April 2018

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Walpurgisnacht 30            

1. April

Osterhäschen ...

Allen Menschen wird es bang,
Osterhäschen wird noch krank.
Soll doch kommen bald,
friert wohl sehr im Wald.

Regen und Schnee,
tun dem Häschen weh.
Klamme Finger, kalte Ohren,
hoffentlich ist es nicht erfroren.

Kann fast nicht den Pinsel halten,
geschweige seines Amtes walten.
Die Farben vielleicht gefroren sind,
enttäuscht wäre sicher jedes Kind.

Lasst uns nun um Sonne bitten,
Häschen hat genug gelitten,
kommt dann fröhlich aus dem Wald,
bringt bunte Eier für Jung und Alt.

2. April

Ostern

Ja, der Winter ging zur Neige,
holder Frühling kommt herbei,
lieblich schwanken Birkenzweige,
und es glänzt das rote Ei.

Schimmernd wehn die Kirchenfahnen
Bei der Glocken Feierklang,
und auf oft betretnen Bahnen
nimmt der Umzug seinen Gang.

Nach dem dumpfen Grabchorale
tönt das Auferstehungslied
und empor im Himmelsstrahle
schwebt er, der am Kreuz verschied.

So zum schönsten der Symbole
wird das frohe Osterfest,
dass der Mensch sich Glauben hole,
wenn ihn Mut und Kraft verlässt.

Jedes Herz, das Leid getroffen,
fühlt von Anfang sich durchweht,
dass sein Sehnen und sein Hoffen
immer wieder aufersteht!

Ferdinand von Saar (1833-1906)

3. April

Zu Ostern und anderen Feiertagen gibt es oft Kuchen und Co - einfach lecker

Backpulver

Alle Backrezepte aus einem alten Kochbuch von 1801-1876 beginnen: Man nehme ... Für die Weihnachtsplätzchen braucht man u. a. Hirschhornsalz, Pottasche oder Weinstein, denn Backpulver gab es erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Dem Erfinder ging es allerdings nicht um Kuchen, sondern Brot.
Justus von Liebig (1803-1873) nahm Natron statt Hefe. Verschiedene Verbindungen versuchte er, worauf Reaktionen erfolgten.
Auf diesem Prinzip basiert unser Backpulver. Doch diese damalige Erfindung taugte als Backhilfe für den Alltag nicht viel. Somit musste wieder aus der Apotheke Hirschhornsalz und Weinstein herhalten.
Liebigs Schüler Norton Horsford erregte 1859 Aufsehen mit "Horsfords Weinsteinersatz". Ein patentiertes Pulver.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelang einem Apotheker aus Bielefeld dann etwas Sensationelles.
August Oetker (1862-1918) suchte nach einem Triebmittel. Dazu mischte er in einem Hinterzimmer seiner Apotheke die verschiedensten Substanzen. Bis spät in die Nacht schaffte er mit Apothekerwaage, Mörser und Pülverchen. Seine Ziele waren Teiglockerung, Haltbarkeit und Geschmacksfreiheit. Das Ergebnis war das Backpulver "Backin".

4. April

Frühlingsnacht

Übern Garten durch die Lüfte
hört ich Wandervögel ziehn,
das bedeutet Frühlingsdüfte,
unten fängt’s schon an zu blühn.

Jauchzen möchte ich, möchte weinen,
ist mir’s doch, als könnt’s nicht sein!

Alte Wunder wieder scheinen
mit dem Mondesglanz herein.

Und der Mond, die Sterne sagen’s,
und in Träumen rauscht’s der Hain,
und die Nachtigallen schlagen’s,
„Sie ist deine, sie ist dein!“

Joseph von Eichendorff

5. April

Ja, und nun geht es wieder los mit der Gartenarbeit. Im Gewächshaus konnten wir wetterbedingt nun erst Kresse, Radieschen und Rettiche aussäen. Die anderen, im Haus vorgezogenen und bereits pikierten Pflänzchen der Paprika und Tomaten, haben nun auch ins Gewächshaus dürfen. Sie stehen wie die Soldaten und werden hoffentlich zügig weiterwachsen.

