb Yün stehen, musterte die Alte mit ihrem zerfurchten Gesicht und begann zu lachen. Er blickte auf das weiße Haar und die rauen Hände und lachte noch lauter. Er wies mit seiner Rechten auf ihren gebückten Rücken und er sagte: "Du willst die Liebe sein, die alles Leben weckt? Du, in deinem Alter? Da habe ich mir die Liebe aber ganz anders vorgestellt. Die Liebe ist jung und schön, das Blut rinnt tiefrot durch die Adern und gerade ist der Rücken. Wenn ich Liebe höre, dann sehe ich volle Lippen vor mir und eine runde Brust, eine Taille, die man umfangen möchte. Nein, nein, die Liebe ist jung und voller Sinneslust!"

"Warte, junger Mann, du verwechselst mich. Du sprichst nicht von der Liebe - sondern der tollen Lust. Aber die Liebe ist anders. Denke doch einmal nach, Junge - wie war das, als du geboren wurdest, wer hat dich gehegt und gepflegt? Wer hat es dir überhaupt möglich gemacht, aus einem hilflosen Kind zu dem starken Mann zu werden, der du heute bist? Wer hat dich genährt, wenn du Hunger hattest? Wer saß an deinem Bett, wenn du krank warst? Wer hat deine bisweilen bösen Streiche geduldet und mit Güte vergessen gemacht? Es war deine Mutter. Wer hat deine wilde Jugend umgewandelt in Verantwortungsbewusstsein? Die Liebe deiner Frau! Und wer hat dich deine Starrheit und Härte vergessen machen? Die Liebe deiner Kinder! - Sieh, Bauer, das ist die wahre, die tiefe Liebe, die ich verkörpere."
"Yün bedeckte seinen Kopf mit den Händen. Dann sprach er erschüttert: "Weib, du hast recht! Diese Liebe war es, die mich zu dem gemacht hat, der ich bin. Und doch habe ich es oft nicht sehen wollen und bin wieder zurückgefallen in die Sünden und Fehler der Jugend und Kindheit. Doch nun hast du mir die Augen geöffnet! Sag, grollst du mir nun?"
"Aber nein", entgegnete die Alte, "ich bin ja die echte Liebe, weil ich alles, alles ertrage."

Yün wischte seine Tränen ab und lächelte: "Nun weiß ich, was du für mich bist. Du hast mich wieder an mein besseres Ich erinnert - und nun will ich immer daran denken. Ich bitte dich, bleib immer bei mir."
"Mach dir darum keine Sorge, Junge", erwiderte die Alte, "immer bin ich bei euch Menschen, auch wenn mich oft die glänzenden Bilder der sinnlichen Liebe überstrahlen, die verführen und bezaubern - und die Menschen, wenn es vorbei ist, leer zurücklassen. Und darum ist mein Antlitz so alt und mein Gang gebeugt, weil ich all dies zu tragen habe, auch die Enttäuschung nach der körperlichen Liebe - und doch bin ich kraftvoll und gesund, weil ich die echte Liebe bin und niemals verschwinden werde von der Erde, solange Menschen darauf sind."
"Ach", sagte der Bauer, "verlass mich nicht."

"Keine Angst", entgegnete die Alte, "von nun an werde ich immer bei dir sein."

Und so war es auch. Der Bauer selbst fühlte es nicht - aber alle die, die ihn liebten ...

13. Juli

Zum heutigen "Dreizehnten"

Eine Frau in den besten Jahren wird plötzlich schwer krank und ins Krankenhaus gebracht. Auf dem Operationstisch hat sie eine "Nahtod- Erfahrung".
Sie sieht Gott und fragt ihn: "Ist mein Leben zu Ende?"

Gott beruhigt sie: "Nein, du hast noch 43 Jahre, 2 Monate und 8 Tage zu leben."
Nach der OP entscheidet sich die Frau im Krankenhaus zu bleiben, um sich die Gesichtsfalten glätten, die Lippen unterspritzen und das Bauchfett entfernen zu lassen und noch so etliches mehr.

Nachdem sie ja noch so lange zu leben hat, will sie das Beste daraus machen und so gut wie möglich ausschauen. Nach der letzten Operation wird sie aus dem Krankenhaus entlassen. Beim Überqueren der Straße wird sie von einem Auto zu Tode gefahren.

Als sie dann vor Gott steht, fragt sie wütend: "Ich dachte, du hast gesagt, ich hätte noch über 40 Jahre zu leben?
Warum hast Du mich nicht gerettet?"

Gott antwortet schlicht: "Ich habe Dich nicht erkannt!"

Die Moral der Geschichte: bleib wie Du bist!

14. Juli

Glück

Solang du nach dem Glücke jagst,
bist du nicht reif zum Glücklichsein,
und wäre alles Liebste dein.