Markiersaat

Was bedeutet dieser Ausdruck?
Manche Sämereien brauchen zum Keimen sehr lange, das sind vor allem Möhren und Karotten, Petersilie, Zwiebeln und einige Gewürzkräuter. Oft keimen die Unkräuter schneller und da man die Reihen mit den Aussaaten auf dem Beet nicht oder fast nicht erkennen kann, sind die Unkräuter kaum zu bekämpfen. Damit man aber frühzeitig hacken kann, verwendet man die sogenannte Markiersaat. Das sind schnell keimende Sorten, die in die gleichen Reihen wie die gewünschten Pflanzen, immer wieder mal in einem bestimmten Abstand, gesät werden. Das sind vor allem Radieschen oder Salat, welche die Hauptsaat nicht stören, denn Radieschen werden schon bald geerntet und der Salat verpflanzt.

6. April

Die Seeleute spinnen Seemannsgarn, die Förster sprechen von Jägerlatein - und die Gärtner?

Bei ihnen nennt man das "Gärtnerlatein". Nur kann man diese Geschichten nachprüfen, denn ein jeder kann sehen und feststellen, ob das Geprahlte auch stimmt.

Der Traum eines jeden Gärtners: Riesenfrüchte ernten und am besten noch Wettbewerbe damit gewinnen! Durch das richtige Saatgut und ideale Wachstumsbedingungen, kann das Wirklichkeit werden.

Riesenkohlrabis gibt es schon viele Jahre und sie werden nicht nur riesengroß, sondern haben auch einen weiteren Vorteil: sie schmecken köstlich. Man braucht nur etwas mehr Geduld, muss für ausreichende Feuchtigkeit sorgen und auch regelmäßig düngen, denn bei Nährstoff- und Wassermangel wird auch dieser Kohlrabi holzig oder schießt durch.

Auch Riesen-Gemüsezwiebeln gibt es schon seit Jahren, mit mehr als 2,5 kg Gewicht,  mild, lecker und gut lagerfähig.

7. April

April, April – er macht was er will.
Sonnenschein und blauer Himmel,
Sturm und Schneeflockengewimmel.
Blitz und Donner – Regenschauer -
Plötzlich aus Nebel eine Mauer.
Mäntel zieht man an und aus,
geht ohne Schirm nicht aus dem Haus.

Menschen werden am Ersten beglückt,
einfach unsinnig in den April geschickt.
In den vielen Zeitungs-„Enten“,
soll man sich an jemanden wenden.
‚Es ist nur Spaß gewesen’,
kann am nächsten Tag man lesen.

Die Natur hat sich geschmückt,
mit vielen Blüten sie entzückt.
Bienchen summen,
Hummeln brummen,
hin und wieder ein Schmetterling,
alles jubelt: Frühling, Frühling!

8. April

Frühjahrsmüdigkeit

Wenn die Frühlingsblumen blühen ist sie da. Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen und eigentlich sollte man sich darüber freuen, fühlt sich aber plötzlich so antriebslos und müde.
Im Winter hatten wir uns auf niedrigere Temperaturen eingestellt und nun muss sich der Organismus wieder umstellen und anpassen. Unsere Blutgefäße weiten sich und der Blutdruck fällt ab. Die Folge des niedrigen Blutdrucks ist dann Müdigkeit.
Auch die Veränderungen der Tages- und Nachtlänge spielt eine Rolle, weil man bei längeren Tagen weniger schläft, länger zu schlafen aber nichts bringt. Man sollte viel an die frische Luft gehen und sich bewegen, damit der Kreislauf in Schwung kommt. Der Körper passt sich dadurch schneller an.

Auch die richtige Ernährung ist nun wichtig: Im Winter aß man deftige, fetthaltige Speisen, sollte nun aber auf kleinere und leichtere Mahlzeiten umstellen.
Fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag liefern Vitamine, Mineralstoffe und weitere positive Inhaltsstoffe.
Frische Salate, Spinat, Kohlrabi, selbst gezogene Kräuter von der Fensterbank oder frische Säfte.
Ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen und vor allem Vollkornprodukte.

Sollte das nicht helfen - die Frühjahrsmüdigkeit ist meistens nach guten zwei Wochen weg.

9. April

Sei wie ein Clown, der keine Tränen zeigt,
der all sein Herzeleid geschickt verschweigt.
Der auf der Bühne steht – und lacht Dich an,
der alles, was ihn drückt, verbergen kann!

Der Dich erfreut in seinem größten Schmerz,
der stets in beide Hände nimmt sein Herz.
Der alle Menschen froh und heiter stimmt,
auch wenn das Schicksal ihm das Liebste nimmt.

Sei wie ein Clown und zeige andern nicht,
was tief in Deiner Seele Bände spricht.
Und hülle oft in eine Maske ein,
so manches, was nur angeht Dich allein.

Nach außen zeig ein tapferes Gesicht,
auch wenn oft stiller Kummer mit Dir spricht.
Lass dann nur Deinen Tränen freien Lauf,
in Stunden, da sich tut kein Vorhang auf!

Fred Endrikat

10. April

Der vorsichtige Träumer

Johann Peter Hebel

In dem Städtlein Witlisbach im Kanton Bern war einmal ein Fremder über Nacht, und als er ins Bett gehen wollte und bis auf das Hemd ausgekleidet war, zog er noch ein Paar Pantoffel aus dem Bündel, legte sie an, band sie mit den Strumpfbändern an den Füßen fest und legte sich also in das Bette.
Da sagte zu ihm ein anderer Wandersmann, der in der nämlichen Kammer übernachtet war: „Guter Freund, warum tut Ihr das?"
Darauf erwiderte der erste: „Wegen der Vorsicht. Denn ich bin einmal im Traum in eine Glasscherbe getreten. So habe ich im Schlaf solche Schmerzen davon empfangen, dass ich um keinen Preis mehr barfuß schlafen möchte.“

11. April

Nachtgefühl

Wenn ich mich abends entkleide
gemachsam, Stück für Stück,
so tragen die müden Gedanken
mich vorwärts oder zurück.

Ich denke der alten Tage,
da zog die Mutter mich aus:
sie legte mich still in die Wiege,
die Winde brausten ums Haus.

Ich denke der letzten Stunde,
da werden’s die Nachbarn tun;
sie senken mich still in die Erde,
dann werd ich lange ruhn.

Schließt nun der Schlaf mein Auge,
wie träum’ ich oftmals das:
es wäre eins von beidem,
nur wüsst’ ich selber nicht, was.

Friedrich Hebbel

12. April

Der "Blautopf" ... bei einem Ausflug waren wir beeindruckt wegen der außergewöhnlichen Farbe des Wassers ...

Die Sage von der schönen Lau
Eduard Mörike

Der Blautopf ist der große runde Kessel eines wundersamen Quells bei einer Felsenwand gleich hinter einem Kloster. Gen Morgen sendet er ein Flüsschen aus, die Blau, welche der Donau zufällt. Dieser Teich ist einwärts wie ein tiefer Trichter, sein Wasser ist von Farbe ganz blau, sehr herrlich, mit Worten nicht wohl zu beschreiben; wenn man es aber schöpft, sieht es ganz hell in dem Gefäß.
Zuunterst auf dem Grund saß ehemals eine Wasserfrau mit langen, fließenden Haaren. Ihr Leib war allenthalben wie eines schönen, natürlichen Weibes, dies eine ausgenommen, dass sie zwischen den Fingern und Zehen eine Schwimmhaut hatte, blühweiß und zarter als ein Blatt von Mohn. Im Städtlein ist noch heutzutage ein alter Bau, vormals ein Frauenkloster, hernach zu einer großen Wirtschaft eingerichtet und hieß darum der Nonnenhof. Dort hing vor sechzig Jahren noch ein Bildnis von dem Wasserweib, trotz Rauch und Alter noch wohl kenntlich in den Farben. Da hatte sie die Hände kreuzweis über die Brust gelegt, ihr Angesicht weißlich, das Haupthaar schwarz, die Augen aber, die sehr groß waren, blau. Beim Volk hieß sie die arge Lau im Topf, auch wohl die schöne Lau. Gegen die Menschen erzeigte sie sich bald böse, bald gut. Zuzeiten, wenn sie in Unmut den Gumpen übergehen ließ, kam Stadt und Kloster in Gefahr. Dann brachten ihr die Bürger in einem feierlichen Aufzug oft Geschenke, sie zu begütigen, als: Gold- und Silbergeschirr, Becher, Schalen, kleine Messer und andere Dinge, dawider zwar, als einen heidnischen Gebrauch und Götzendienst, die Mönche redlich eiferte, bis dieser auch endlich ganz abgestellt worden. So feind darum die Wasserfrau dem Kloster war, geschah es doch nicht selten, wenn Pater Emmeran die Orgel drüben schlug und kein Mensch in der Nähe war, dass sie am lichten Tag mit halbem Leib heraufkam und zuhorchte. Dabei trug sie zuweilen einen Kranz von breiten Blättern um den Kopf und dergleichen um den Hals.