Solang du um Verlorenes klagst
und Ziele hast und rastlos bist,
weißt du noch nicht, was Friede ist.

Erst wenn du jedem Wunsch entsagst,
nicht Ziel mehr noch Begehren kennst,
das Glück nicht mehr mit Namen nennst.
Dann reich dir des Geschehenes Flut
nicht mehr ans Herz, und deine Seele ruht.

Hermann Hesse

15. Juli

Ein lustiger Beitrag zum heutigen Endspiel:

von Heinz Erhardt 

Vierundzwanzig Beine rasen durch die Gegend ohne Ziel!
Und weil sie so rasen müssen, nennt man das ein Rasenspiel!

Rechts und links steh`n zwei Gestelle, je ein Spieler steht davor .
Hält den Ball er, ist ein Held er. Hält er nicht, schreit man: „Du Tooor!“

Fußball spielt man meistens immer mit der unteren Figur
mit dem Kopf , obwohl`s erlaubt ist , spielt man ihn ganz selten nur!

16. Juli

Das Würfelspiel

Wenn ich´s mir recht so überlege
ist´s Leben wie ein Würfelspiel,
manchmal wirft Augen man nur wenige,
ein andres Mal trifft man auch viel.

Es lässt sich nichts vorausberechnen,
das Glück ist halt ein leichtes Kind
und was du heute noch besessen,
nimmt es dir morgen fort geschwind.

Wenn wir uns heute Sorgen machen
gibt´s morgen wieder Sonnenschein,
´drum lasst uns heute lieben, lachen
und trinken unseren besten Wein.

Lasst uns heut mit Freunden reden
ein ernstes oder heitres Wort;
morgen ziehen wir auf anderen Wegen,
oder die Freunde bleiben fort.

Wer das begreift, genießt die Stunden,
die uns das Leben heute schenkt,
wie oft ist oft das Glück entschwunden -
es ist meist später, als man denkt.

Katarina Reich

17. Juli

Blaubeeren

Aus der Kindheit kenne ich sie. Im Wald direkt vom Strauch gepflückt verriet die blaue Zunge und ich war bestrebt, viele dieser Winzlinge zu sammeln, weinte, wenn ich mein Töpfchen aus Versehen umgestoßen hatte. Sie schmecken aber auch heute als Oma noch und beim Radfahren verschaffen sie abwechslungsreiche Halts und blaue Finger.

In einem Märchen wird behauptet, dass überall dort, wo Heidelbeeren wachsen, Zwerge ein- und ausgehen, ist Blau doch ohnehin eine beliebte Märchenfarbe: Ein schwedisches Kinderbuch erzählt vom Hänschen im Blaubeerenwald.

Die Beerenlese war früher nicht leicht. Es ist bekannt, dass im Schwarzwald Heiberhexen den Wald stürmen, sobald die Heidelbeeren reif sind. Das war früher, ist aber auch heute noch so. Der ärmliche Speiseplan der Dörfler wurde so etwas ergänzt und die Haushaltskasse aufgebessert.

Der Farbstoff in den Waldheidelbeeren wird schon lange genutzt – die Kelten färbten mit Heidelbeeren die Gewänder ihrer Sklaven violettrot.

Die Heidelbeere kommt ursprünglich vor allem in den Kiefern- und Fichtenwäldern sowie in Hochmooren und Heiden Eurasiens und Nordamerikas vor. Sie ist eine typische Wildfrucht. In Nordamerika begann man vor etwa 100 Jahren wild wachsende Sträucher zu kultivieren.
Somit stammt die Kulturheidelbeere also von den Blueberries ab, die fast murmelgroß und säurearm sind.

Der deutsche Name bedeutet wohl „auf der Heide wachsende Beere“.

18. Juli

Abseits

Es ist so still; die Heide liegt
im warmen Mittagssonnenstrahle,
ein rosenroter Schimmer fliegt
um ihre alten Gräbermale;
Die Kräuter blühn; der Heideduft
steigt in die blaue Sommerluft.

Laufkäfer hasten durch’s Gesträuch
in ihren goldnen Panzerröckchen,
die Bienen hängen Zweig an Zweig
sich an der Edelheide Glöckchen;
Die Vögel schwirren aus dem Kraut –
Die Luft ist voller Lerchenlaut.

Ein halbverfallen ‚niedrig’ Haus
Sieht einsam hier und sonnenbeschienen;
Der Kätner lehnt zur Tür hinaus,
behaglich blinzelnd nach den Bienen;
sein Junge auf dem Stein davor
schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.

Kaum zittert die Mittagsruh
Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;
Dem Alten fällt die Wimper zu,
er träumt von seinen Honigernten.
Kein Klang der aufgeregten Zeit
drang noch in diese Einsamkeit.

Theodor Storm

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