Ein frecher Hirtenjunge belauschte sie einmal in dem Gebüsch und rief: „Hei, Laubfrosch! Git’s guat Wetter?“ Geschwinder als ein Blitz und giftiger als eine Otter fuhr sie heran, ergriff den Knaben beim Schopf und riss ihn mit hinunter in eine ihrer nassen Kammern, wo sie den ohnmächtig Gewordenen jämmerlich verschmachten und verfaulen lassen wollte.
Bald aber kam er wieder zu sich, fand eine Tür und kam über Stufen und Gänge durch viele Gemächer in einen schönen Saal. Hier war es lieblich mitten im Winter. In einer Ecke brannte, indem die Lau und ihre Dienerschaft schon schlief, auf einem hohen Leuchter mit goldenen Vogelfüßen als Nachtlicht eine Ampel. Es stand viel köstlicher Hausrat herum an den Wänden, und diese waren samt dem Estrich ganz mit Teppichen bedeckt, Bildweberei in allen Farben. Der Knabe nahm hurtig das Licht herunter von dem Stock, sah sich in Eile um, was er noch sonst erwischen möchte, und griff aus einem Schrank etwas heraus, das stak in einem Beutel und war mächtig schwer, deswegen er vermeinte, es sei Gold. Er lief dann und kam vor ein erzenes Pförtlein, das mochte in der Dicke gut zwei Fäuste sein, schob die Riegel zurück und stieg eine steinerne Treppe hinauf in unterschiedlichen Absätzen, bald links, bald wieder rechts, gewiss vierhundert Stufen, bis sie zuletzt ausgingen und er auf ungeräumte Klüfte stieß. Da musste er das Licht dahinten lassen und kletterte so mit Gefahr seines Lebens noch eine Stunde lang im Finsteren hin und her; dann aber brachte er den Kopf auf einmal aus der Erde. Es war tiefe Nacht und dicker Wald um ihn. Als er nach vielem Irregehen endlich mit der ersten Morgenhelle auf gängige Pfade kam und von dem Felsen aus das Städtlein unten erblickte, verlangte ihn, am Tage zu sehen, was in dem Beutel wäre. Da war es weiter nichts als ein Stück Blei, ein schwerer Kegel, spannenlang, mit einem Öhr an seinem oberen Ende, weiß vor Alter. Im Zorn warf er den Plunder weg, ins Tal hinab, und sagte nachher weiter niemandem von dem Raub, weil er sich dessen schämte. Doch kam von ihm die erste Kunde von der Wohnung der Wasserfrau unter die Leute.

13. April

Der Fischer

Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll,
ein Fischer saß daran,
sah nach der Angel ruhevoll,

kühl bis an’s Herz hinan:
Und wie er so sitzt und wie er lauscht,
teilt sich die Flut empor,
aus dem bewegten Wasser rauscht
ein feuchtes Weib hervor.

Sie sagt zu ihm, sie sprach zu ihm:
Was lockst du meine Brut
mit Menschenwitz und Menschenlist
hinaus in Todesglut?
Ach, wüsstest du, wie’s Fischlein ist
so wohlig auf dem Grund,
du stiegst herunter wie du bist,
und würdest erst gesund.

Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll,
netzt’ ihm den nackten Fuß,
sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll,
wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
Da war’s um ihn geschehn:
Halb zog sie ihn, halb sank er hin,
und ward nicht mehr gesehn.

Johann Wolfgang von Goethe

14. April

Die Schleie

Ein beliebter Speisefisch der Familie der Karpfen, von dem es leider nur noch wenige gibt.

Die Schleie, stehende Gewässer liebend, ist in großen Teilen Europas verbreitet, sogar bei uns in den Backnanger Heppseen. Durch den Verbau von flachen, krautreichen Uferzonen und dem damit verbunden Wasserpflanzenrückgang, gibt es immer weniger Schleie und Überdüngung ist ein zusätzlicher Gefährdungsfaktor.

Die Schleie, ein Grundfisch, mag langsam fließende Gewässer und flache, warme Seen und Teiche mit dichten Pflanzenbeständen und schlammigem Untergrund. Diese Fische, die monatelang hungern können, sind äußerst anpassungs- und widerstandsfähig gegen Sauerstoffmangel und saures Wasser. Bei Temperaturen von über 28 Grad Celsius wird die Nahrungsaufnahme eingestellt, der Sauerstoffverbrauch und Stoffwechsel stark zurückgefahren. Bei noch höheren Temperaturen gräbt sich der Fisch im Schlamm ein und fällt ins Hitzekoma.

Als Nahrung dienen kleine Bodentierchen - Insektenlarven, Schnecken und kleine Muscheln. Da ihre Haut dick und mit vielen Schleimzellen belegt ist  – wird die Schleie so genannt. Die kleinen Schuppen und der Rücken sind olivgrün oder braun, meist mit goldfarbenem Schimmer, die Seiten und der Bauch glänzen messingfarben.

Langsam wachsend erreichen die Fische durchschnittlich nach drei Jahren eine Länge von 20 bis 30 Zentimetern sowie ein Gewicht von bis zu 300 Gramm. Bei gutem Nahrungsangebot, können sie bis zu 70 Zentimeter lang und etwa 7,5 Kilogramm schwer werden.

15. April

Am fließenden Wasser

Hell im Silberlichte flimmernd
zieht und singt des Baches Welle,
goldengrün und tiefblau schimmernd
küsst sie flüchtig die Libelle;
Und ein drittes kommt dazu,
eine Blüte hergeschwommen:
Alle haben drauf im Nu
heitern Abschied schon genommen.

Und die Esche beugt sich drüber,
schaut in Ruh das holde Treiben,
denkt: Ihr Lieben, zieht vorüber,
ich will grünen hier und bleiben!
Und ich unterm Eschenbaum:
Was soll denn mit mir geschehen
in dem reizend leichten Traum?
Soll ich bleiben? Soll ich gehen?

Gottfried Keller

16. April

Die Gartenanemone

  

Sie stammt aus den Balkanländern, ist ein Hahnenfußgewächs und mit unserem heimischen Buschwindröschen verwandt.
Diese Schönheiten sind anspruchslos, winterhart und wachsen in jedem Gartenboden, am liebsten jedoch im Halbschatten. Die klaren, reinen Farben sind wunderschön. Deshalb werden die Blumen auch gern zum Schnitt verwendet und halten dann recht lange. Mit einer Wuchshöhe von ungefähr 20 bis 25 cm passen sie in jeden Steingarten.
Die Blüten in weiß, rosa, rot, blau, bis hin zu zweifarbig - gefüllt oder einfach - stehen über petersilienähnlichem Kraut. Je nach Art blühen sie von März bis Juli und die Pflanzung der harten Wurzeln nimmt man im Frühjahr oder Herbst vor. Fünf Zentimeter tief einsetzen und damit es schöner aussieht immer mehrere zusammen. Dann sollte man die Pflanzen einige Jahre am gleichen Ort in Ruhe lassen und sich daran erfreuen. 

17. April

Pflanzen von früher

Man macht sich  kaum Gedanken darüber, dass es  Pflanzen gibt, die so alt sind, dass sie schon in vorbiblischer Zeit erwähnt wurden.

In vielen Bibelsprüchen und Gleichnissen wird auf die eine oder andere Pflanze hingewiesen. Auch damals kannte man Unwetterschäden, Heuschreckenplagen und Schnecken fraßen in manchen Jahren die Ernte; Hornissen und Fliegen wurden als Schädlinge erwähnt.

Die berühmteste Pflanze ist sicher der Olivenbaum, aus dessen Früchten damals schon Olivenöl gepresst wurde. In Lustgärten wuchsen Granatäpfel, Aloe, Zimt, Myrrhen, Safran , Feigen, Quitten, Orangen, Aprikosen, Datteln und Mandelbäume. Narden waren damals auch bekannt, das sind verschiedene wohl riechende Pflanzen, die man für die Herstellung von Salben und ähnlichem brauchte. Auch Johannesbrotbäume und Maulbeeren fand man in vielen Gärten.

Von Noah wird berichtet, dass er Weinberge anlegte. Man kannte Schalotten, Knoblauch, Gurken, Melonen, Lauch, Salate, Bohnen, Kürbisse, Weizen, Gerste, Hafer und Gewürze wie Kümmel, Koriander, Dill, Minze, Raute.

18. April

Tulpe

Fest das Fleisch und prall die Haut,
seh ich dich im Garten
magdlich rund und wohlgebaut
in die Dämmerung warten.

Recht zum Küssen angetan,
weibs, es auch zu zeigen:
gehen nicht gar zu zeitlich an
Lieb und Liebesreigen.

Wenn die Mädchen rank und schloh
noch den Kindsschlaf lieben,
treibst du’s zwischen Schütt und Stroh
und beim Nachbarn drüben.

Schenkst das Weiß, das Flammigrot,
und das Gäl des Vlieses:
Lippenwein und Wangenbrot,
ach und jen- und dieses.

Antje, gute, derb und froh
und so schön durchtrieben:
Wer im Dorf und anderswo
müsste dich nicht lieben?

Josef Weinheber

19. April

Tulpen

Die Niederlande sind bekannt für ihre Tulpen und im Frühjahr kann man dort traditionell  beim Keukenhof eine Ausstellung mit Millionen Blüten, sowie riesige Tulpenfelder besuchen. Deshalb ist die Tulpe auch das Nationalsymbol der Niederlande und dient ebenso zu Werbezwecken.

Im 16. Jahrhundert wurde die Tulpe in der Türkei in den Gärten Konstantinopels „entdeckt“. Bereits seinerzeit gab es viele Züchtungen und neue Formen.
Die Heimat vieler Arten ist jedoch in Nordafrika, Mittelasien und Europa. Von Wien aus kam die Tulpe nach Westeuropa, vor allem in die Niederlande, da die ersten Tulpengärtner dort lebten.
Am Ende des 16. Jahrhunderts wurden die ersten Tulpenzwiebeln dort angepflanzt und es dauerte nicht lange, bis die Tulpe berühmt und sogar als Geldanlage betrachtet wurde, was zu  wilden Spekulationen führte: dem so genannten „Tulpenwindhandel“, auch „Tulpomanie“ oder „Tulpenwahn“.
Diese Zwiebeln waren zur Handelsware geworden, mit der man spekulieren konnte. Ihr Preis schnellte in die Höhe, geriet außer Kontrolle, die Regierung musste einschreiten und innerhalb von 24 Stunden brach der Tulpenmarkt ein, so dass viele Spekulanten vor dem Nichts standen.

Die Tulpe mit ihrer besonderen Kelchform hat weiche und Stiele, die in der Vase gern krumm werden und deshalb immer wieder neu angeschnitten werden sollten.

Mein Tipp: Wenn ich Tulpen kaufe, wickle ich sie immer etwas enger von oben bis unten in Zeitungspapier ein und stelle sie so eine Nacht oder einen Tag in die Vase mit Wasser. Dann bleiben sie gerader und krümmen sich nicht sofort.

20. April

Die Tulpe

  

Dunkel
war alles und Nacht.
In der Erde tief
die Zwiebel schlief,
die braune.

Was ist das für ein Gemunkel,
was ist das für ein Geraune?
Dachte die Zwiebel,
plötzlich erwacht.
Was singen die Vögel da droben
und jauchzen und toben?

Von Neugier gepackt,
hat die Zwiebel einen langen Hals gemacht
rund um sich geblickt
mit einem hübschen Tulpengesicht.

Da hat ihr der Frühling entgegengelacht.

Josef Guggenmos

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